Wohin wächst die Wirtschaft?

Sie wächst ins Digitale, ins Netz. Schauen wir näher hin: Das Internet hat – anders als die materielle Industrie – weder eine Fläche, ein Mass noch ein Gewicht. Trotzdem ist es heute von entscheidender Wichtigkeit, im Zentrum dieses Netzes zu stehen. Dieser Trend wird sich fortsetzen. Der Internetgigant Google bietet uns bereits heute einen schönen […]

Wohin wächst die Wirtschaft?

Sie wächst ins Digitale, ins Netz. Schauen wir näher hin: Das Internet hat – anders als die materielle Industrie – weder eine Fläche, ein Mass noch ein Gewicht. Trotzdem ist es heute von entscheidender Wichtigkeit, im Zentrum dieses Netzes zu stehen. Dieser Trend wird sich fortsetzen. Der Internetgigant Google bietet uns bereits heute einen schönen Vorgeschmack auf zukünftige Wirtschaftsformen. Denn weder produziert Google Güter, noch verkauft es sie. Vielmehr «verkauft» es seine Nutzer, nämlich ihre Aufmerksamkeit und ihre Bedürfnisse an die zu ihnen passenden Märkte.

Auf einer materiellen Ebene wird diese Wirtschaft stagnieren. Sie wird nicht mehr wachsen, sondern vergleichsweise stabil und gerecht verteilt sein. Und dadurch wird sie all das erreichen, wovon die bisherigen, materiellen Wirtschaftssysteme nur träumen konnten. Massgebend für diese immaterielle Wirtschaft wird das Entdecken neuer Bedürfnisse sein, was wiederum eine immense Industrialisierung der Phantasie und der Kunst im Verbund mit der Religion nötig macht. Die populärsten Bürger werden dann jene sein, die in anderen Bedürfnisse erzeugen, verwalten und bedienen können. Währungen werden noch abstrakter werden, als sie das heute schon sind. Gleichzeitig werden sie wohl viel stärker mit Emotionen verknüpft, denn Gefühle werden dann zu den wenigen Dingen gehören, die noch als «wirklich» wahrgenommen werden. Sie könnten gar die einzige Verbindung zwischen der (neuen) abstrakten Welt und der alten (materiellen) Welt darstellen.

Die Idee, eigenen Status aus materiellem Besitz zu beziehen, verschwindet, wird uns irgendwann fremd erscheinen. An seine Stelle treten dann neuartige «Mietverhältnisse». Das Bezahlen wird einem ständigen Fluss ähneln, der intensiver wird, wenn ich geniesse, was andere erwirtschaftet haben (heute nennen wir das «Arbeit»). Und wenn ich mich geschickt anstelle, wird schon bald darauf eine Geldsumme zu mir zurückfliessen. Und zwar genau dann, wenn meine Handlungen und Vorstellungen anderen nützen und also Freude bereiten.

«Der beste Journalismus ist der,
den man liest, obwohl einen das Thema bis dahin gar nicht interessiert hat.
Beim MONAT passiert mir das ständig.»
Niko Stoifberg, Schriftsteller und Redaktor bei «getAbstract», über den «Schweizer Monat»