Wirtschaftswachstum in Fesseln

Wie verdient man in einem international isolierten Staat Geld? Vier Beispiele aus der Privatwirtschaft.

Wirtschaftswachstum in Fesseln
Betriebsleiter Hrant Chatschaturjan, fotografiert von Stephan Bader.

Die Republik Arzach ist klein – auch wirtschaftlich: 2018 betrug ihr Bruttoinlandsprodukt (BIP) 310 Milliarden Dram, also rund 645 Millionen Franken. Zum Vergleich: Der Kanton Schwyz, mit ähnlicher Einwohnerzahl, kam 2017 auf 9,29 Milliarden Franken, ja sogar im Kanton Appenzell Innerrhoden (16 000 Einwohner) wurde mit einer Milliarde Franken deutlich mehr erwirtschaftet als in Arzach. Die selbsternannte Republik ist jedoch nicht aussergewöhnlich arm: Pro Kopf übertraf deren BIP 2018 mit 4331 Franken sogar knapp jenes von Armenien (4165 Franken). Das erstaunt, denn zwischen dem Binnen«land» Arzach und dem Rest der Welt sind keinerlei institutionalisierte Handelsbeziehungen möglich. Jeglicher Aussenhandel findet indirekt über Armenien statt, alle Importe und Exporte erfolgen über eine der wenigen (hügeligen) Verbindungsstrassen zwischen Armenien und Arzach. Bloss im flacheren Süden findet ein überschaubares Mass informellen Handels über den Fluss Aras mit dem Iran statt.

«Für die Armenier ist Bergkarabach ein Ursprungsort ihres Volkes – die Bergkarabacher sind sozusagen die Schwyzer der Schweiz.»

Der Wirtschaftsminister, Lewon Grigorjan, beschwichtigt: «Dass Arzach nicht offizieller Handelspartner anderer anerkannter Staaten sein kann, heisst nicht, dass ein Mangel an Aussenhandel besteht.» Arzach sei vollständig in die armenische Wirtschaft integriert: «Lokale Exportunternehmen führen gemeinsam mit ihren Partnern aus Armenien aussenwirtschaftliche Aktivitäten durch. Der offizielle Handelspartner ist jeweils Armenien. So führen Wirtschaftssubjekte in Arzach indirekt Handelsbeziehungen mit einem Dutzend anderen Ländern, von den USA bis nach Asien.» Dass ein durchaus reger grenzüberschreitender Handel stattfindet, spiegelt sich auch in den Zahlen: Das Importvolumen entspricht 55 Prozent des BIP, das Exportvolumen 32 Prozent. Die deutlichen Importüberschüsse sind unter anderem auch dank bedeutender Rücküberweisungen der armenischen Diaspora möglich: Für die Armenier ist Bergkarabach ein Ursprungsort ihres Volkes – die Bergkarabacher sind sozusagen die Schwyzer der Schweiz.

Auch sehr schweizerisch: die Bedeutung der Wasserkraft. In den letzten Jahren habe man im ganzen Gebiet der hügligen, grünen, wasserreichen Republik diverse Staudämme und Flusswasserkraftwerke gebaut, erklärt Grigorjan: «In Arzach erfolgt die Stromerzeugung inzwischen ausschliesslich über eigene erneuerbare Quellen. Wir beginnen sogar schon Strom nach Armenien zu exportieren!» Künftig sei zudem auch der Ausbau von Solarenergie denkbar. Die Energiewirtschaft ist allerdings fest in staatlicher Hand. Doch wie sieht in dieser jungen, derart isolierten Republik, die 70 Jahre Sowjetherrschaft und Planwirtschaft – zu Zeiten der UdSSR kam schon ins Gefängnis, wer selbstgebackene Kekse verkaufte – hinter sich hat, das private Wirtschaften aus? Um das her­auszufinden, haben wir in und um die Hauptstadt Stepanakert vier Unternehmen besucht.

Artsakh Brandy Company

Nach eigenen Angaben ist die Artsakh Brandy Company die Nummer 10 auf der Liste der Steuerzahler des Landes. Seit 1922 wird im Dorf Askeran Alkohol produziert, 1998 wurde die Fabrik nach einem Umbau auf einer Fläche von drei Hektaren wiedereröffnet. Heute beschäftigt der Familienbetrieb 110 Mitarbeiter sowie saisonale Arbeiter, die während der Erntezeit Früchte pflücken. Produziert werden Brandys aus Maulbeeren, Aprikosen, Cornelkirschen, Trauben, Pfirsichen, Pflaumen und Wildbirnen, aber auch Cognac, Wodka und Wein, so etwa ein sehr schmackhafter Granatapfelwein. Die Produkte werden über eine Filiale in Jerewan mit fünf Angestellten nach Russland, Serbien, Italien und nach Übersee verkauft. Als wir den 29jährigen Betriebsleiter Hrant Chatschaturjan, der uns den Betrieb zeigt, fragen, wie viel der jährlichen Produktion denn exportiert werde, muss er zuerst in seinen Papieren nachschauen: 2018 waren es Waren im Wert von rund 700 000 Franken.

Brennmeister Aren Boghosjan, fotografiert von Stephan Bader.

Was auffällt beim Firmenrundgang, ist der Stolz der Angestellten auf ihre Arbeit und ihre Produkte. Obwohl wir verspätet ankommen, erst weit nach Feierabend, sind viele Mitarbeiter…

«Der Entkalker fürs Hirn:
Nicht links, nicht rechts –
einfach intelligent!»
Dominik Imseng,
Managing Partner bei smartcut consulting,
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