Wir Zentauren
Lutz Jäncke, zvg.

Wir Zentauren

Analoges und digitales Leben: Wächst hier zusammen, was nicht zusammengehört?

 

Der Mensch – genauer gesagt der Homo sapiens – hat im Zuge seiner mehr als 150 000 Jahre dauernden evolutionären Entwicklung gelernt, die Kommunikation mit den eigenen Gruppenmitgliedern zu verfeinern. In ständigem Kontakt mit ihnen war er gezwungen, Vertrauen aufzubauen und zu pflegen. Dazu entwickelte er Kommunikationsstrategien und -techniken, die es ihm ermöglichten, sich möglichst präzise und unter Vermeidung fataler Missverständnisse mit den Mitgliedern seiner Gruppe auszutauschen. Dabei ist zu bedenken, dass der Mensch über 100 000 Jahre immer in relativ kleinen Gruppen von zwanzig bis maximal hundert Personen lebte. Das gesamte biologisch fundierte Verhaltensinventar des Menschen hat sich an das Überleben in diesen relativ kleinen Gesellschaften angepasst. Des weiteren musste der Mensch lernfähig bleiben, um den vielfältigen Herausforderungen des alltäglichen Lebens gerecht zu werden. Er war auch gezwungen, sich an die kulturellen Regeln der jeweiligen Gruppen anzupassen, denn das soziale Gebilde, in dem er lebte, war für ihn zentral und überlebenswichtig. Diese kulturellen Regeln sind Erfindungen der sozialen Gebilde, die dann zu Ordnungsprinzipien geformt wurden. Die Konsequenz war, dass verschiedene Gruppen auch unterschiedliche kulturelle Rahmen für sich in Anspruch nahmen. Für jedes einzelne Gruppenmitglied war es demzufolge essenziell, die kulturellen Normen der jeweiligen Gruppe zu erlernen, um in dieser Gruppe erfolgreich zu überleben. Das erfordert ein hohes Ausmass an Lernfähigkeit, denn die Menschenkinder fanden beziehungsweise finden ihren Weg in die jeweiligen Gruppen per Zufall durch Geburt.

Fassen wir zusammen: Das Gehirn des Menschen hat sich über mehr als 150 000 Jahre zu einem Werkzeug entwickelt, das für Kommunikation, den Aufbau von Vertrauen und für die Anpassung an (aktuelle) kulturelle Gegebenheiten spezialisiert ist. Dieses Gehirn, mit den darin geknüpften neuronalen Netzwerken, hat sich prinzipiell bis heute nicht wesentlich verändert. Das bedeutet, dass wir über die gleiche neuronale Maschinerie mit den darin verwobenen grundlegenden Verhaltensimpulsen verfügen wie der frühe Mensch, die Hethiter, die Chinesen aus der alten Xia-Dynastie, die antiken Griechen und Römer, die Ägypter aus den Pharaonenreichen, die Briten des viktorianischen Weltreiches und die modernen Menschen aus der Schweiz. Was uns unterscheidet, sind vor allem kulturelle Faktoren.

Herausforderung moderne digitale Welt

Das Gehirn des Menschen wird heutzutage mit vollkommen neuen Anforderungen konfrontiert, auf die es biologisch in den letzten 150 000 Jahren gar nicht vorbereitet wurde. In den letzten zweihundert Jahren hat sich die Weltbevölkerung verachtfacht und die Kommunikation massiv verändert. Vor allem in den vergangenen zehn bis zwölf Jahren erlebten wir kulturelle Veränderungen, die in dieser Form in so kurzer Zeit während der gesamten Menschheitsgeschichte einmalig sind. Man muss sich vergegenwärtigen, dass erst im September 2007 Steve Jobs das iPhone vorstellte. Verkauft wurde dieses Gerät in der Schweiz erst ein halbes Jahr später. Drei Jahre später präsentierte Steve Jobs das iPad.

Diese beiden Geräte haben die Kommunikation und das Verhalten grundlegend verändert. Nicht nur, dass zunehmend mehr Menschen (und vor allem Jugendliche) auf dem iPhone (oder dessen Derivaten) Nachrichten lesen, Filme schauen und Musik hören, sondern auch damit kommunizieren. Mit diesen neuen In­strumenten haben sich unzweifelhaft gewinnbringende Kommunikationsmöglichkeiten eröffnet. Praktisch jederzeit und an jedem…

«MONAT für MONAT
eine sinnvolle Investition.»
Heinz Zimmermann, Professor für Finanzmarktökonomie,
über den «Schweizer Monat»