Wie alles begann…

Am Anfang der Selbstdemontage des Finanzplatzes Schweiz steht paradoxerweise eine geglückte Aktion: die Rettung der UBS durch den Staat vor sechs Jahren. Seither gibt Bundesbern den Ton an. Doch Erfolg macht blind. Bern hat seither manchen Flop gebaut. Wir erinnern uns: Im Frühjahr 2007 zählte sich die UBS in ihrem Geschäftsbericht «zu den bestkapitalisierten Finanzinstituten […]

Am Anfang der Selbstdemontage des Finanzplatzes Schweiz steht paradoxerweise eine geglückte Aktion: die Rettung der UBS durch den Staat vor sechs Jahren. Seither gibt Bundesbern den Ton an. Doch Erfolg macht blind. Bern hat seither manchen Flop gebaut.

Wir erinnern uns: Im Frühjahr 2007 zählte sich die UBS in ihrem Geschäftsbericht «zu den bestkapitalisierten Finanzinstituten der Welt». Kurz darauf verlor sie ihren Konzernchef und am 1. Oktober die ersten vier Milliarden Franken. Ein Jahr und 40 Milliarden Franken Verlust später rettete sich die Bank mit einer zweiten Rekapitalisierung am Markt über die Runde, gleichzeitig verlor sie ihren Verwaltungsratspräsidenten. Nach dem Konkurs der amerikanischen Investmentbank Lehman Brothers im September 2008 drohte der UBS der Absturz, da sie keine Investoren für einen weiteren, notwendigen Kapitaleinschuss mehr fand. Die Krise kulminierte am 16. Oktober 2008 im «Massnahmenpaket zur Stabilisierung des Finanzsystems». Die UBS erhielt vom Bund eine Kapitalspritze von 6 Milliarden Franken, die Schweizerische Nationalbank (SNB) erklärte sich bereit, für bis zu 60 Milliarden Franken Schrottpapiere der Bank zu übernehmen.

Zuerst die gute Nachricht: die durch Bankenaufsicht (EBK), SNB und Finanzdepartement gemeinsam vorbereitete und klug durchgeführte Rettung der UBS war eine Spitzenleistung. Kein anderes Land hat die Krise so gut gemeistert. Das Retter-Trio hat nicht nur die Lage stabilisiert, sondern auch gleichzeitig den zwei Grossbanken strengere Vorschriften auferlegt, die andere Länder noch heute nicht erreicht haben. Die Eidgenossenschaft hat auf dem UBS-Engagement einen Milliardengewinn erzielt, und die SNB wird ihre Hilfsaktion wohl auch mit einem stattlichen Überschuss abschliessen können.

Also alles gut?

Nun die schlechte Nachricht: die Schweizer Bürger haben keine schweizerische Bank gerettet, sondern eine globale Bank mit Hauptsitz und damit Oberaufseher in der Schweiz. Die Mehrzahl der Aktionäre, Angestellten und Kunden lebten im Ausland, die Geschäftsleitungsmitglieder waren mehrheitlich Ausländer. 89 Prozent des Vermögens waren ausserhalb der Schweiz investiert, mehr als die Hälfte der Erträge fielen jenseits der Landesgrenze an. Und es kam noch schlimmer. Fortsetzung folgt.

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Francis Cheneval, Professor für politische Philosophie,
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