Wenn ausserehelicher Sex zum Krieg führt

Mit «House of the Dragon» wird die Vorgeschichte von «Game of Thrones» erzählt – mit viel Blut, Intrigen, Inzest und Drachenfeuer.

Wenn ausserehelicher Sex zum Krieg führt
Zuerst Freundinnen, später Rivalinnen: Königin Alicent Hightower (Olivia Cooke) und Prinzessin Rhaenyra Targaryen (Emma D’Arcy). Bild: Ollie Upton/HBO.

Fiktionale Universen, die kommerziell erfolgreich sind, muss man ausbauen. Das ist in den letzten Jahren zu einem Leitsatz der Unterhaltungsindustrie geworden. Disney produziert in hohem Takt zu «Star Wars» Filme und Serien, das Marvel-Superhelden-Filmuniversum wächst ständig weiter, zu «Harry Potter» gibt es neue Filme und Videospiele.

Da war es klar, dass auch die Welt von «Game of Thrones», einer sehr erfolgreichen Fantasy-TV-Serie, die von 2011 bis 2019 ausgestrahlt wurde, nicht lange ruhen darf. Obwohl der Abschluss der Hauptgeschichte viele Zuschauer verärgerte, ist inzwischen eine neue Serie gestartet, die in derselben Welt spielt, aber etwa 200 Jahre früher. «House of the Dragon» beleuchtet eine konfliktreiche Phase der Targaryen-Dynastie, die den «eisernen Thron» innehat. Die Serie basiert auf dem Buch «Feuer und Blut» von Autor George R. R. Martin.

Der harmoniebedürftige und kränkliche König Viserys Targaryen bestimmt entgegen der Tradition seine älteste Tochter zu seiner Erbin, weil er aus erster Ehe keinen Sohn hat. Da er mit seiner zweiten Frau später jedoch mehrere männliche Nachkommen zeugt, entwickelt sich ein Streit um die Thronfolge. Natürlich gibt es dabei viele politische Intrigen, inzestuöse Hochzeiten, Drachen und nackte Haut – ähnlich, wie man es sich aus «Game of Thrones» gewöhnt ist.

Die Gewaltdarstellungen sind unnötig explizit und teils gar der Erzählung hinderlich. So werden in einer Serie, bei der es um die Schwierigkeit geht, legitime Erben zu zeugen, bisweilen die Söhne wichtiger Familien als purer Schockeffekt hingemetzelt – etwa gleich in der ersten Folge bei einem Ritterturnier des Horrors.

Gleichzeitig verzichtet die Serie auf eigentliche Helden mit Identifikationspotenzial. Fast jeder Charakter hat grosse Defizite. Besonders ist die Serie auch aufgrund mehrerer Zeitsprünge. Jüngere Charaktere sind bis zu dreifach besetzt mit Schauspielern unterschiedlichen Alters. Die Geschichte ist dicht erzählt, gekonnt gefilmt und für Fans schwerer Stoffe durchaus unterhaltsam. Gemäss Buchautor Martin braucht es vier Staffeln, um den ganzen Drachen-Thronfolgekrieg abzuhandeln. (dj.)

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Sandra Kostner, Historikerin,
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