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Warten Sie nicht auf die Politik – lassen Sie den Goldesel arbeiten!

Warten Sie nicht auf die Politik – lassen Sie den Goldesel arbeiten!

Das Vorsorgesystem steht von verschiedenen Seiten unter Druck. Umso wichtiger wird es, privat vorzusorgen. Dabei ist entscheidend, nicht nur Geld zu sparen, sondern es auch zu investieren.

Die Zukunft der AHV und der zweiten Säule ist ungewiss – nicht zuletzt aufgrund der demografischen Entwicklung. Die durchschnittliche Altersrente aus AHV und Pensionskasse beträgt für einen Mann 4375 Franken pro Monat, für eine Frau sogar nur 3000 Franken.

Das System steht unter Druck. Die AHV hat ein Finanzierungsproblem, und die Pensionskassenrenten werden mit hoher Wahrscheinlichkeit weiter sinken. Denn: In der Pensionskasse spart jeder für sich selber, ergo müssen die Renten bei steigender Lebenserwartung gekürzt werden, ansonsten reicht das Geld nicht. Das wurde in der Vergangenheit bereits fleissig gemacht: Die Pensionskassenrenten liegen gemäss dem VZ-Pensionierungsbarometer 2025 heute um 40 Prozent tiefer als im Jahr 2002.

Unter diesen Umständen wird die private Vorsorge immer wichtiger. Allerdings wirft die steuerbegünstigte Säule 3a – wenn überhaupt – oft noch weniger Zinsen ab als ein Sparkonto.  Ein Beispiel: Eine 30-jährige Person lässt bis zu ihrer Pensionierung 100 000 Franken auf einem Sparkonto ohne Zinsen liegen. Bei einer jährlichen Inflationsrate von durchschnittlich 2 Prozent (Durchschnitt der letzten 100 Jahre in der Schweiz) verliert das Geld bis zur Pensionierung rund die Hälfte an Wert. Ein Umstand, dessen sich viele nicht bewusst sind.

«Wer das Geld jahrzehntelang auf einem Konto ohne Zinsen liegen lässt, muss aufgrund der Inflation mit massivem Kaufkraftverlust rechnen.»

Wer im Vorsorgesystem langfristig Vermögen aufbauen möchte, ist also gezwungen, das Geld in der Säule 3a zu investieren. Dabei sollte man sich für einen Anbieter mit tiefen Gebühren entscheiden. Klassische Banken gehören in der Regel nicht dazu. Günstig sind digitale Vermögensverwalter.

Das Parlament diskutiert derzeit über eine Erhöhung der Besteuerung beim Bezug der Säule 3a – ein Umstand, der das Vertrauen in das staatlich geförderte Instrument schmälert. Denn: Wenn heute über Steuererhöhungen diskutiert wird, worüber wird dann in 10, 15 Jahren diskutiert? Sind weitere Steuererhöhungen möglich? Es ist unfair, die Regeln während des Spiels zu ändern.

Privat vorsorgen geht auch ohne Säule 3a

Wer völlig unabhängig vom Staat seine Altersvorsorge aufbauen möchte, kann sein Geld im freien Vermögen (auch Säule 3b genannt) anlegen. So profitiert man zwar nicht von Steuerbegünstigungen, dafür unterliegen das Kapital inkl. Kursgewinne- und Dividendenerträge beim Bezug nicht der Kapitalleistungssteuer (Steuer beim Bezug). Hinzu kommen weitere Vorteile: Es gelten keine gesetzlichen Einschränkungen wie in der Säule 3a, der Zugang zum Vermögen ist jederzeit möglich und man kann Anlageklassen und Vermögensallokation frei wählen. Wählt man zudem einen digitalen Broker ohne Depotgebühr, spart man sich zusätzlich die Verwaltungsgebühren, die sonst in der Säule 3a üblich sind.

Unabhängig davon, ob man sich bei der privaten Vorsorge für die Säule 3a, das freie Vermögen oder eine Mischung aus beidem entscheidet: Wichtig ist, dass das Geld investiert wird.

Historisch gesehen bringen Aktien langfristig die höchste Rendite. Die durchschnittliche Rendite auf dem weltweiten Aktienmarkt lag in den letzten 120 Jahren bei 7,3 Prozent pro Jahr. Auch das lässt sich an einem Beispiel veranschaulichen: Eine 30-jährige Person investiert jeden Monat bis zur Pensionierung 500 Franken in weltweit gestreute Aktien. Bei einer jährlichen Rendite von durchschnittlich 7,3 Prozent hat diese Person bei der Pensionierung ein Vermögen von 920 700 Franken, also knapp einer Million, zur Verfügung. Effektiv gespart hat sie jedoch nur 210 000 Franken, der grosse Rest entsteht durch Zins und Zinseszins. Nicht umsonst hat Albert Einstein die Macht des Zinseszinses als achtes Weltwunder bezeichnet.

Für die Altersvorsorge eignen sich insbesondere Aktien-ETFs. Ein ETF ist im Grunde ein Korb, in dem mehrere Aktien liegen, je nach ETF mehrere tausend. So ist das Risiko eines Totalverlusts extrem gering. ETFs kann man direkt an der Börse kaufen und sie sind deutlich günstiger als aktiv gemanagte Fonds von Banken. Zu beachten ist, dass der Anlagehorizont bei Investments in Aktien idealerweise 15 Jahre oder länger beträgt.

Auch weitere Anlageklassen wie Gold, Bitcoin und Immobilien können im Sinne der Diversifikation eine sinnvolle Beimischung in das Portfolio sein. Bei Staatsanleihen wäre ich derzeit vorsichtig: Schweizer Staatsanleihen bringen praktisch keine Rendite; bei ausländischen Staatsanleihen ist wegen der weltweit hohen Staatsverschuldungen Vorsicht geboten, es besteht zudem das Risiko von Währungsverlusten. So hat der US-Dollar seit Jahresbeginn gegenüber dem Franken rund 10 Prozent an Wert verloren.

So reicht das Geld – egal wie alt man wird

Während meiner Zeit als Sozialarbeiterin bei Pro Senectute hatte ich zum Beispiel einen Senior in der Beratung, der sich sein Pensionskassenguthaben als Kapital hatte auszahlen lassen. Er hatte es so eingeteilt, dass es für 20 Jahre reicht. Der gute Herr wurde aber fast 100 Jahre alt. Kurz nach seinem 85. Geburtstag bis zu seinem Tod war er auf Ergänzungsleistungen angewiesen.

«Wer vom Vermögen zehren muss, hat grosse Schwierigkeiten bei der richtigen Einteilung, da die eigene Lebenserwartung eine unbekannte Variable ist.»

Es gibt aber eine bessere Strategie, bei der die Lebenserwartung keine Rolle spielt. Wer es schafft, bis zur Pensionierung ein genügend grosses Depot aufzubauen, muss nach der Pensionierung keine Anteile davon verkaufen, sondern kann von Dividenden leben. Ich nenne das die Goldesel-Strategie. Die Rendite bei ETFs mit dividendenstarken Aktien beträgt je nach ETF um die 3 Prozent. Wer ein Depot von einer Million Franken hat, erhält bei einer Dividendenrendite von 3 Prozent Dividendenzahlungen von rund 30 000 Franken pro Jahr. Das ist gleich viel wie die jährliche AHV-Maximalrente für eine Einzelperson. Natürlich sind Dividendenzahlungen nicht garantiert; in wirtschaftlich schwachen Jahren können sie ausfallen, auch wenn Unternehmen viel daransetzen, konstant Dividenden auszuschütten. Deshalb braucht es unbedingt einen genügend grossen Liquiditätspuffer.

Die Goldesel-Strategie ist aus meiner Sicht der beste Weg für die private Altersvorsorge: Erstens bleibt das Vermögen erhalten und wächst weiter, zweitens werden die Dividenden unabhängig von der Lebenserwartung bis zum Tod und darüber hinaus ausbezahlt.

Wer über eine Bank oder Versicherung investiert, muss hohe Gebühren in Kauf nehmen, welche die Rendite stark schmälern. Zudem besteht das Risiko, dass einem unnötige Finanzprodukte aufgeschwatzt werden. Investieren kann man heute problemlos selber, zum Beispiel über digitale Broker wie Swissquote oder Saxo, über digitale Vermögensverwalter wie Findependent, Selma oder Viac oder über Neobanken wie Yuh oder Neon. Bei allen Anbietern kann man automatisierte Sparpläne einrichten – und so quasi im Schlaf investieren. Wichtig ist, dass man sich im Vorfeld das nötige Grundwissen übers Investieren aneignet.

Ich rate davon ab, sich in Sachen Finanzen auf Bank- und Versicherungsberater zu verlassen, denn provisionsbedingt werden uns hier oft überteuerte und unnötige Finanzprodukte angedreht. Heutzutage gibt es zahlreiche Bücher, Onlinekurse, Podcasts und YouTube-Videos, die das Thema Finanzen und Investieren unabhängig und verständlich erklären.

Finanzwissen ist der Schlüssel

Um zu investieren, braucht es Geld. Ein cleverer Umgang mit den eigenen Finanzen ist daher essenziell. Als Grundlage kann die folgende Checkliste dienen:

  • Ein Budget erstellen, das einen monatlichen Sparbeitrag für Investments vorsieht.
  • Den Lebensbedarf an die eigenen Verhältnisse anpassen.
  • Alle Ausgaben tracken, um eine Übersicht über den Finanzfluss zu haben und Sparpotenziale ausfindig zu machen.
  • Sich in Partnerschaften und Familien rechtlich absichern, zum Beispiel mittels Testaments, Erb- und Eheverträgen.
  • Das Sparpotenzial bei Steuern und Versicherungen nutzen, zum Beispiel indem man jedes Jahr Krankenkassenprämien vergleicht und allenfalls zu einer günstigeren Krankenkasse wechselt.
  • Sich regelmässig weiterbilden.
  • Bei der Stellensuche Pensionskassenleistungen berücksichtigen. Die Unterschiede bei den Pensionskassen sind gigantisch. Trotz gleichem Lohn kann es sein, dass man bei dem einen Arbeitgeber bis zur Pensionierung über 100 000 Franken mehr angespart hat als beim anderen.

Finanzwissen ist der Schlüssel für Vermögensaufbau – und folglich für eine optimierte Altersvorsorge. Wer mehr über Finanzen weiss, trifft klügere Entscheidungen im Umgang mit den eigenen Finanzen.

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