Weit ist zu schwimmen…

Rolf Lappert: «Nach Hause schwimmen». München: Hanser, 2008. Mit Irland kann man nichts falsch machen. Weicher Torf unter den Füssen, weiter Blick auf den Atlantik, die westliche Brise aus Amerika in der Nase – das erweitert den Horizont und beflügelt die Phantasie. Der 50jährige Rolf Lappert hat den Schritt gen Nordwesten gemacht, den Boden gefühlt, […]

Rolf Lappert: «Nach Hause schwimmen». München: Hanser, 2008.

Mit Irland kann man nichts falsch machen. Weicher Torf unter den Füssen, weiter Blick auf den Atlantik, die westliche Brise aus Amerika in der Nase – das erweitert den Horizont und beflügelt die Phantasie. Der 50jährige Rolf Lappert hat den Schritt gen Nordwesten gemacht, den Boden gefühlt, die Luft geatmet und seinen vierten Roman verfasst, der auf der Shortlist des Deutschen Buchpreises 2008 stand: «Nach Hause schwimmen» spielt zum einen im abgelegenen Norden der Republik Irland und nutzt die Hütten und Landschaften aus Patrick McCabes «Die schwarze Pfanne». Darüber hinaus führt die Geschichte des Nichtschwimmers Wilbur in das Ostküsten-Amerika John Irvings; die Hauptfigur kommt zu ihrem Namen wie «Garp», wächst im Waisenhaus auf wie Homer Wells aus «Gottes Werk und Teufels Beitrag» und geht durchs Leben mit der Grösse eines «Owen Meany». Doch der Zürcher Lappert klaut nicht, er verwertet. Wilbur hat seine eigene skurrile Geschichte, die ihn zwischen den USA und Irland hin- und hertreibt, an den Rand des Selbstmordes bringt und schliesslich auf dem langen Weg zurück in ein halbwegs normales Leben zeigt.

Es ist ein ereignisreicher Entwicklungsroman voller Wendungen, Episoden und kraftstrotzender, resoluter Nebenfiguren, neben denen der schüchterne Wilbur ein blasser Kaltblüter bleibt. Der Grund liegt vermutlich in der nicht zu verleugnenden Herkunft Lapperts; denn obwohl er den Torfgeruch Irlands und die Winde aus Amerika inhaliert hat, bleibt er ein deutschsprachiger Autor. Statt der Witze oder kernigen Sprüche, die seine bodenständige Geschichte gut vertrüge, will er lieber lyrisch und bedeutungsschwanger sein: Wilbur schläft nicht einfach ein, sondern seine «Pupille, eben noch ein Planet, wird zum Staubkorn», und statt aufzuwachen, starrt er «an die Innenseite seiner Lider, auf der Blitze zerstoben». Pfiffig ist das nicht, amerikanisch ist das nicht, aber – positiv gesehen – ist Lappert heimatverbunden geblieben.

vorgestellt von Michael Harde, Schalkenbach

«Die Zeitschrift für unabhängige
und selbstverantwortliche Individuen!»
Werner Kieser, Unternehmer (1940-2021),
über den «Schweizer Monat»