Wer bestimmt über wen?

Über die zunehmende Entfremdung von Politik und Wirtschaft

Wer bestimmt über wen?
Bild: Fotolia

Wir verstehen uns als liberale Debattenzeitschrift, und der folgende Themenschwerpunkt steht explizit unter dem Credo der Debattierfreudigkeit. Für diese Ausgabe haben wir folgendes Arrangement getroffen: Vier Autoren verfassen nach denselben Vorgaben einen grundsätzlichen Beitrag zum Spannungsfeld von Politik und Wirtschaft, von Demokratie und Marktwirtschaft.

Wir haben unseren Autoren folgenden Frageraster vorgelegt:

1. Vorkommnisse, Ereignisse, Trends

Welche Ereignisse, Entwicklungen und Probleme zwingen aus Ihrer Sicht zum kritischen Nachdenken über die Zukunftsfähigkeit bestehender Strukturen, Regeln und Positionen in Privatwirtschaft und Politik?

2. Analyse

Worin orten Sie die Ursache(n) der von Ihnen benannten Krise(n): in zu viel/zu wenig Wirtschaftsfreiheit, in zu viel/zu wenig demokratischer Mitbestimmung? In wirtschaftlicher Inkompetenz der Politiker, in politischer Indifferenz der Wirtschaftsführer? Hat sich die Wirtschaft von der Politik entfremdet – oder die Politik von der Wirtschaft? Erleben wir eine Politisierung des wirtschaftlichen und gesellschaftlichen Lebens (Regulierung, Bevormundung, Interventionen)? Oder erleben wir eine Ökonomisierung des politischen Lebens?

3. Diagnose

Leben wir in einer freien Marktwirtschaft? Leben wir in einer sozialen Marktwirtschaft? Oder leben wir in einer neuen Form des Staatskapitalismus? Ist die Demokratie in Gefahr? Ist die Marktwirtschaft in Gefahr? – Stehen die Zwillingskonzepte von Marktwirtschaft und Demokratie neuerdings in einem Spannungsfeld? Wenn ja, wie lassen sich die Reibungspunkte präzise beschreiben? Und welche Konsequenzen lassen sich daraus ziehen?

4. Grundzüge einer freiheitlichen und gerechten Wirtschaftsordnung in der Zukunft

Lassen sich einige konkrete Positionen und Forderungen an Unternehmen, Unternehmer, Politiker, Steuerzahler, Arbeitnehmer und Bürger aufstellen, die als Antwort auf die Probleme der Gegenwart für die Ordnung einer liberalen Demokratie bzw. demokratischen Marktwirtschaft taugen? Oder bedarf es neuer Modelle demokratischer bzw. marktwirtschaftlicher Ordnung? Und wie sähen die aus?

Die Antworten auf den folgenden Seiten bilden die Grundlage für eine offene und öffentliche Diskussion, die die Autoren am 17. Dezember führen (siehe Eigeninserat auf S. 74). Wir zeichnen die Diskussion auf und publizieren sie in einer der folgenden Ausgaben – mit hoffentlich maximalem Erkenntnisgewinn für Sie, liebe Leserinnen und Leser.

Wir wünschen schon jetzt anregende Lektüre!

Die Redaktion

Wirtschaftsdemokratie wagen
Christian Levrat / Bild: SP Schweiz
Wirtschaftsdemokratie wagen

Demokratische Politik und die bestehenden politischen Institutionen verlieren zusehends an Gewicht. Und internationale Finanzmärkte werden zum Taktgeber gesellschaftlicher Entwicklungen. Deshalb braucht es eine Demokratisierung der Wirtschaft. Diese setzt dort an, wo sich zu viel Macht ballt.

Herfried Münkler (Humboldt Universität, Berlin) Foto: Stephan Röhl, http://www.stephan-roehl.de
«In einer schnelllebigen Zeit,
in der ‹Eine Meinung haben› allzu leicht mit ‹Ein Argument vorbringen› verwechselt wird,
ist eine Zeitschrift wie der MONAT unverzichtbar, die sich dem gründlichen Bedenken und Durchdenken von Möglichkeiten und Perspektiven politischen Handels verpflichtet fühlt.»
Herfried Münkler, Professor für Politikwissenschaft,
über den «Schweizer Monat»