Weltwährungs(un)ordnung

Brauchen wir eine neue Weltwährung?

Die Finanzkrise hat die Welt des Geldes in Unordnung gebracht. Nunmehr droht auch das Geld der Welt im Chaos zu versinken. China und Japan tauschen monetäre Vergeltungsschläge aus. Finanzminister aufstrebender Länder sprechen von einem internationalen «Währungskrieg». Der Internationale Währungsfonds (IWF) warnt lautstark vor neuen Abwertungswettläufen und versucht zu vermitteln, aber Kooperation ist nicht in Sicht. Die Diagnose ist klar: die Krise der Banken mag fürs erste gestoppt sein; die Krise des Weltwährungssystems hat gerade erst begonnen.

Die Probleme mit dem Geld der Welt kommen nicht überraschend. Schon die Krise von 2008 war eng mit der Weltwährungsfrage verknüpft. Niall Ferguson und ich haben vor einigen Jahren diese Problematik auf den Namen «Chimerika» getauft: die finanzielle Symbiose von China und Amerika, zusammengehalten von enormen Devisenmarktinterventionen der chinesischen Regierung. Diese Ehe zwischen dem grössten Sparer und dem grössten Konsumenten der Weltwirtschaft erlaubte es den USA, permanent über ihre Verhältnisse zu leben, während China dank einer unterbewerteten Währung immer neue Exportmärkte erobern konnte. Chinas Marktinterventionen – aktuellen Zahlen zufolge hat Peking gut 2’500 Milliarden Dollar in Form von Dollars zur Seite geschafft – haben unüberschaubare Risiken für die globale Finanzstabilität mit sich gebracht. Der Kollaps der amerikanischen Wirtschaft im Herbst 2008 ist massgeblich auf diese Überdosis billigen Kredits zurückzuführen. Der Hauptlieferant der Droge sass in Peking.

Im nachhinein ist klar, dass es zwei zentrale Schwachpunkte im Weltwährungssystem gab, die die Weltwirtschaft an den Rand des Zusammenbruchs gebracht haben.

Erstens konnte das Land, das die Weltreservewährung – den US-Dollar – ausgibt, dauerhaft über seine Verhältnisse leben. Der US-Dollar besitzt aus historischen, politischen und wirtschaftlichen Gründen ein Quasimonopol auf die Bereitstellung dieser internationalen Liquidität. Der Euro spielt zwar in Europa eine vergleichbare Rolle, aber im aufstrebenden Asien dominiert nach wie vor der Dollar. Genau hierin liegt das «exorbitante Privileg», von dem einst der französische Ex-Präsident Giscard d´Estaing gesprochen hat: der Rest der Welt hat gar keine andere Wahl, als Dollarreserven zu halten. Fast alle Länder müssen also in US-Vermögenswerte investieren und dadurch den USA implizit Kredit einräumen.

Zweitens gab es keinen Mechanismus, der verhinderte, dass einzelne Länder riesige Währungsreserven anhäuften und durch Manipulationen des Wechselkurses Exportförderung durch die Hintertür betrieben. Dani Rodrik aus Harvard und andere argumentieren zwar, dass solche Strategien entwicklungspolitisch durchaus sinnvoll sein können. Der Aufbau von Exportindustrien beschleunige den Strukturwandel von der Landwirtschaft zur Industrie. Aber nach der Krise muss man konstatieren, dass es zu Problemen führt, wenn viele Länder die gleiche Strategie verfolgen oder einzelne grosse Länder wie China es damit übertreiben.

Auch Kapitalmarktliberalisierung und finanzielle Globalisierung haben schwer zu kalkulierende Risiken für viele Volkswirtschaften mit sich gebracht. Vor allem die asiatischen Schwellenländer haben dies in der Asienkrise Ende der 1990er Jahre zu spüren bekommen. China, Korea und andere haben aus «ihrer» Krise die Lehre gezogen, dass ein Schwellenland angesichts hochgradig volatiler Kapitalflüsse nie genug Devisenreserven besitzen kann, um spekulative Attacken zu verhindern. Ohne Zweifel hat sich dies auch in der Krise von 2008 wieder gezeigt. Länder mit dicken Reservepolstern sind besser durch das Finanzmarktchaos gekommen.

Ist es also angesichts der in der Krise offenbar gewordenen Schwächen der gegenwärtigen Weltwährungsunordnung an der Zeit, wieder ernsthaft über eine Weltwährung nachzudenken? Die Zeiten, in denen es noch eine solche gab, liegen gar nicht so lange zurück – rund 40 Jahre. Als die USA vor 39 Jahren am 15. August 1971 die Konvertibilität des Dollars in Gold beendeten (Bretton Woods), verlor das Weltwährungssystem seinen externen «Anker». Und die Welt damit ihre Währung. Zwar funktionierte der Goldstandard auch schon in der Nachkriegszeit nicht mehr in seiner ursprünglichen Form. Vielmehr waren die meisten Währungen mit festen Wechselkursen an den Dollar als Ankerwährung gebunden. Aber da…

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Heinz Zimmermann, Professor für Finanzmarktökonomie,
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