Zukunft des Service public in den Medien

Über den gebührenfinanzierten Rundfunk in der Schweiz wurde politisch schon immer wild debattiert. Noch nie in ihrer 85jährigen Geschichte war die SRG aber beim Bürger so umstritten wie heute. Das stellt der langjährige Medienjournalist Nick Lüthi fest, der mit je einem Text den Anfang und das Ende unseres Dossiers zur Zukunft des Service public in […]

Über den gebührenfinanzierten Rundfunk in der Schweiz wurde politisch schon immer wild debattiert. Noch nie in ihrer 85jährigen Geschichte war die SRG aber beim Bürger so umstritten wie heute. Das stellt der langjährige Medienjournalist Nick Lüthi fest, der mit je einem Text den Anfang und das Ende unseres Dossiers zur Zukunft des Service public in den Medien markiert. Was ist in den letzten zwei Jahren passiert?

Die nur knapp gewonnene Volksabstimmung im Jahr 2015, die den Anspruch der SRG auf vom Medienkonsum unabhängige Gebührengelder zementierte, hat offensichtlich viele Bürger schon im Vorfeld hellhörig gemacht. So lässt sich erklären, dass die Volksinitiative «No-Billag» überhaupt 100 000 Unterschriften sammeln konnte. Kommt es zur Annahme des radikalen Begehrens, müsste die SRG plötzlich ohne Gebührengelder auskommen, also auf drei Viertel der bisherigen Einnahmen verzichten. Andersherum: obwohl die SRG lediglich ein Viertel selbst erwirtschaftet, führt sie sich auf, als sei sie ein ganz normales Medienunternehmen, das gegen eine internationale Konkurrenz bestehen muss. Tatsächlich aber hat sie einen staatlichen Auftrag zu erfüllen. CVP-Präsident Gerhard Pfister und unser Redaktor Ronnie Grob beleuchten dieses Missverhältnis.

Herbeigeführt haben den nun offensichtlichen Vertrauensverlust der SRG Politiker, die es gut mit ihr meinten und ihr nach und nach kommerzielle Tätigkeiten und den Aufbau neuer Sender erlaubten. Plötzlich war die SRG mit 1,6 Milliarden Franken Umsatz das grösste Medienunternehmen der Schweiz – und das, obwohl ihr Marktanteil seit Jahren rückläufig ist. Die hiesigen Privaten profitieren davon nur bedingt. Otfried Jarren erklärt, welche strukturellen Probleme sie haben. Weil auch sie sich übrigens zunehmend darauf kaprizierten, an öffentliche Töpfe zu kommen, so Selina Hofstetter in ihrem Essay, sei von ihnen mittelfristig kein politisches Engagement für die Verbesserung des bestehenden Gebührenmodells zu erwarten.

Klar ist: eine immer dominantere und zwischen Leistungsauftrag und Kommerz ins Schlingern geratene SRG ist nicht alternativlos! Christian P. Hoffmann, Lukas Rühli sowie Stephanie Grubenmann und Stephan Russ-Mohl skizzieren deshalb Alternativen zum Status quo – und ihre Potentiale.

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Die Redaktion