Wo bleibt die Dynamik?

Er ist der einzige Schweizer in seinem Unternehmen in Pfäffikon, und er kennt den Kanton Schwyz sehr genau. Der Finanz- und Strategiespezialist Ilias Läber über Standortvorteile, Finanzcluster und Grenzen der Schwyzer Anstrengungen im Steuerwettbewerb.

Wo bleibt die Dynamik?
Das Industriegebiet Fänn in Küssnacht, Schwyz, ist Beispiel erfolgreicher Ansiedlung und Planung. Ein Hightech-/Medtech-Cluster ist in Vorbereitung.

Schweizer Monat: Herr Läber, ist Ihre Firma Cevian seit sieben Jahren wegen den vergleichsweise tiefen Steuern im Kanton Schwyz zu Hause?

Ilias Läber: Nein, es gibt verschiedene Gründe. Wir starteten mit einem Büro in Stockholm. Nach ersten Investitionen in Deutschland wurde den Firmengründern klar, dass es besser wäre, noch eine Niederlassung im deutschen Sprachraum zu eröffnen. Sie prüften unter anderem Frankfurt als Standort. Letztlich aber war die Schweiz den schwedischen Inhabern sympathischer. Sicherlich haben zum Schluss die steuerlichen Vorteile die Differenz zwischen Pfäffikon, wo wir heute zu Hause sind, und der Stadt Zürich ausgemacht.

Spielt der Steuerfuss für Sie persönlich eine Rolle – Sie haben bis vor einiger Zeit in Freienbach gewohnt?

Privat ist es ein Abwägen zwischen vorzüglichen steuerlichen Bedingungen und hohen Immobilienpreisen. Wer hier kaufen will, bezahlt viel für die Immobilie, aber weniger Steuern als anderswo. Meine Frau und ich entschieden uns für unseren Heimatkanton, den Aargau, und dafür, etwas weniger für die Immobilie und mehr an Steuern zu bezahlen. Es ist in der Tat immer ein Abwägen.

Sie hätten doch noch anderswo im Kanton Schwyz wohnen können?

Wir wollten nicht weiter Richtung Lachen oder Einsiedeln hoch, die Innerschweiz kam für uns aus Distanzgründen nicht in Frage. In Freienbach gab es nichts mehr zu vernünftigen Preisen zu kaufen. Wir wohnen nun im Aargau, und ich arbeite hier in Pfäffikon. Mit der Westumfahrung und dem Gubristtunnel benötige ich nur 25 Minuten von Zuhause bis zur Arbeit.

Sie sind weggezogen aus dem Kanton Schwyz. Macht die Kantonsregierung  einen guten Job?

Mein Wegzug hat wenig mit den Qualitäten des Kantons zu tun. Als politisch aktiver Mensch habe ich stark an der Gestaltung im lokalen Bereich teilgenommen. Deshalb masse ich mir auch eine Einschätzung an, wie gut dieser Kanton arbeitet.

Die da lautet?

Ich glaube, dass der Kanton gerade hier, am Zürichsee, einen Punkt überschritten hat. Das Fokussieren auf einen tiefen Steuerfuss ist übertrieben worden. Ein Blick auf die Infrastruktur beweist das. Die Höfe sind stark gewachsen, die Infrastruktur aber hat nicht mitgehalten, gerade auch weil man allzu kostenbewusst hat sein wollen.

Finden Sie letzteres nicht positiv?

Doch, das finde ich gut, aber man kann auch übertreiben – dann wird das Fehlen von Investitionen spürbar. Nehmen Sie das Beispiel des Autobahnhalbanschlusses Halten: Von Pfäffikon aus kann man nur Richtung Chur auf die Autobahn fahren. Die Richtung Zürich existiert nicht, was natürlich wirklich ein Unding ist. Ein Komplettausbau würde viel mehr Sinn machen. Es gab ein Projekt, das jedoch aus Kostengründen nicht zuletzt in der Gemeinde bachab geschickt wurde. Es wurde zurückgestellt. Dasselbe geschah mit der Churerstrasse, die quer durch das Dorf führt und unglaublich stark befahren ist. Ein Projekt zur Umfahrung hätte nicht nur Linderung beim Verkehr gebracht, sondern auch eine Steuerfusserhöhung in der Gemeinde Freienbach nötig gemacht. Das wurde an der Gemeindeversammlung abgelehnt. Trotzdem halte ich prinzipiell dieses demokratische System noch immer für vorteilhaft: Man kann selber digital entscheiden: tiefer Steuerfuss gleich wenig Infrastruktur, mehr Infrastruktur gleich höhere Steuerbelastung. Diese Freiheit des Abwägens schätze ich in der Schweiz sehr. Aber es darf nicht in eine Richtung übertrieben werden – hier ist das geschehen.

Ist nicht gerade aufgrund der tiefen Steuern erst überhaupt der Finanz- und Hedge-Fund-Cluster in den Höfen entstanden?

Dieser Cluster ist wohl in der Tat zunächst aufgrund der attraktiven Steuersituation entstanden. Ich gehe noch weiter zurück: Die Steuern konnten erst so tief gehalten und eine optimale Ausgangssituation geschaffen werden, weil die Einheimischen eine konservative Haushaltsführung befolgten. Dieses Kostenbewusstsein gepaart mit den ersten grossen Steuerzahlern aus der Finanzindustrie wie Martin Ebner setzte in…