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Weckruf der Freiheit

Mit einem neu erschienenen Büchlein gewährt die Bonny Stiftung Einblicke in ihre Arbeit und erinnert daran, warum es den Liberalismus gerade in der heutigen Zeit braucht.

Weckruf der Freiheit

Vor kurzem zeichnete die Bonny Stiftung für die Freiheit die beiden Gründer des Instituts für Wirtschaftspolitik IWP in Luzern, René Scheu und Christoph Schaltegger, mit dem «Freiheitspreis» aus. Parallel dazu hat sie einen Sammelband veröffentlicht. Das Buch «Vive la Liberté» versammelt Beiträge der Crème de la Crème der liberalen Szene der Schweiz – darunter Politiker, Publizisten, Ökonomen und fast alle bisherigen Träger des Freiheitspreises der Bonny Stiftung.

Ein eigenes Kapitel widmet sich der Geschichte der Stiftung, die 2013 von Jean-Pierre Bonny und seinem Weggefährten Beat Brechbühl gegründet wurde. Die Wurzeln der Stiftung reichen zurück ins Jahr 1992: Am Tag der Ablehnung des EWR-Beitritts wurde Brechbühl in den Gemeinderat von Muri gewählt. Jean-Pierre Bonny, damals Nationalrat, gratulierte ihm und bot ihm das Du an – und aus dieser Begegnung entwickelte sich eine Freundschaft, die schliesslich 2013 in die Gründung einer Freiheitsstiftung mündete.

Gestartet mit einem Startkapital von 10 Millionen Franken hat sich die Bonny-Stiftung auf die Fahnen geschrieben, freiheitliche und liberale Werte in der Schweiz zu fördern sowie unternehmerische Initiativen zu unterstützen. Neben Organisationen wie etwa dem Liberalen Institut und dem IWP ist das etwa das Projekt Liberale Aktion für Reform und Ambition (LARA), das junge liberale Talente fördert.

Mit seinen zahlreichen Kurzbeiträgen bietet der Sammelband inspirierende Gedanken und erinnert uns daran, weshalb der Liberalismus gerade in Zeiten eines überbordenden Etatismus nötiger ist denn je. So schreibt etwa Publizist Beat Kappeler völlig zu Recht, dass gutes Verhalten den Bürgern nicht vom Staat aufgezwungen werden sollte. Diese Aufgabe falle vielmehr der Zivilgesellschaft, Vereinen, Unternehmen und Vorbildern zu. An anderer Stelle schreibt Kabarettist Andreas Thiel, dass Freiheit nicht einfach mit Handeln nach Gutdünken ohne Rücksicht auf andere gleichgesetzt werden könne. Freiheit bedeute vor allem, nicht der Willkür anderer ausgesetzt zu sein. Im Kapitel «Politik» gibt NZZ-Redaktorin Katharina Fontana zu bedenken, dass die Souveränität von Volk und Parlament am Bröckeln sei und sich die Schweiz allmählich zu einem Richterstaat entwickle. Das Sammelband wird zu guter Letzt mit einem Zwiegespräch zwischen Jean-Pierre Bonny und alt Bundesrat Kaspar abgerundet – wobei es natürlich auch um den künftigen Rahmenvertrag mit der EU geht.

Die ästhetische Aufmachung des Büchleins sowie die Fotos wirken sehr gelungen. Auf dem blauen Buchdeckel sind bei näherem Betrachten alle Autoren in transparenter Schrift zu erkennen. Jedes Kapitel beginnt mit Textauszügen aus Jean-Pierre Bonnys Biografie «Meine Lebensbilanz» auf beigegrau unterlegten Seiten. Die Kurzbeiträge sind auf weissem Grund gedruckt, während die Infos zum Engagement der Stiftung auf hellblau unterlegten Seiten geschrieben stehen.

Beim Durchblättern der Autorenbeiträge wird einmal mehr deutlich, wie heterogen das liberale Spektrum in der Schweiz ist. Gerade bei der EU-Frage scheiden sich die Geister. Während gewisse Liberale auf die Unabhängigkeit der Schweiz pochen und einem Rahmenvertrag skeptisch gegenüberstehen, sehen andere darin eine grosse Chance. Dies zeigt sich auch im Zwiegespräch zwischen Bonny und Villiger. (Michael Straumann)

Bonny Stiftung für die Freiheit: Vive la Liberté, 2025.

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