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Schiessen wir die
Wolfsregulierung ab!

Der Abschuss von Wölfen ist nicht nur teuer, sondern komplett sinnlos. Der Mensch kann problemlos mit ihnen koexistieren, wie er es während Jahrtausenden tat.

Schiessen wir die  Wolfsregulierung ab!
Der Wolf ist Teil eines sich selbst regulierenden Ökosystems. Bild: Keystone/Jan Ryser.

 

Dieser Beitrag ist Teil der Serie «Motosierra suiza», in der wir zeigen, wo man in der Schweizer Bürokratie die Motorsäge ansetzen könnte.

 

Die Hybris des Homo faber liegt in der Überzeugung, die Welt vollständig beherrschen zu können. Alles soll so funktionieren, wie er es will. Dass er daran nur scheitern kann, zeigt Max Frisch in seinem gleichnamigen Roman von 1957. Protagonist Walter Faber, ein Ingenieur und durch und durch Rationalist, verliert sukzessive den Boden unter den Füssen, beginnend mit einer Notlandung in der Wüste und bis hin zu einer Affäre mit einer jungen Frau, die sich als seine eigene Tochter entpuppt. Tja, so geht es im Leben: Früher oder später durchbricht es den durch Kontrolle errichteten Damm.

Auch für die Wolfsregulierung gilt: Obacht, es könnte nach hinten losgehen. Damit soll nicht geunkt, lediglich zurechtgerückt werden. Das Unkontrollierbare zu leugnen, ist realitätsfremd und fatal. Überhaupt: Die Natur und damit der Wolf können auf den Homo sapiens verzichten. Denn immer, wenn er seine Hände im Spiel hat, wird es gefährlich.

Trotzdem wird inzwischen in der Schweiz auf Biegen und Brechen eine strikte Wolfspolitik durchgezogen. Das ruft immer mehr Kritiker auf den Plan, allen voran Naturschutzorganisationen wie WWF und Pro Natura. Aber nicht nur. Auch in ökonomischer Hinsicht muss Alarm geschlagen werden: Die Schweizer Wolfspolitik ist kostspielig, verursacht sie doch, aufgeteilt zwischen Bund und Kantonen, jährliche Kosten in Millionenhöhe.

 

Die meisten Abschüsse sind präventiv

Dass es so weit kommen würde, ahnte man vor drei Jahrzehnten noch nicht. Über 150 Jahre lang war der Wolf im deutschsprachigen Raum ausgestorben. 1995 kehrte er in die Schweiz zurück. Aktuell gibt es rund vierzig Rudel in acht Kantonen. In seinem «Bericht Wolfsregulierungen 2025−2026» hat das Bundesamt für Umwelt (BAFU) 350 Wölfe erfasst. Dem stehen 226 Wölfe gegenüber, die seit Dezember 2023 geschossen wurden, also seit der Umsetzung der neuen Abschusspolitik. Gemäss dieser dürfen, allerdings nur mit Bewilligung der Kantone, problematische Wölfe in einem klar definierten Zeitraum getötet werden.

«Es werden nicht nur Problemwölfe abgeschossen.
Die meisten Abschüsse erfolgen präventiv, also
ohne nachgewiesene Schadenskausalität.»

Besonders Alp- und Landwirte fühlen sich durch den Wolf bedroht. Trotz enormer Schutzmassnahmen verdoppelten sich schweizweit alle drei Jahre die Übergriffe auf Nutztiere – der traurige Höchststand wurde 2022 mit 1800 gerissenen Tieren erreicht. Ob das den Wolfsabschuss legitimiert, mag jeder selbst entscheiden. Allein: Es werden nicht nur Problemwölfe abgeschossen. Die meisten Abschüsse erfolgen präventiv, also ohne nachgewiesene Schadenskausalität. In einem BAFU-Bericht von 2025 heisst es, dass die Kantone 92 Wölfe präventiv getötet hätten; dabei wurden versehentlich drei Luchse erschossen. Mit ihrer Abschusspolitik wird die Schweiz offenbar nicht nur immer stärker von der Jagd getrieben, sondern verstösst auch gegen die Berner Konvention, ein internationales Artenschutzübereinkommen. Ein Untersuchungsverfahren wurde bereits eingeleitet.

Blicken wir nun auf die Kosten: Ein legaler Wolfsabschuss ist sowohl logistisch als auch bürokratisch aufwändig. Er kostet den Schweizer Steuerzahler rund 35 000 Franken. Darin enthalten sind unter anderem das Monitoring, um den Wolf zu identifizieren, die Abschussbewilligung durch die kantonalen Jagdbehörden, die Löhne für die Wildhüter, die oft wochenlang unterwegs sind, Helikoptereinsätze im alpinen Gelände, Laborkosten wegen erforderlicher DNA-Analyse und die Entsorgung des Kadavers. Hinzu kommen die Kosten für die Bürokratie und zig Rechtsverfahren, da Abschussbewilligungen regelmässig angefochten werden. Man hätte gerne einen durchgehend transparenten BAFU-Etat für das Wolfsmanagement, doch da hapert es, weil er auf mehrere Budgetebenen verteilt ist, wie etwa auf Artenpflege und Jagdbewirtschaftung.

 

Bessere Alternativen

Eine widersprüchliche Förderpolitik tut ihr Übriges. Das BAFU und das Bundesamt für Landwirtschaft subventionieren nicht nur die Wolfsregulierung, sondern auch die Herdenschutzinfrastruktur mit bis zu 80 Prozent. Warum aber zweigleisig? Konsequenter Herdenschutz bleibt die kostengünstigere Methode – und ist langfristig wirksamer. Ein Hund kann eine Herde von bis zu 300 Schafen über zehn Jahre schützen, bei einem Lebenszeitwert von knapp 30 000 Franken. Hinzu kommen die einmalige Errichtung eines Elektrozauns für etwa 10 000 Franken und eine Nachtpferch-Infrastruktur für maximal 8000 Franken. Gewiss befürchten jene, die etwas zu befürchten haben, es könnte nicht ausreichen, ausschliesslich auf Herdenschutz zu setzen. Aber eine immer aggressivere Wolfsjagd kann nicht die Lösung sein.

«Dass wir überhaupt in diesem Dilemma stecken,
dass ein ganzes Bündel von Regulierungen beschlossen
und damit zig Millionen Franken investiert wurden,
zeigt auch, wie sehr sich der Mensch im Umgang
mit dem Wolf verrannt hat.»

Stattdessen sollten wir das Wesen des Wolfes verstehen. Da er sich nicht gerne anstrengt, muss man es ihm so schwer wie möglich machen, an Beute zu kommen. Auch innovative Wege werden beim Herdenschutz bereits erfolgreich umgesetzt: Lamas und Alpakas haben eine natürliche Abneigung gegen Hundeartige – und stellen sich ihnen mit beachtlicher Wehrhaftigkeit, sogar Aggressivität, entgegen. Da bleibt dem Wolf nur eins: die Flucht.

Dass wir überhaupt in diesem Dilemma stecken, dass ein ganzes Bündel von Regulierungen beschlossen und damit zig Millionen Franken investiert wurden, zeigt auch, wie sehr sich der Mensch im Umgang mit dem Wolf verrannt hat. Dabei war es mal ganz anders. In Jäger- und Sammlergesellschaften bestand eine friedliche Koexistenz von Mensch und Wolf. Lange galt er als Vorbild; kein Tier ist dem Menschen in seinem Sozialverhalten ähnlicher. Und er ist bis heute Teil eines sich selbst regulierenden Ökosystems. Vor diesem Ökosystem müssen wir wieder Respekt ausbilden. Das bedeutet auch: Schluss mit dem Abschiessen.

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