Zahl des Monats

1530

 

Stunden arbeiteten Erwerbstätige in der Schweiz im Durchschnitt im Jahr 2021. In Deutschland waren es 1349 – ­weniger als in allen anderen OECD-Ländern. In Österreich wurden durchschnittlich 1442 Stunden gearbeitet und in Frankreich 1490. Unter den westlichen Ländern mit hohem Pro-Kopf-Einkommen weisen Kanada (1695) und die USA (1768) die längsten Arbeitszeiten auf. Deutlich mehr wurde in ärmeren Ländern wie Russland (2053), Vietnam (2060), Marokko (2240) oder China (2340) gearbeitet.

Taiwan ist als einkommensstarkes Land mit 2284 gearbeiteten Stunden pro erwerbstätige Person in 2021 einer der Ausreisser in den von The Conference Board bereitgestellten Daten. Denn in heute wohlhabenden Ländern ging der Trend in den vergangenen Jahrzehnten bei steigender Produktivität Richtung einer deutlichen Reduktion der durchschnittlichen Arbeitszeit. So lag der Durchschnitt 1950 über die Länder Schweiz, Deutschland, Österreich, Frankreich, Kanada und USA noch bei 2165 Stunden pro Jahr und Erwerbstätigen. Noch weiter in der Vergangenheit waren die Arbeitszeiten noch länger.

Dass Menschen in reichen Ländern heute deutlich weniger arbeiten als in der Vergangenheit, liegt unter anderem daran, dass sie es sich leisten können und wollen. Freizeit wird umso mehr wertgeschätzt, je höher die Einkommen sind, auch weil höhere Einkommen mehr Konsum von Gütern und Dienstleistungen erlauben, durch die die Freizeit attraktiver gestaltet werden kann.

Zwischen ähnlich reichen Ländern gibt es auch politische Gründe für Unterschiede bezüglich der üblichen Arbeitszeit. Ein gewichtiger Grund, der insbesondere im Vergleich ­zwischen den USA und Kontinentaleuropa eine Rolle spielt, ist die Ausgestaltung des Steuer- und Sozialversicherungssystems. Je niedriger der Anteil des Lohns für eine zusätz­liche Arbeitsstunde, der im eigenen Portemonnaie verbleibt, desto eher halten sich Erwerbstätige zurück. Solange Steuern und Sozialabgaben in den USA relativ niedrig bleiben, ist ­damit zu rechnen, dass die jährlichen Arbeitsstunden jenseits des Atlantiks weiterhin höher ausfallen werden als in ­Europa.

«Ein Sprudelbad fürs Hirn!»
Monique Bär, Philanthropin und Gründerin der Arcas Foundation,
 über den «Schweizer Monat»