Wie Non-Prof it-Organisationen vom Profitdenken profitieren

Soziales Unternehmertum ist en vogue. Aber nur die wenigsten sozialen Unternehmen funktionieren. Dies wird sich erst ändern, wenn die Almosenmentalität einem profitgeschulten Denken weicht.

Non-Profit-Organisationen sind wie andere Unternehmen auf der Suche nach dem heiligen Gral der finanziellen Nachhaltigkeit. Auf ihrem Weg dahin kommen sie ungeachtet ihres Namens nicht darum herum, Profit zu machen. Um ihr Ziel zu erreichen, gründen sie Unternehmen, die sie «sozial» nennen – selbsttragende Unternehmen mit sozialen Zielen.

Solche Unternehmen sind keine westliche Erfindung. Ich nenne zwei erfolgreiche Beispiele von Non-Profit-Organisationen aus Asien, um die Dimensionen zu illustrieren – die thailändische PDA (Population and Community Development Association) und das BRAC (Bangladesh Rural Advancement Committee). Die PDA, Thailands grösste Nichtregierungsorganisation, hat 16 profitorientierte Unternehmen gegründet, die bis zu 70 Prozent zur operativen Finanzierung der PDA beitragen. Das BRAC, eine der grössten Nichtregierungsorganisationen (NGO) der Welt, hat über 150 soziale Unternehmen in 23 verschiedenen Sektoren und beschäftigt bei einem Jahresbudget von 495 Millionen US-Dollar (2010) über 100’000 Menschen.

Solche Erfolge wirken anspornend. Soziale Unternehmen schossen in den letzten Jahren wie Pilze aus dem Boden – im Osten und im Westen. Im Vergleich mit herkömmlichen Unternehmen ist es relativ einfach, ein soziales Unternehmen zu gründen. Viele Leute, Stiftungen und Organisationen stürzen sich gleichsam darauf, einem solchen Unternehmen auf die Sprünge zu verhelfen. Zumeist wird Startkapital gewährt, ohne dass eine Rückzahlung verlangt wird – dies im Gegensatz zu kommerziellen Unternehmen, von denen Investoren erwarten, dass sie in einer Höhe entschädigt werden, die dem Risiko des Anteilkapitals entspricht. Wichtig ist jedoch (auch wenn es zuweilen vergessen geht): auch Non-Profit-Organisationen müssen sich längerfristig selber tragen.

Nur wenige sind profitabel

Non-Profit-Organisationen sind gegenüber kommerziellen Unternehmen in mancher Hinsicht bevorteilt. Sie können sich auf ihre unbezahlten, freiwilligen Helfer verlassen und Angestellte beschäftigen, die womöglich unter dem Marktlohn arbeiten. Zudem finden Güter und Dienstleistungen, die von einem sozialen Unternehmen angeboten werden, in der Regel mehr Unterstützung von Kunden. Trotz dieser «unfairen Vorteile» gegenüber kommerziellen Mitbewerbern geht es sozialen Unternehmen auf dem Markt jedoch nicht besonders gut. Allein, warum?

Eine Analyse des Non-Profit-Beratungsunternehmens Bridgespan Group im Journal «Harvard Business Review» zeigt, dass jenseits der bekannten Fälle soziale Unternehmen kaum einen – auch noch so kleinen – Gewinn erzielen.* Wenn man über die aufgebauschten und irreführenden Statistiken hinwegsieht, erweist sich schnell einmal, dass die erwirtschafteten Einnahmen nur einen kleinen Teil der Finanzierung der meisten Non-Profit-Organisationen ausmachen. Die bedeutungsvolle Bridgespan-Studie zeigt: 71 Prozent der Unternehmen, die philanthropische Zuwendungen erhalten, sind nicht profitabel. Und von jenen, heisst es da, «die behaupteten, dass sie profitabel seien, hat die Hälfte indirekte Kosten wie die Kontierung der Overhead-Kosten oder die Arbeitszeit der Führungskräfte nicht ausgewiesen».

In einer Studie des Lien Centre for Social Innovation, einer Partnerschaft der Lien Foundation und der Singapore Management University, haben 24 Prozent der untersuchten sozialen Unternehmen in Singapur gesagt, dass sie ihre Kosten decken, und 21 Prozent haben zu Protokoll gegeben, dass sie Verluste schreiben.** In Wahrheit sind die Werte noch schlechter, denn die Studie unterliegt wie so viele andere auch dem «survival bias» – jene sozialen Unternehmen, die nicht überlebten, haben nicht an der Studie teilgenommen. Interessant für unsere Untersuchung ist freilich ein anderer Punkt: nur 33 Prozent der Unternehmen finanzieren nach eigenen Angaben ihre Aktivitäten über selbst erwirtschaftete Einnahmen; die meisten sind nach wie vor auf private Spenden oder Regierungsdarlehen angewiesen.

Diese Studien weisen auf drei Probleme hin, die den kommerziellen Erfolg eines sozialen Unternehmens behindern: eine Vielzahl von Unternehmenszielen, zu geringe Skaleneffekte und eine geringe Anziehungskraft für talentierte Mitarbeiter.

Es ist klar: ein soziales Unternehmen muss anders als eine profitorientierte Firma zwischen mindestens zwei Unternehmenszielen abwägen – einem ökonomischen und einem sozialen. Wenn es darüber hinaus mehrere soziale Ziele verfolgt bzw. diese nicht klar definiert, führt dies zu zusätzlichen Kosten und operativen Einschränkungen. Es wird vom…

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