Zahl des Monats

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einheimische Unternehmen waren nach Zahlen der Weltbank 2020 in der Schweiz börsennotiert. Der Höhepunkt war 2003 mit 289 Unternehmen zu verzeichnen. Damit ist das Muster in der Schweiz ähnlich wie in anderen westlichen Industrie­ländern, aber der Rückgang recht moderat. In Deutschland ging die Zahl börsennotierter Firmen vom Höhepunkt mit 761 ­Unternehmen in 2007 auf 438 im Jahre 2020 zurück, in Österreich von 112 in 1992 auf 68 in 2020, in Frankreich von 1185 in 2002 auf 457 in 2018 und in den USA von 8090 in 1996 auf 4266 in 2019.

Drei Faktoren haben massgeblich zum Rückgang beigetragen: Erstens sind Fusionen börsennotierter Unternehmen in den ­vergangenen Jahrzehnten häufiger geworden. Zweitens nahm die Anzahl jährlicher Neuemissionen tendenziell ab. Drittens erleichtert der verbesserte Zugang zu Private Equity den Hauptaktionären, die Finanzierung ihrer Vorhaben zu sichern und nicht nur später, sondern gar nicht an die Börse zu gehen.

Der den zunehmenden Fusionsaktivitäten geschuldete Rückgang ist zumindest potentiell bedenklich. Sich zusammenschliessende Unternehmen haben die Chance, auf einen effizienteren Einsatz von knappen Ressourcen hinzuwirken. Ihnen können sich jedoch zugleich Möglichkeiten bieten, die Bündelung ihrer Marktmacht auszunutzen, um höhere Preise für ihre eigenen Produkte und niedrigere Preise für die Leistungen ihrer Lieferanten durchzusetzen.

Der Rückgang der Anzahl börsennotierter Unternehmen der letzten Jahrzehnte in zahlreichen wohlhabenden westlichen Ländern kann auch Resultat einer abnehmenden marktwirtschaftlichen Dynamik in dieser Ländergruppe sein. Es passt ­zumindest ins Bild, dass sich die Anzahl gelisteter Unter­nehmen in den derzeit in der Regel als dynamischer wahr­genommenen Ländern Ostasiens seit den frühen 2000er-­Jahren mehr als verdoppelt hat.

Anders als beispielsweise in Deutschland und in den USA ist die Anzahl börsennotierter Unternehmen in der Schweiz seit 2012 immerhin konstant geblieben; hoffentlich der Beginn ­einer Trendwende, die sich in anderen Ländern fortsetzt. ­Wünschenswert wäre es.

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Werner Kieser, Unternehmer (1940-2021),
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