Wissenschaftsdiplomatie: Die Schweiz vernetzt sich neu

Diplomatie war einmal die aristokratische Domäne der Talleyrands, Bismarcks oder Metternichs. Erst im 20. Jahrhundert übernahm eine standesbewusste bürgerliche Hautevolee das diplomatische Ruder. Vertreter aus Politik, Wirtschaft und Verwaltung waren dabei vorzugsweise unter sich und betrieben die «Kunst der Verhandlung» als eine Art internationalen Elitensport. Diese Zeiten sind vorbei. Verändert hat sich auch der Wert […]

Wissenschaftsdiplomatie: Die Schweiz vernetzt sich neu

Diplomatie war einmal die aristokratische Domäne der Talleyrands, Bismarcks oder Metternichs. Erst im 20. Jahrhundert übernahm eine standesbewusste bürgerliche Hautevolee das diplomatische Ruder. Vertreter aus Politik, Wirtschaft und Verwaltung waren dabei vorzugsweise unter sich und betrieben die «Kunst der Verhandlung» als eine Art internationalen Elitensport. Diese Zeiten sind vorbei.

Verändert hat sich auch der Wert bisher bewährter Aktivposten für die Schweizer Diplomatie. Lange war sie als neutrale Vermittlungsinstanz international gefragt, aber nach dem Ende des Kalten Krieges verlor diese Rolle an Attraktivität. Das hat die Schweiz eines wichtigen Teils ihres diplomatischen und politischen Einflusses beraubt. Dabei ist klar: Machtpolitisch kann auch ein diplomatisch geschickt agierender Zwerg im Konzert der Grossen nicht mitspielen. Zudem setzt die direkte Demokratie einer (zu) grosszügigen Scheckbuchdiplomatie Grenzen. Was bleibt? Wenn es um Bildung, Forschung und Innovation geht, so spielt die kleine Schweiz in der Champions League mit. Sie verfügt reichlich über das, was in der weltweit umspannenden Wissensgesellschaft zum einzig verlässlichen Rohstoff geworden ist: Wissen. Genauer gesagt: unternehmerisch gepoltes Wissen, das Mehrwert schafft, indem es umsetzbares wissenschaftliches und technologisches Know-how zur Bewältigung der grossen Entwicklungsfragen der Menschheit hervorbringt.

Von der Idee, die Schweiz an den internationalen Hotspots als Top-Wissenschaftsnation zu positionieren, waren ein paar innovative und unternehmerische Köpfe getrieben, als sie vor 12 Jahren in Boston unter dem Namen «share» das erste Schweizer Wissenschaftskonsulat gründeten. Mit privatem Geld zum öffentlichen Nutzen die Schweizer Diplomatie beeinflussen. Heute hat sich das durch seine multiple Persönlichkeit schwer fassbare Netzwerk unter dem Namen «swissnex» nicht nur in Bern etabliert. In der Öffentlichkeit aber ist es trotz seines grossen Potentials wenig bekannt. Wir haben das Experiment zum Anlass genommen, grundsätzlich darüber nachdenken zu lassen, wie Diplomatie in der vernetzten Wissensgesellschaft funktionieren kann. Und sind dabei auf eine Menge spannender Entwicklungen gestossen.

Die Redaktion

Wissenschaftsdiplomatie: Die Schweiz vernetzt sich neu
Wissenschaftsdiplomatie: Die Schweiz vernetzt sich neu

Diplomatie war einmal die aristokratische Domäne der Talleyrands, Bismarcks oder Metternichs. Erst im 20. Jahrhundert übernahm eine standesbewusste bürgerliche Hautevolee das diplomatische Ruder. Vertreter aus Politik, Wirtschaft und Verwaltung waren dabei vorzugsweise unter sich und betrieben die «Kunst der Verhandlung» als eine Art internationalen Elitensport. Diese Zeiten sind vorbei. Verändert hat sich auch der Wert […]

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