Wer ist «wir»?

Einmal im Jahr bitten wir vier ganz unterschiedliche Autoren um ebenso persönliche wie prononcierte Texte zu einem brisanten Thema, das eine vertiefte Auseinandersetzung verdient. Wir legen den ausgewählten Autoren die gleiche Frage vor, versehen mit denselben Anregungen aus unserer Redaktion. Ziel ist eine Debatte im Magazin – und eine weitere coram publico: Sie findet diesmal […]

Einmal im Jahr bitten wir vier ganz unterschiedliche Autoren um ebenso persönliche wie prononcierte Texte zu einem brisanten Thema, das eine vertiefte Auseinandersetzung verdient. Wir legen den ausgewählten Autoren die gleiche Frage vor, versehen mit denselben Anregungen aus unserer Redaktion. Ziel ist eine Debatte im Magazin – und eine weitere coram publico: Sie findet diesmal mit Ihnen, liebe Leser, und den Autoren am 17. September in Zürich statt. Bitte reservieren Sie sich den Abend, Details folgen.

Und das waren die Impulse, die wir den Autoren mit auf den Weg gegeben haben (gekürzt):

1.    Welches waren in der Vergangenheit die identitätsstiftenden Ereignisse und Ideen der Eidgenossenschaft (1848, «Willensnation», 1918, Unternehmertum, Einheit in der Vielfalt, Interessenausgleich)? Und welche sind es in der sozialen Wirklichkeit von heute, in der Schweiz im Jahre 2014?

2.    Gibt es einen «Zusammenhalt» der Schweizer, eine Art helvetischen Grundkonsens? Gibt es mithin einen Kernbestand an Werten und Überzeugungen, der von allen Bewohnern ungeachtet ihrer Herkunft, Geschichte und Glaubenszugehörigkeit anerkannt wird bzw. anzuerkennen wäre? Oder gibt es sie gerade nicht – und die Erzählungen über die alte wehrhafte Schweiz dienen bloss dazu, eine Homogenität zu suggerieren, die es nicht gibt?

3.    Gerät der Zusammenhalt der Schweizer in Gefahr, wenn die Zuwanderung unvermindert anhält? Oder ist diese Angst vor der Zuwanderung unbegründet, weil die Schweiz marktgetrieben seit 150 Jahren ein Einwanderungsland ist?

4.    Haben der Gemeinsinn (bürgerliches Engagement) und das darauf beruhende Milizsystem (Freiwilligenengagement) in einem von stetiger Zuwanderung geprägten Land noch Bestand? Oder ist es umgekehrt – sind die hochqualifizierten Zuwanderer viel eher als die ansässigen Schweizer bereit, zivile Verantwortung zu übernehmen?

5.    Wie wirken sich Einflüsse der Globalisierung auf die «Identitätsfindung» in der Schweiz aus?

6.    Kann die wirtschaftlich global eingebundene, also abhängige Schweiz als Kleinstaat inmitten des EU-Raums eine unabhängige Wirtschafts-, Geld-, Finanz-, Sozial-, Aussenpolitik betreiben? Und wie wirkt sich das auf die politische Identität aus?

7.    Welche Folgen hat es für die kulturelle Identität, wenn Englisch («Globish»), losgelöst von einer lokalen Kultur, zum blossen «tool» wird, zur «lingua franca», die vorherrschenden Sprache zur Verständigung der Menschen der vier Sprachräume?

8.    Welche Vorkehrungen drängen sich auf, wenn immer mehr ausländische Unternehmen mit ihren Mitarbeitenden sich hier niederlassen und der Bedarf an weniger Qualifizierten für persönliche Dienstleistungen (Pflege, Betreuung, Entsorgung, Versorgung) weiter ansteigt?

9.    Wie könnte ein moderner Patriotismus aussehen? Wäre es ein kosmopolitischer Patriotismus? Wo verläuft die Grenze zwischen Patriotismus und Nationalismus, zwischen Stolz und Arroganz, zwischen Einsatz und Ausschluss?

Die Antworten von Georg Kohler, Philipp Gut, Thomas Zaugg und Michael Stauffer lesen Sie auf den folgenden Seiten.

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Die Redaktion

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«Der beste Journalismus ist der,
den man liest, obwohl einen das Thema bis dahin gar nicht interessiert hat.
Beim MONAT passiert mir das ständig.»
Niko Stoifberg, Schriftsteller und Redaktor bei «getAbstract», über den «Schweizer Monat»