Es gibt Bücher, die eignen sich allein schon aufgrund eines gut gewählten Titels dazu, gleich stapelweise bezogen zu werden, um im öffentlichen Personennahverkehr abgelegt, regelmässig auftauchenden Besserwissern in die Hand gedrückt oder anderweitig unter die Leute gebracht zu werden. Ein solches Buch ist «Jude sein» der Schauspielerin Sandra Kreisler, die sich selbst als «Bühnenkraft» bezeichnet (mit Betonung auf «Kraft», wie sie hervorhebt). In ihrer bei Hentrich & Hentrich erschienenen Bestandsaufnahme der antisemitischen Vorurteile der Gegenwart geht es direkt zur Sache: Hier kommt kein Klischee, kein Feindbild, keine Lüge ungeschoren davon. Ob die in Deutschland heissgeliebte Wortkreation «Israelkritik», verräterische Formulierungen wie die angebliche «Spirale der Gewalt» in Nahost oder das bekannte Anschmieren israelsolidarischer Individuen als «rechts» (oder Schlimmeres): Kreisler polemisiert zielsicher gegen Unzumutbarkeiten, die längst normalisiert worden sind, wenn sie nicht gar heimlich bis offen begrüsst werden. Das Diktum von Friedrich Engels, das dem Buch vorangestellt ist – «Der Antisemitismus ist das Merkzeichen einer zurückgebliebenen Kultur» –, ist dabei übrigens nicht nur als zeitloser Kommentar zu verstehen, was die hemmungslos antisemitischen Regime der Gegenwart angeht, sondern auch als Urteil, wie es um die westlichen Gesellschaften bestellt ist, in denen jene angebliche «Israelkritik» als Freifahrtschein für bisweilen frei ausagierten Hass dient. (vsv)
Wider das antisemitische Vorurteil
Sandra Kreislers «Ansichten über das Leben in der Diaspora».
Unterstützen Sie uns!
Aktuelles
Nein, die Nazis waren nicht links
In der politischen Auseinandersetzung wird das Etikett «Nazi» gerne als Totschlagargument gegen bürgerliche Positionen missbraucht. Im Gegenzug versucht die «Neue Rechte», den Nationalsozialismus als links umzudeuten. Beides ist falsch – und verharmlost die historische Realität.
Neutralitätsinitiative scheitert an Putin
Giuseppe Gracia und Lukas Leuzinger über den Abstimmungssonntag. Was das Scheitern der Intitiativen zu Neutralität und Ernährung bedeutet und warum die billige Moral gewonnen hat.
Dem Staat den Speck abschneiden
Die Schweizer Schuldenbremse, die dieses Jahr 25 Jahre alt wird, ist ein Erfolgsmodell. Doch dieses hat Löcher bekommen. Es braucht eine radikale Generalüberholung, die der Bürokratie das Wasser abgräbt.
Der Irrglaube von DEI
Toleranz lässt sich nicht verordnen. Wenn Regierungen Vielfalt und Inklusion per Dekret erzwingen, erzeugen sie genau jene Gegenreaktion, die sie eigentlich verhindern wollten. Die bessere Antwort ist Überzeugungsarbeit.