Baschi Dürr, zvg.

Willkommen im Paradies

Der Kampf um die Begriffe.

 

Die Erwähnung der Schweiz in der ersten «State of the Union»-Speech des US-amerikanischen Präsidenten Joe Biden war prominent: Ein «Tax Haven» sei ­unser Land, las der langjährige Senator des «Steuerparadieses» Delaware vom Teleprompter. Sogleich reagierten bürgerliche Politiker hierzulande empört und betonten, dass der Musterschüler Schweiz noch jedes internationale Abkommen, das er gegen Geldwäsche oder für den automatischen Informationsaustausch unterschrieben hatte, auch peinlich genau erfüllt habe. Dem mag tatsächlich so sein, und es ist gegenüber dem Machtkartell der «Steuerhöllen», um beim Bild zu bleiben, wohl ratsam, dies sachlich zu kontern. Indes sollte es nicht nur aus liberaler Sicht grundsätzlich keine Schmach sein, den Bürgerinnen und Bürgern wenn nicht gleich das ganze Paradies zu bieten (auch davon ist die Schweiz unterdessen weit entfernt), so doch nur eine verhältnismässig tiefe Steuerlast aufzubürden. Letztlich wäre auch der Bevölkerung von Grossstaaten mehr geholfen, wenn diese effizienter funktionierten und damit die Besteuerung reduzieren könnten, statt weltweit den Reichen nachzujagen.

Wenn die Linke den Ball schon so schön auflegt, sollten ihn die Bürgerlichen auch versenken und den Begriff des Steuerparadieses positiv besetzen. Denn gerade im Steuerbereich schafft es die Linke viel besser als die Bürgerlichen, Begriffe zu prägen, die sich regelmässig im Sprachgebrauch als vermeintliche Fachbegriffe festsetzen und sich verselbständigen: So wird die «Steuerlücke», deren Schliessung keine politische Meinung, sondern eine scheinbar objektiv-technische Notwendigkeit darstellt, mittlerweile auch ohne Anführungszeichen verwendet. Unübertroffen aber ist das «Steuergeschenk»: Manche werden nicht einmal mehr rot, wenn ihnen ein Wort über die Lippen kommt, gemäss dem alles dem Staat ist, es sei denn, er schenkt (!) uns etwas. Es bleibt die Hoffnung, dass dies nicht so autoritär gemeint ist, wie es klingt, sondern «nur» von absurder Sprachvergessenheit zeugt.

«MONAT für MONAT
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Heinz Zimmermann, Professor für Finanzmarktökonomie,
über den «Schweizer Monat»