Wozu eigentlich Ökonomen?

Das wissen viele Ökonomen selbst nicht so genau. Ich sage es immer wieder gern: Die Rolle eines Ökonomen ist bestimmt nicht, das BIP zu vergrössern, sondern – schon eher – die Fallhöhe von Konjunkturzyklen zu verkleinern. Das bedeutet: das BIP muss während prosperierender Jahre künstlich verkleinert werden, um Ressourcen zur Erholung zu bilden, auf die […]

Das wissen viele Ökonomen selbst nicht so genau. Ich sage es immer wieder gern: Die Rolle eines Ökonomen ist bestimmt nicht, das BIP zu vergrössern, sondern – schon eher – die Fallhöhe von Konjunkturzyklen zu verkleinern. Das bedeutet: das BIP muss während prosperierender Jahre künstlich verkleinert werden, um Ressourcen zur Erholung zu bilden, auf die in den wirtschaftlich schlechteren Zeiten zurückgegriffen werden kann. Gegenwärtig ist das Gegenteil der Fall: in guten wie in schlechten Zeiten verschulden sich die Staaten.

Und wenn der Staat dauerhaft hochverschuldet ist, so erhöhen sich über die Finanzmärkte die Zinsraten und verschlimmern dadurch die Situation. Denn wenn die Zinsen für Kredite steigen, so ist die übliche Haltung der Politiker nicht: Wir müssen Ausgaben kürzen und Schulden zurückzahlen! Nein, sie verschulden sich weiter und erhöhen damit die Schulden doppelt. Die Anreize für Politiker, sich steuerlich verantwortungsvoll zu verhalten, stimmen also nicht. Sie verleiten zu prozyklischem statt antizyklischem Handeln. Unter den gegenwärtigen Gesetzen ist beispielsweise das griechische Verhalten bis 2008 absolut rational. Vielleicht kennen Sie den Song von U2 «Daddy’s gonna pay for your crashed car». Warum soll ich sicher fahren, wenn mein Vater den Schaden bezahlt?

Deshalb braucht es neue Regeln. Die Bürger sollten sich entscheiden, ob sie einen tiefen Steuersatz mit tiefen Staatsausgaben bevorzugen, wie in den USA oder der Schweiz zum Beispiel. Oder ob sie stattdessen einen ausgebauten Sozialstaat oder andere besondere Staatsleistungen wollen. Letzteres zieht einen hohen Steuersatz nach sich – ein Modell, das die skandinavischen Staaten leben und schätzen. Man kann als gewissenhafter Staatsbürger aber nicht eine kleine Steuerbelastung bei gleichzeitig hohen Staatsausgaben fordern. Ich nenne dieses populäre Verhalten «fiskalische Schizophrenie». Über längere Zeit politisch gelebt, führt es zu einer Aufspaltung der (Staats-)Persönlichkeit.

«Sympathisch elitär, aber nie hochnäsig!
Die Kollegen beim MONAT wissen,
dass der liberalen Haltung ein Schuss Ironie gut bekommt.»
Rainer Hank, «FAZ»-Kolumnist,
über den «Schweizer Monat»