Zwei lahme Enten

«Wenn dir die Worte fehlen, fang mit einem Zitat an», sagte Karl Kraus einmal. Demzufolge muss neben einem Österreicher auch noch ein US-Amerikaner bemüht werden, bevor vom Aargauer Silvio Blatter die Rede sein kann. «Unser himmlischer Vater hat die Menschen nur erschaffen», sinnierte Mark Twain einmal über Gottes unvollkommene Schöpfung, «weil er mit den Affen […]

«Wenn dir die Worte fehlen, fang mit einem Zitat an», sagte Karl Kraus einmal. Demzufolge muss neben einem Österreicher auch noch ein US-Amerikaner bemüht werden, bevor vom Aargauer Silvio Blatter die Rede sein kann. «Unser himmlischer Vater hat die Menschen nur erschaffen», sinnierte Mark Twain einmal über Gottes unvollkommene Schöpfung, «weil er mit den Affen unzufrieden war.» In ähnlicher Ausgangslage muss sich Blatter bei der Arbeit an seinem aktuellem Roman «Zwei Affen» befunden haben. Weil Pieter Breu­ghels Kleinformat gleichen Namens keine eigene Geschichte hergibt, schuf Blatter eine trübsinnige Liebesgeschichte und eine spannungsarme Krimihandlung um den Thüringer Schlosser Martin Holm und die Schweizer Malerin Lore Spescha. Die beiden Teile finden allerdings nie recht zusammen, sieht man davon ab, dass sie jeweils sehr behäbig erzählt und in einförmigem Tempo abgewickelt werden. Was würde Mark Twain dazu sagen? «Was man in zehn Worten sagen kann, lässt sich auch in fünf erzählen.» – Recht hat er.

vorgestellt von Michael Harde, Schalkenbach

Silvio Blatter: «Zwei Affen». Köln: DuMont, 2008

«Unverzichtbare Lektüre:
eine intellektuelle Zündkerze, die das
Weiterdenken in Gang bringt.»
Wolf Lotter, Autor und Mitgründer von «brand eins»,
über den «Schweizer Monat»