Zahl des Monats

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Prozent des Schweizer Bruttoinlandsprodukts wurden laut Daten der Weltbank 2020 im verarbeitenden Gewerbe erwirtschaftet, also im Zuge der Be- und Verarbeitung von Erzeugnissen ausserhalb des Bergbaus und des Baugewerbes. Damit lag die Schweiz gleichauf mit Deutschland. In Österreich (16 Prozent) und Italien (15 Prozent) fiel der Anteil des verarbeitenden Gewerbes etwas niedriger aus, in den USA (11 Prozent), Frankreich (10 Prozent) oder Norwegen (7 Prozent) deutlich niedriger. In China hingegen betrug er 26 Prozent, und auch Länder wie Südkorea, Thailand, Tschechien und Slowenien weisen Quoten von über 20 Prozent auf.

Im Vergleich zu anderen sogenannten Industrieländern ist der Anteil der Wertschöpfung, der tatsächlich auf die Industrie entfällt, in der Schweiz und Deutschland hoch. In der Schweiz war der Anteil des verarbeitenden Gewerbes in den letzten dreissig Jahren mit knapp unter 20 Prozent recht konstant. In Deutschland waren es bis 2018 leicht über 20 Prozent und in den frühen 1990er-Jahren lag der Anteil fast bei 25 Prozent. Während in der Schweiz die Pharmabranche dominiert, ist es in Deutschland der Fahrzeug- und Maschinenbau.

Das verarbeitende Gewerbe steht für Mittelstand, Inno­vationskraft, versteckte Weltmarktführer, solide Jobs und wird insbesondere in Deutschland als Rückgrat der Wirtschaft wahrgenommen. Dazu passt, dass 2019 der damalige deutsche Bundeswirtschaftsminister Peter Altmaier die «Indus­triestrategie 2030» vorstellte, die unter anderem das Ziel ausgab, den Anteil der Industrie an der gesamten Wertschöpfung in Deutschland und Europa zu steigern.

Der Einmarsch russischer Truppen in die Ukraine stellt nun in Deutschland die Wahrnehmung des verarbeitenden Gewerbes als resilienzstiftendes Element der Wirtschaftsstruktur in Frage. Die deutsche Energiepolitik der letzten Jahrzehnte hat zu einer Abhängigkeit von günstigen Gaslieferungen aus Russland geführt, deren sicherheitspolitische Risiken jahrelang nicht eingepreist wurden. Zu erwartende langfristig höhere Energie- und insbesondere Gaspreise in Deutschland werden energieintensive Industrieunternehmen abwandern lassen. Das passt nicht zu Altmaiers Ziel einer Stärkung des Industriestandorts. Doch immerhin wären Deutschland und damit auch Europa danach resilienter als zuvor.

«Guter und fundierter Journalismus
in einer sorgfältigen Sprache –
das schätzen wir sehr.»
Gabriela Manser und Sabina Schumacher Heinzer, Unternehmerinnen,
über den «Schweizer Monat»