Zahl des Monats

16 Prozent der Schweizer Haushalte mit Kindern werden von nur einer erwachsenen Person geführt. Damit bewegt sich die Schweiz europaweit nach Zahlen von Eurostat im Mittelfeld. In Österreich sind es 9 Prozent, in Deutschland 15 Prozent und in Frankreich 20 Prozent. An der Spitze liegen Estland und Dänemark mit 29 beziehungsweise 25 Prozent. Am ­niedrigsten ist der Anteil Alleinerziehender an allen Haus­halten mit Kindern in Griechenland und Slowenien mit jeweils 3 Prozent.

Alleinerziehende und ihre Familien gehören sozioökonomisch zu den schwächsten Mitgliedern der Gesellschaft. Die zumeist von weiblichen Alleinerziehenden geführten Haushalte – etwa 90 Prozent sind auch heute noch Frauen – sind von Schocks wie Corona oder hoher Inflation besonders betroffen. Um die berufliche und schulische Qualifikation, den Umfang der Erwerbsarbeit sowie die gesundheitliche ­Verfassung Alleinerziehender ist es schlechter bestellt als im Falle von Paaren, die sich den elterlichen Herausforderungen täglich gemeinsam stellen. Mit Konsequenzen auch für die Kinder, denen es umso leichter fällt, ihr volles Entwicklungspotenzial zu entfalten, je günstiger dafür die familiären ­Voraussetzungen sind.

Staatliche Leistungen können dazu einen Beitrag leisten. So federn Transferzahlungen die Einkommensschwäche ab, und Kinderbetreuungsangebote geben Raum für mehr Erwerbstätigkeit und berufliche Fortentwicklung. Der Staat ­unterstützt allerdings nicht so umfassend, wie sich Eltern ­gegenseitig unterstützen, wenn sie Kinder gemeinsam ­er­ziehen. Und das sollte der Staat auch nicht, denn damit ­würde er eben jene Entscheidungen anregen, die zu Trennungen und alleinerziehenden Elternteilen führen.

Angesichts der Schwankungen des Anteils an Haushalten Alleinerziehender von Land zu Land ist zu vermuten, dass auch kulturelle Faktoren eine Rolle spielen. Offenbar ­bestehen Unterschiede, welche Anstrengungen Eltern unternehmen, ihre Partnerschaft erfolgreich zu führen und damit die Voraussetzung für eine gemeinsame Erziehung ihrer ­Kinder zu schaffen. Auch hier ist es nicht Aufgabe des ­Staates, das dafür notwendige Verantwortungsbewusstsein zu schaffen. Das ist vor allem Aufgabe der Eltern, auch der alleinerziehenden Elternteile.

«So spannend, dass man es gar nicht
abwarten kann, bis der Monat wieder vorbei ist.»
Hans-Werner Sinn, Ökonom,
über den «Schweizer Monat»