Wie ich Elefanten esse

Nach der Teilnahme an der Miss-Schweiz-Wahl als 18jährige stand ich plötzlich mittendrin im medialen Blitzgewitter. Werbeverträge mit grossen Marken und Einladungen zu allen möglichen schweizweit bekannten Veranstaltungen waren die Folge. Von null auf hundert in nur wenigen Wochen, vom Mädchen aus Lugano zum Promi im Schweizer Fernsehen – alles innerhalb kürzester Zeit. Dachte ich. Mein […]

Nach der Teilnahme an der Miss-Schweiz-Wahl als 18jährige stand ich plötzlich mittendrin im medialen Blitzgewitter. Werbeverträge mit grossen Marken und Einladungen zu allen möglichen schweizweit bekannten Veranstaltungen waren die Folge. Von null auf hundert in nur wenigen Wochen, vom Mädchen aus Lugano zum Promi im Schweizer Fernsehen – alles innerhalb kürzester Zeit. Dachte ich. Mein Motto damals war entsprechend: Ich will alles und ich will es jetzt. Wenn ich etwas Neues wagte und meinen Ehrgeiz in dieses Ziel steckte, sich aber zunächst nichts bewegte, sagte ich mir: Das kann nicht sein! Etwas stimmt nicht.

Heute weiss ich: Ich hatte keine Geduld. Je grösser die Ambition, desto mehr sollte man sich in Geduld üben. Im Privaten wie auch im Beruf ist der Weg zum Ziel kein schneller Sprint, sondern eher ein Marathonlauf. Meine Bekanntheit, so ist mir heute klar, war keine glückliche Fügung und auch kein magisches Wunder. Den Grundstein hatte ich viel früher gelegt: Ich tanzte schon als Kind Ballett, spielte Theater, lernte verschiedene Sprachen, begann zu modeln und posierte bereits im Alter von 12 Jahren vor Kameras. Erfolgreiche Karrieren sind meist das Resultat von Jahren des Arbeitens und des Sammelns von Erfahrungen. Erfolg ist, so sehe ich das heute, nie einem einzelnen Moment zuzuschreiben. Erfolg ist ein Puzzle, bestehend aus vielen kleinen Versuchen, Rückschlägen und Lernprozessen.

Ich habe viele Rückschläge erlebt. Und bei jedem Rückschlag wurden Erwartungen zerstört, jedes Mal zeigte eine Illusion ihr wahres Gesicht, eine Quelle der Identifikation fiel weg. Solche Erfahrungen mindern den Selbstwert und sind zweifelsohne schmerzhaft. Ich versuche mich deshalb heute nach jeder Niederlage daran zu erinnern, dass sie notwendig ist, dass der Rückschlag zum Erfolg gehört wie der Schatten zum Licht. Man muss ihn aushalten. Jedes Mal wieder und mit der nötigen Ausdauer. Die Italiener haben ein schönes Sprichwort. Auf die Frage «Wie essen Sie einen Elefanten?» antworten sie: «Stück für Stück!» So einfach ist es. In diesem Sinne: Guten Appetit!

«Sympathisch elitär, aber nie hochnäsig!
Die Kollegen beim MONAT wissen,
dass der liberalen Haltung ein Schuss Ironie gut bekommt.»
Rainer Hank, «FAZ»-Kolumnist,
über den «Schweizer Monat»