Widerstand gegen den
galaktischen Totalitarismus

Die Fernsehserie «Andor» zeigt, wie der Herrschaftsapparat im «Star Wars»-Imperium funktioniert – ein neuer, spannender Blickwinkel.

Widerstand gegen den  galaktischen Totalitarismus

Mit «The Mandolorian» startete der Disney-Konzern 2019 eine neue Offensive mit Fernsehserien, die in der fiktiven Galaxie der «Star Wars»-Filmreihe spielen. Seither wurden auf der hauseigenen Streamingplattform Disney+ auch «Das Buch von Boba Fett» und «Obi-Wan Kenobi» lanciert. Der bisherige Höhepunkt ist aber der neuste Zugang, «Andor».

Zu erklären, worum es in «Andor» geht, ist kompliziert – weil ein modernes Milliarden-Dollar-Unterhaltungs-Universum wie «Star Wars» inzwischen eben ein unübersichtliches Gebäude ist. Die Figur des rebellischen Diebs Cassian Andor, dargestellt von Diego Luna wurde 2016 im Film «Rogue One: A Star Wars Story» eingeführt. Dieser Film erzählte eine Vorgeschichte zum allerersten «Star Wars»-Film von 1977, und «Andor» erzählt nun eine Vorgeschichte zur Vorgeschichte.

Zu erklären, warum «Andor» sehr unterhaltsam ist, ist dagegen einfach: Die Serie versteht es, viel Spannung zu erzeugen, und macht dies auf eine erwachsene Art. Im ersten Teil der 12 Folgen geht es unter anderem um die Planung und Durchführung eines Banküberfalls, im Weiteren dann um einen Gefängnisausbruch aus einer Strafkolonie, wo die barfuss gehenden Gefangenen unter anderem mit elektrisierten Böden diszipliniert werden.

Gleichzeitig beleuchtet die Serie das Innenleben des Imperiums, welches die Galaxie seit dem Ende der Republik, 14 Jahre zuvor, beherrscht. Hier geht es um Abläufe der Bürokratie und Machtkonflikte in einem totalitären Herrschaftsapparat, wie sie sich wohl auch in realen Diktaturen abspielen. Daneben zeigt die Serie auch, wie es sich auf prominente Politiker und normale Menschen auswirkt, wenn ein Regime ruchlos nach Rebellen fahndet.

«Andor» verzichtet fast vollständig auf die Macht, auf Jedi-Ritter, Sith-Lords und originelle Kreaturen. Die Serie von Tony Gilroy, Drehbuchautor etwa der Jason-Bourne-Filmreihe, nimmt Abstand von den esoterischen Aspekten der «Star Wars»-Reihe und nähert sich «ernsterer» Science-Fiction, ohne jedoch verkopft zu werden. Daher ist die Serie auch jenen zu empfehlen, deren Interesse an «Star Wars» in den letzten Jahren etwas erkaltet ist. (dj)

«Der beste Journalismus ist der,
den man liest, obwohl einen das Thema bis dahin gar nicht interessiert hat.
Beim MONAT passiert mir das ständig.»
Niko Stoifberg, Schriftsteller und Redaktor bei «getAbstract», über den «Schweizer Monat»