Liberale sind zwischen rechts und links eingeklemmt
Im massenmedialen Gezänk zwischen rechts und links ist es schwer, liberal zu bleiben. Trotzdem – oder gerade deshalb – muss die Freiheit gegen sozialistische wie nationalistische Kollektivismen verteidigt werden.
Ursprünglich war mit liberal eine politische Position gemeint, bei der es um grösstmögliche Freiheit für den Einzelnen ging, sei es gegenüber der staatlichen Regierungsgewalt, sei es gegenüber religiösen oder ideologischen Gruppen mit totalem Geltungsanspruch.
Diese Haltung zu leben, war nie einfach. Aber heute braucht es schon viel, um überhaupt als liberal wahrgenommen zu werden, ohne in der linken oder rechten Ecke zu landen – mit massenwirksamer Unterstützung von Teilen der Medien, die alles in vorgefertigte Denkschubladen pressen. Wer nicht links ist, ist eben rechts – und umgekehrt.
Wer zum Beispiel gegenüber der Religionsfreiheit von Muslimen wie auch in der Frage des Kopftuchs liberal ist, gilt als links. Wer dagegen liberal gegenüber konservativen Christen ist und es legitim findet, dass sie Abtreibung ablehnen, gilt als rechts. Wer liberal ist in Sachen Wirtschaft und Handel, gilt ebenfalls als rechts. Wer jedoch liberal ist in Sachen Migration und für eine offene, plurale Gesellschaft eintritt, gilt wiederum als links.
Das tägliche Parteiengezänk mit selektiven Fakten und Vereinnahmungen gewisser Ereignisse zum Zweck gegenseitiger Beschuldigungen – das alles macht die Luft für freiheitliche Positionen nicht besser.
Eine geistig wache Gesellschaft braucht aber das freie Denken, ohne Angst vor linken und rechten Fettnäpfchen. Sonst könnte wahr werden, was Friedrich Dürrenmatt seinen Möbius in den «Physikern» sagen lässt: «Nur im Irrenhaus sind wir noch frei. Nur im Irrenhaus dürfen wir noch denken. In der Freiheit sind unsere Gedanken Sprengstoff.»
Wir dürfen keine Angst davor haben, dass liberale Gedanken ausserhalb der Psychiatrie Sprengstoff sind. Wir können damit Denkschubladen sprengen. Aber das geht nur mit mehr Mut und Selbstbewusstsein.
Es ist Zeit, brennende Themen – Migration, EU, Globalismus, Islam – mit einer robusten, liberalen Stimme anzugehen und entsprechende Lösungsansätze für Politik und Gesellschaft anzubieten. Es ist Zeit, etwas für die Freiheit zu riskieren und den Diskurs nicht länger den Sozialisten und Nationalisten zu überlassen.