Wen die Inflation besonders teuer zu stehen kommt

Ein Rechentool zeigt, wie stark das Portemonnaie wirklich von der Teuerung betroffen ist.

Wen die Inflation besonders teuer zu stehen kommt
Bild: Screenshot Financial Times.

8,5 Prozent in den USA, 7,9 Prozent in Deutschland, 3,5 Prozent in der Schweiz: Aufmerksamen Zeitungslesern dürften diese Zahlen bekannt vorkommen. Es sind die aktuellen Inflationsraten, über die sich Wirtschaftsjournalisten aus aller Welt aktuell die Finger wundschreiben. Doch was bedeutet die Inflationsrate eigentlich für den Einzelhaushalt? Können sich Herr und Frau Schweizer tatsächlich 3,5 Prozent weniger Güter leisten, als es noch im Vorjahr der Fall war?

Ganz so einfach ist es nämlich nicht: Die Inflationsrate ist ein abstraktes Mass, das einen «typischen Warenkorb» abbildet. In der Schweiz nimmt der Landesindex der Konsumentenpreise (LIK) beispielsweise an, dass der Durchschnittshaushalt knapp 3,5 Prozent seiner Gesamtausgaben für Alkohol und Tabakwaren aufwendet – was bei der Budgetplanung eines Abstinenzlers offensichtlich nicht relevant ist. Je nach Lebenssituation können die eigenen Ausgabepositionen stark vom «typischen Warenkorb» abweichen. Es ist somit nicht klar, inwiefern die ausgewiesene Inflationsrate tatsächlich das eigene Portemonnaie trifft.

Die «Financial Times» will die unanschauliche Teuerungsdebatte mit einem persönlichen Inflationsrechner auf eine greifbare Ebene runterbrechen. Nutzer aus den USA, dem Vereinigten Königreich und Japan (weitere Länder sollen laufend ergänzt werden) können ihre individuellen Ausgaben pro Monat in insgesamt 12 Kategorien – von Gesundheitsausgaben bis hin zur Ferienkasse – eingeben und die ganz persönliche Inflationsrate mit den bekannten Werten aus der Tageszeitung vergleichen. Nach ein paar Kniffs findet man zum Beispiel heraus, dass insbesondere Autofahrer und Vielflieger die aktuellen Preisentwicklungen heftiger zu spüren bekommen. Auffällig ist das starke Preiswachstum für Energieträger und Lebensmittel. Und weil ärmere Haushalte verhältnismässig einen höheren Anteil ihrer Ausgaben für solche Güterklassen einsetzen als wohlhabendere Gesellschaftsschichten, sind sie die grossen Leidtragenden der hohen Inflation. (jb)

«Kurvt unentwegt jenseits
der Staatsgläubigkeit.»
Beat Kappeler, Ökonom und Publizist,
über den «Schweizer Monat»