Wie dem starken Franken ganz einfach zu begegnen wäre

Kosten senken, Investitionen zurückstellen und schliesslich nach staatlicher Unterstützung rufen – viele Schweizer Unternehmen reagieren mit Standardrezepten auf die Frankenstärke. Wir haben einen alternatives Mittel: gesunde, kluge Unternehmensführung.

Die Schweizer Wirtschaft, insbesondere die Exportwirtschaft und der Detailhandel sowie der Tourismus, ächzt unter den Folgen des starken Frankens und dem damit einhergehenden potentiellen Verlust von Wettbewerbsfähigkeit im internationalen Vergleich.

Schnell sind die Standardrezepte aus der Schublade geholt: Kosten senken (lies: Einsparung von Personal, Lohnsenkungen, Kurzarbeit, Prozessoptimierungen, Outsourcing), Investitionen zurückstellen, Kapitalkosten optimieren, Preise reduzieren und schliesslich nach staatlicher Unterstützung rufen.

Während einiger dieser Hebel durchaus sinnvoll sein und Wirkung entfalten können (eine regelmässige Reduktion von in guten Zeiten angesetztem Fett war schon immer gesund), so bergen sie auch einige gewichtige Nachteile: Sie sind nicht endlos anwendbar, haben oft unliebsame Nebenwirkungen (Qualitätskompromisse, demotiviertes Personal und irritierte Kunden), sind relativ einfach kopierbar und packen häufig die Wurzel des Übels, die mangelnde Wettbewerbsfähigkeit, nicht nachhaltig an. Noch nie ist ein Unternehmen durch Sparprogramme alleine langfristig erfolgreich gewesen.

Einer der grössten und auch nachhaltigsten Hebel wird hingegen noch viel zu oft vernachlässigt: Die Führung des Unternehmens. Gerade hier liegt in unserer Erfahrung der Schlüssel zu sehr viel ungenutztem Potential hinsichtlich Innovation, Wachstum und Profitabilität. Nicht nur, aber auch in Schweizer Unternehmen.

Gemeinsam Grossartiges leisten

Was ist die Aufgabe des Managements? Im Kern liegt sie darin, die effektive Zusammenarbeit von Menschen zu ermöglichen, damit sie gemeinsam Grossartiges leisten können. Dinge erschaffen (Produkte, Dienstleistungen, Erlebnisse), welche die Möglichkeiten von Einzelpersonen bei weitem übersteigen. Management ist eine soziale Technologie, die Technologie der menschlichen Errungenschaft.

Wirklich gutes, gesundes Management ermöglicht es den Menschen, in einem Unternehmen mit Freude jeden Tag ihr bestes zu geben, ihre Talente voll zur Entfaltung zu bringen und auf gemeinsame Ziele hinzuarbeiten. Wenn das gelingt, dann wird ungeheures Potential freigesetzt: die Produktivität steigt gewaltig, die Innovations- und Wachstumskraft erreicht ungeahnte Höhen und die Fluktuation unter den besten Mitarbeitern sinkt. Das bekannteste Beispiel dafür ist sicher Apple. Hierzulande etwas weniger bekannt, aber nicht weniger eindrücklich: Southwest Airlines, der Marktführer für Inlandflüge in den USA. Als einzige Airline der Welt schreibt Southwest seit 42 Jahren ununterbrochen schwarze Zahlen. In der Schweiz ist die junge Firma On ein gutes Beispiel: quasi aus dem Nichts hat diese eine Revolution in der Laufschuhtechnologie eigenläutet und lehrt der grossen, internationalen Konkurrenz das Fürchten. Ebenso die beiden Appenzeller Familienunternehmen GOBA AG (bekannt durch Mineralwasser und Flauder) und die Brauerei Locher AG, welche durch innovative und ansprechende Produkte ihre Kunden begeistern.

Sie alle haben gemeinsam, dass wirtschaftlicher Erfolg nicht der Zweck, sondern das logische Ergebnis Ihres leidenschaftlichen Handelns ist.

Dazu bedarf es einer gesunden und selbstbewussten Organisation. Diese ist geprägt durch starkes Teamwork auf allen Stufen, beginnend auf der obersten Führungsebene. Sie zeichnet sich weiter durch ausgeprägte Klarheit aus: im Zweck des Unternehmens jenseits von Geld verdienen, in seiner Strategie, gemeinsam getragenen Werten, Organisation, Zielen und Prioritäten. Weil alle im Unternehmen agierenden Personen grossen Wert auf Kommunikation und Dialog legen, wird diese Klarheit auch im ganzen Unternehmen und dessen Umfeld verstanden. Und weil alle menschenorientierten Prozesse wie die Rekrutierung, Entwicklung, Anerkennung und selbst eine respektvolle Trennung auf diese Klarheit ausgerichtet sind, können sie authentisch gelebt werden und finden daher breite Akzeptanz.

Dazu braucht es ausserdem eine ganzheitliche Denkweise, welche die Implikationen des Sprechen und Handelns nicht nur kurzfristig sondern über einen langen Zeitraum konsistent erscheinen lässt und diese auch immer wieder überprüft und kritisch in Frage stellt. In solchen Unternehmen werden die Mitarbeiter als mündige, verantwortungsbewusste Menschen behandelt und an wesentlichen Entscheidungen wie Strategieformulierung, Investitionen, Projektauswahl oder gar Festlegen der Entlöhnung beteiligt. Unternehmerisches Denken ist so nicht nur auf dem Papier gefragt sondern in jeder Handlung, egal auf welcher Stufe.

Gigantische Verschwendung menschlicher Schaffenskraft

Eine gute und solide Führung auf Augenhöhe arbeitet täglich daran, die Gesundheit des Unternehmens im obigen Sinne zu stärken. Sie scheut sich auch nicht davor, sich selber zu entwickeln und dabei punktuell auf externe Sichtweisen zurückzugreifen. Auch Roger Federer ist sich schliesslich nicht zu schade, gezielt mit einem Coach und wenigen ausgesuchten Beratern seines Vertrauens zu arbeiten.

Soweit unsere Vorstellungen einer idealen Welt. Die Realität in vielen Unternehmen sieht aber häufig anders aus. Das Management beschäftigt sich primär mit betriebswirtschaftlichen Teilaspekten der Unternehmensführung, der Applikation von Standardrezepten, der Messung von vermeintlichen Schlüsselerfolgsindikatoren sowie der Zementierung der eigenen Macht und vernachlässigt dabei sträflich die eigentliche Hauptaufgabe einer umfassenden verantwortungswollen Unternehmensführung. Das Resultat ist klar: Politik und Silos statt echtes Teamwork, eine Strategie die – wenn überhaupt – nur das Top Management versteht, Konfusion und Leerlauf auf allen Ebenen, unproduktive Meetings, übervolle Kalender, zu viele Projekte und Initiativen, Verzettelung der Kräfte, Erschöpfung von wenigen und Langeweile sowie Dienst nach Vorschrift von vielen, Krankenstände, welche sich laufend nach oben bewegen und schliesslich Abgänge von den wirklich guten Leistungsträgern.  .

Menschen, die in solchen Unternehmen arbeiten, fürchten sich vor Montagmorgen und warten schon ab Dienstag nur auf das kommende Wochenende um mindestens temporär vom täglichen Irrsinn der Arbeit erlöst zu werden. Kein Wunder findet das renommierte Gallup-Institut in seiner jährlichen Studie zur Lage der Arbeitnehmer, dass gerade einmal 13 Prozent weltweit in ihrem Job «aktiv engagiert» (engaged) sind. In Nordamerika sind die Zahlen etwas besser, in Europa dafür sogar noch etwas schlechter. Was für eine gigantische Verschwendung menschlicher Schaffenskraft, verursacht durch schlechtes Management!

Schon Peter Drucker hat gesagt: «Much of what we call ‹management› today consists of making it difficult for people to work». Und Gary Hamel meint heute: «Management is probably the least efficient activity in your organisation.»

Vor diesem Hintergrund lohnt sich die Frage, ob Schweizer Unternehmen nicht ganz andere Hebel in Bewegung setzen könnten als zu gleichem Lohn ein paar Stunden länger arbeiten zu lassen. Dabei gilt es, im Detail zu definieren, welches die langfristigen Vorteile für ein Unternehmen und ein Standort sind, wenn es sich auf gutes, gesundes Management besinnt und das Engagement der Menschen in der Organisation erhöht. Ohne Wenn und Aber und ohne künstliche Schonung auf irgendeiner Stufe des Unternehmens. Was das bringen kann, zeigen unzählige Studien. Egal ob McKinsey, Boston Consulting Group, oder Corporate Leadership Council – die Resultate sind immer dieselben: authentische und engagierte Unternehmensführung im obigen Sinne stellt die Konkurrenz in den Schatten. 300-400 Prozent stärkeres Umsatzwachstum und 200-300 Prozent höhere Gewinnmargen sind keine Seltenheit. Das sind Grössenordnungen, die ein Unternehmen auch einen um 20-25 Prozent aufgewerteten Franken wegstecken lässt.

Die Haupttreiber dieser Ergebnisse sind Produktivität und Innovationskraft durch Freude und Engagement. Beide werden indirekt durch optimales Management und entsprechende Freiheiten und nicht direkt durch Produktivitäts- oder Innovationsprogramme ermöglicht.

Manch ein Schweizer Unternehmen könnte die so gewonnene Schlag- und Finanzkraft nutzen, sich trotz und schliesslich eben gerade dank des starken Frankens im internationalen Wettbewerb zu behaupten und nachhaltig profitabel zu wachsen. Das Beste daran: eine Investition in gutes Management kostet nicht wesentlich mehr als in schlechtes. Das Schaffen strategischer Klarheit, die Konzentration auf das Wesentliche und Entrümpelung des Projektportfolios, das Setzen gemeinsamer Ziele und Etablieren echten Teamworks in der Geschäftsleitung, welche konsequent umgesetzt und authentisch gelebt werden solche Massnahmen zeigen schon nach wenigen Monaten emotional und materiell spürbare Resultate.

Mit der gegebenen Offenheit, kritischen Selbsteinschätzung, einer Portion Selbstdisziplin und gesunden Neugier sowie der einen oder anderen punktuellen Reflexion von Aussen wird ein solcher Veränderungsprozess sehr bald Früchte tragen. Notwendig dazu ist die Bereitschaft der Unternehmensleitung, das eigene Tun umfassend und unvoreingenommen zu hinterfragen, aus anderen Blickwinkeln zu betrachten und sich in klarer Rollenverteilung auf die Kernaufgaben zu fokussieren.

Systematisch betrieben, ergeben sich bereits nach kurzer Zeit neue und vielversprechende Einblicke in die Einzelheiten der Dynamiken und Handlungsmuster zwischenmenschlicher Beziehungen in einer Unternehmung.

Dies ist die beste Grundlage für eine nachhaltige, wirtschaftliche Unternehmensentwicklung. Dann spielen auch Schwankungen im Wechselkurs der Heimwährung keine Rolle mehr.


Andreas Oertli ist Senior Executive Coach und Strategischer Berater für individuelle Führungskräfte sowie für Führungs- und Aufsichtsgremien. Er berät und begleitet Unternehmungen und deren Eigentümer im In- und Ausland in komplexen Transformationsprozessen und kritischen Situationen bei Veränderungen. www.andreasoertli.com

Raymond Hofmann ist unabhängiger Berater und Coach für Management- und Organisationsentwicklung. Seine Klienten sind Geschäftsleitungen kleiner, mittlerer und grosser Unternehmen in unterschiedlichen Branchen – in der Schweiz wie auch international. www.raymondhofmann.com

Die Schweizer Wirtschaft, insbesondere die Exportwirtschaft und der Detailhandel sowie der Tourismus, ächzt unter den Folgen des starken Frankens und dem damit einhergehenden potentiellen Verlust von Wettbewerbsfähigkeit im internationalen Vergleich (Handelszeitung: Das sind die Reaktionen auf den Franken-Schock, http://www.handelszeitung.ch/bildergalerie/das-sind-die-reaktionen-auf-den-franken-schock / NZZ: Dossier Starker Franken und Schwacher Euro, http://www.nzz.ch/dossiers/wirtschaft/euro-wohin-2.47125).

 

Schnell sind die Standardrezepte aus der Schublade geholt: Kosten senken (lies: Einsparung von Personal, Lohnsenkungen, Kurzarbeit, Prozessoptimierungen, Outsourcing), Investitionen zurückstellen, Kapitalkosten optimieren, Preise reduzieren und schliesslich nach staatlicher Unterstützung rufen.

 

Während einiger dieser Hebel durchaus sinnvoll sein und Wirkung entfalten können (eine regelmässige Reduktion von in guten Zeiten angesetztem Fett war schon immer gesund), so bergen sie auch einige gewichtige Nachteile: Sie sind nicht endlos anwendbar, haben oft unliebsame Nebenwirkungen (Qualitätskompromisse, demotiviertes Personal und irritierte Kunden), sind relativ einfach kopierbar und packen häufig die Wurzel des Übels, die mangelnde Wettbewerbsfähigkeit, nicht nachhaltig an. Noch nie ist ein Unternehmen durch Sparprogramme alleine langfristig erfolgreich gewesen.

 

Einer der grössten und auch nachhaltigsten Hebel wird hingegen noch viel zu oft vernachlässigt: Die Führung des Unternehmens. Gerade hier liegt in unserer Erfahrung der Schlüssel zu sehr viel ungenutztem Potential hinsichtlich Innovation, Wachstum und Profitabilität. Nicht nur, aber auch in Schweizer Unternehmen.

 

Was ist die Aufgabe des Managements? Im Kern ist liegt sie darin, die effektive Zusammenarbeit von Menschen zu ermöglichen, damit sie gemeinsam Grossartiges leisten können. Dinge erschaffen (Produkte, Dienstleistungen, Erlebnisse), welche die Möglichkeiten von Einzelpersonen bei weitem übersteigen. Management ist eine soziale Technologie, die Technologie der menschlichen Errungenschaft.

 

Wirklich gutes, gesundes Management ermöglicht es den Menschen, in einem Unternehmen mit Freude jeden Tag ihr bestes zu geben, ihre Talente voll zur Entfaltung zu bringen und auf gemeinsame Ziele hinzuarbeiten. Wenn das gelingt, dann wird ungeheures Potential freigesetzt: die Produktivität steigt gewaltig, die Innovations- und Wachstumskraft erreicht ungeahnte Höhen und die Fluktuation unter den besten Mitarbeitern sinkt. Das bekannteste Beispiel dafür ist sicher Apple. Hierzulande etwas weniger bekannt, aber nicht weniger eindrücklich: Southwest Airlines, der Marktführer für Inlandflüge in den USA. Als einzige Airline der Welt schreibt Southwest seit 42 Jahren ununterbrochen schwarze Zahlen. In der Schweiz ist die junge Firma On ein gutes Beispiel: quasi aus dem Nichts hat diese eine Revolution in der Laufschuhtechnologie eigenläutet und lehrt der grossen, internationalen Konkurrenz das Fürchten. Ebenso die beiden Appenzeller Familienunternehmen GOBA AG (bekannt durch Mineralwasser und Flauder) und die Brauerei Locher AG, welche durch innovative und ansprechende Produkte ihre Kunden begeistern.

Sie alle haben gemeinsam, dass wirtschaftlicher Erfolg nicht der Zweck, sondern das logische Ergebnis Ihres leidenschaftlichen Handelns ist.


 

 

 

Dazu bedarf es einer gesunden und selbstbewussten Organisation. Diese ist geprägt durch starkes Teamwork auf allen Stufen, beginnend auf der obersten Führungsebene. Sie zeichnet sich weiter durch ausgeprägte Klarheit aus: im Zweck des Unternehmens jenseits von Geld verdienen, in seiner Strategie, gemeinsam getragenen Werten, Organisation, Zielen und Prioritäten. Weil alle im Unternehmen agierenden Personen grossen Wert auf Kommunikation und Dialog legen, wird diese Klarheit auch im ganzen Unternehmen und dessen Umfeld verstanden. Und weil alle menschenorientierten Prozesse wie die Rekrutierung, Entwicklung, Anerkennung und selbst eine respektvolle Trennung auf diese Klarheit ausgerichtet sind, können sie authentisch gelebt werden und finden daher breite Akzeptanz.

 

Dazu braucht es ausserdem eine ganzheitliche Denkweise, welche die Implikationen des Sprechen und Handelns nicht nur kurzfristig sondern über einen langen Zeitraum konsistent erscheinen lässt und diese auch immer wieder überprüft und kritisch in Frage stellt. In solchen Unternehmen werden die Mitarbeiter als mündige, verantwortungsbewusste Menschen behandelt und an wesentlichen Entscheidungen wie Strategieformulierung, Investitionen, Projektauswahl oder gar Festlegen der Entlöhnung beteiligt. Unternehmerisches Denken ist so nicht nur auf dem Papier gefragt sondern in jeder Handlung, egal auf welcher Stufe.

 

Eine gute und solide Führung auf Augenhöhe arbeitet täglich daran, die Gesundheit des Unternehmens im obigen Sinne zu stärken. Sie scheut sich auch nicht davor, sich selber zu entwickeln und dabei punktuell auf externe Sichtweisen zurückzugreifen. Auch Roger Federer ist sich schliesslich nicht zu schade, gezielt mit einem Coach und wenigen ausgesuchten Beratern seines Vertrauens zu arbeiten.

 

Soweit unsere Vorstellungen einer idealen Welt. Die Realität in vielen Unternehmen sieht aber häufig anders aus. Das Management beschäftigt sich primär mit betriebswirtschaftlichen Teilaspekten der Unternehmensführung, der Applikation von Standardrezepten, der Messung von vermeintlichen Schlüsselerfolgsindikatoren sowie der Zementierung der eigenen Macht und vernachlässigt dabei sträflich die eigentliche Hauptaufgabe einer umfassenden verantwortungswollen Unternehmensführung. Das Resultat ist klar: Politik und Silos statt echtes Teamwork, eine Strategie die – wenn überhaupt – nur das Top Management versteht, Konfusion und Leerlauf auf allen Ebenen, unproduktive Meetings, übervolle Kalender, zu viele Projekte und Initiativen, Verzettelung der Kräfte, Erschöpfung von wenigen und Langeweile sowie Dienst nach Vorschrift von vielen, Krankenstände, welche sich laufend nach oben bewegen und schliesslich Abgänge von den wirklich guten Leistungsträgern.  .

 

Menschen, die in solchen Unternehmen arbeiten, fürchten sich vor Montagmorgen und warten schon ab Dienstag nur auf das kommende Wochenende um mindestens temporär vom täglichen Irrsinn der Arbeit erlöst zu werden. Kein Wunder findet das renommierte Gallup-Institut in seiner jährlichen Studie zur Lage der Arbeitnehmer, dass gerade einmal 13 Prozent weltweit in ihrem Job aktiv engagiert (engaged) sind (http://www.gallup.com/poll/165269/worldwide-employees-engaged-work.aspx). In Nordamerika sind die Zahlen etwas besser, in Europa dafür sogar noch etwas schlechter. Was für eine gigantische Verschwendung menschlicher Schaffenskraft, verursacht durch schlechtes Management!

 

Schon Peter Drucker hat gesagt: Much of what we call management today consists of making it difficult for people to work. Und Gary Hamel meint heute: Management is probably the least efficient activity in your organisation.

 

Vor diesem Hintergrund lohnt sich die Frage, ob Schweizer Unternehmen nicht ganz andere Hebel in Bewegung setzen könnten als zu gleichem Lohn ein paar Stunden länger arbeiten zu lassen. Dabei gilt es, im Detail zu definieren, welches die langfristigen Vorteile für ein Unternehmen und ein Standort sind, wenn es sich auf gutes, gesundes Management besinnt und das Engagement der Menschen in der Organisation erhöht. Ohne Wenn und Aber und ohne künstliche Schonung auf irgendeiner Stufe des Unternehmens. Was das bringen kann, zeigen unzählige Studien. Egal ob McKinsey, Boston Consulting Group, oder Corporate Leadership Council – die Resultate sind immer dieselben: authentische und engagierte Unternehmensführung im obigen Sinne stellt die Konkurrenz in den Schatten. 300-400 Prozent stärkeres Umsatzwachstum und 200-300 Prozent höhere Gewinnmargen sind keine Seltenheit. Das sind Grössenordnungen, die ein Unternehmen auch einen um 20-25 Prozent aufgewerteten CHF wegstecken lässt.

 

Die Haupttreiber dieser Ergebnisse sind Produktivität und Innovationskraft durch Freude und Engagement. Beide werden indirekt durch optimales Management und entsprechende Freiheiten und nicht direkt durch Produktivitäts- oder Innovationsprogramme ermöglicht.

 

Manch ein Schweizer Unternehmen könnte die so gewonnene Schlag- und Finanzkraft nutzen, sich trotz und schliesslich eben gerade dank des starken Frankens im internationalen Wettbewerb zu behaupten und nachhaltig profitabel zu wachsen. Das Beste daran: eine Investition in gutes Management kostet nicht wesentlich mehr als in schlechtes. Das Schaffen strategischer Klarheit, die Konzentration auf das Wesentliche und Entrümpelung des Projektportfolios, das Setzen gemeinsamer Ziele und Etablieren echten Teamworks in der Geschäftsleitung, welche konsequent umgesetzt und authentisch gelebt werden solche Massnahmen zeigen schon nach wenigen Monaten emotional und materiell spürbare Resultate.

 

Mit der gegebenen Offenheit, kritischen Selbsteinschätzung, einer Portion Selbstdisziplin und gesunden Neugier sowie der einen oder anderen punktuellen Reflexion von Aussen wird ein solcher Veränderungsprozess sehr bald Früchte tragen. Notwendig dazu ist die Bereitschaft der Unternehmensleitung, das eigene Tun umfassend und unvoreingenommen zu hinterfragen, aus anderen Blickwinkeln zu betrachten und sich in klarer Rollenverteilung auf die Kernaufgaben zu fokussieren.

 

Systematisch betrieben, ergeben sich bereits nach kurzer Zeit neue und vielversprechende Einblicke in die Einzelheiten der Dynamiken und Handlungsmuster zwischenmenschlicher Beziehungen in einer Unternehmung.

 

Dies ist die beste Grundlage für eine nachhaltige, wirtschaftliche Unternehmensentwicklung. Dann spielen auch Schwankungen im Wechselkurs der Heimwährung keine Rolle mehr.

 

Andreas Oertli ist Senior Executive Coach und Strategischer Berater für individuelle Führungskräfte sowie für Führungs- und Aufsichtsgremien. Er berät und begleitet Unternehmungen und deren Eigentümer im In- und Ausland in komplexen Transformationsprozessen und kritischen Situationen bei Veränderungen. www.andreasoertli.com

 

Raymond Hofmann ist unabhängiger Berater und Coach für Management- und Organisationsentwicklung. Seine Klienten sind Geschäftsleitungen kleiner, mittlerer und grosser Unternehmen in unterschiedlichen Branchen – in der Schweiz wie auch international. www.raymondhofmann.com

«Sympathisch elitär, aber nie hochnäsig!
Die Kollegen beim MONAT wissen,
dass der liberalen Haltung ein Schuss Ironie gut bekommt.»
Rainer Hank, «FAZ»-Kolumnist,
über den «Schweizer Monat»