Zukunft des Geldes III

Zukunft des Geldes III

 

Unschlagbares Staatsmonopol

Maurice Höfgen, zvg.

Die derzeitige Inflation und die Sorge um hohe Staatsschulden schaden dem Ruf der klassischen Staatswährungen – sie beflügeln scheinbar den Kryptotrend. ­Anders als häufig befürchtet ist das Währungsmonopol des Staates aber nicht in Gefahr – zumindest nicht in entwickelten Staaten. Gegen den Euro, den Dollar und den Schweizer Franken werden Bitcoin und Ethereum keine Chance haben.

Der Ökonom Hyman Minsky schrieb mal, dass jeder sein eigenes Geld herausgeben könne – das Problem ­liege darin, wie man es von anderen akzeptiert erhalte. Genau hier sind alle Kryptowährungen der Staatswährung unterlegen. Der Staat hat ein Alleinstellungsmerkmal: Er macht uns alle zu Schuldnern. Zum Beispiel indem er uns dazu verpflichtet, Steuern zu zahlen – und dabei nur seine eigene Währung akzeptiert. Weil wir alle in irgendeiner Form Steuern zahlen müssen, gibt es eine grosse Nachfrage nach der Staatswährung. Für Kryptowährungen gilt das nicht. Wer den Alltag ­bewältigen will, braucht die Währung des Staates, aber keine Kryptowährungen.

Das wird sich auf absehbare Zeit auch nicht ändern. Staaten wären schlecht beraten, auf Kryptowährungen zu setzen, etwa indem sie Steuerzahlungen in Bitcoin akzeptieren. Damit würde die eigene Währung, die eigene Souveränität und die staatliche Handlungsfähigkeit geschwächt. Die eigene Währung kann einem Staat im Gegensatz zu Bitcoin nämlich nicht ausgehen. Das Gegenteil ist wahrscheinlicher: Kryptowährungen werden in 10 Jahren strenger reguliert sein als heute. Weitere Staaten werden ihre Nutzung verbieten und ihre Verwender somit in die Illegalität treiben. Schon heute werden Kryptowährungen genutzt, um staatliche Kontrolle zu umgehen – ob bei Geldwäsche, Steuerhinterziehung oder Kapitalkontrollen. Regierungen werden dem nicht tatenlos zusehen. Die Digitalisierung mag gewisse Gegebenheiten im Geldsystem verändern – das staatliche Währungsmonopol wird aber bleiben.

Die Kryptowelt kommt

Thomas Mayer, zvg.

Ich vermute, dass die Entwicklung des Geldwesens zwischen zwei Polen verlaufen wird: dem Fiatkreditgeld­system und den aus den Kinderschuhen kommenden Kryptowährungen. Noch ist die Glaubwürdigkeit des Fiatkreditgeldsystems aufgrund der niedrigen ­Inflation der Vergangenheit hoch, das Vertrauen in Kryptowährungen aufgrund ihrer grossen Preisschwankungen gering. Doch die uns wahrscheinlich bevorstehende längere Phase ­einer höheren Inflation wird an der Glaubwürdigkeit des ­Fiatkreditgeldsystems zehren.

Der Niedergang des Fiatkreditgelds ist durch die nach der Finanzkrise von 2008 begonnene und in der Coronapandemie enorm beschleunigte Ausweitung seines Volumens bedingt. Nach der Finanzkrise blieb neu geschaffenes Zentralbankgeld weitgehend im Bankensektor: Wie ein unter Ölverlust leidender Motor brauchten es die Banken als Betriebsmittel. Während der Coronapandemie reichten die Banken neues Zentralbankgeld jedoch in Form von Kreditgeld an Nichtbanken weiter. Hauptempfänger waren die Staaten, die es zur Kompensation von durch Lockdowns verursachten Verdienstausfällen weitergaben. Dadurch ist ein gewaltiger Geldüberhang entstanden, der nun die Nachfrage und angesichts eines begrenzten Angebots die Preise antreibt.

Als Mittel zur Wertaufbewahrung wird das Kreditgeld zunehmend von anderen Wertspeichern abgelöst. Davon profitierten schon heute die Kryptowährungen. Mit wachsender Marktkapitalisierung dürften sie an Wertstabilität gewinnen – so könnten Kryptowährungen auch bei der Abwicklung von Transaktionen eine zunehmende Rolle spielen. Da die Politik weder die Kraft zur Beendigung der Preisinflation in Kreditgeld hat noch eine eigene attraktive digitale Alternative zu Kryptowährungen anbieten dürfte, könnten zahlreiche Nutzer schliesslich zu dem Schluss kommen, dass sie das Kreditgeld nicht mehr brauchen.

«Ein Sprudelbad fürs Hirn!»
Monique Bär, Philanthropin und Gründerin der Arcas Foundation,
 über den «Schweizer Monat»