Von der Suche nach dem Glück

Von der Suche nach dem Glück

Stephan Mathys: Unfroh.

 

Schon von seiner Kindheit an, im dörflichen Schweizer Mittelland, findet sich Dominik (genannt Nik) Schaller, der Ich-Erzähler in Stephan Mathys’ Debütroman «Unfroh», auf der unentwegten Suche nach einem sinnerfüllten, glücklichen Leben. Als Endvierziger, Angestellter in einer Schuhladenkette, formt er diese Suche rückblickend zu einer brüchigen Lebensgeschichte, die begleitet wird von zeitgeschichtlichen Ereignissen – von der Mondlandung über den Mauerfall bis zu den Präsidentenwahlen Obamas und Trumps. Niks Familienglück in der Ehe mit der kreativen Schaufensterdekorateurin Sandra und nach der Geburt der beiden Kinder Salome und Tom zerbricht, als er in eine Affäre mit der attraktiven Käseverkäuferin Barbara gerät, die von ihm schwanger wird. Nach seiner Scheidung von Sandra, der Heirat mit Barbara und der Geburt des gemeinsamen Sohnes Luka scheint Nik ein neues familiäres Glück gefunden zu haben, das ­jedoch durch einen tragischen Unfalltod Barbaras jäh zerstört wird.

Wie bereits in seinem wunderbaren, 2018 erschienenen Erzählband «Vor dem Fenster» erweist sich der Berner Autor Stephan Mathys als ein meisterhafter Erzähler, der mit poetischem, feinfühlendem Blick den möglichen Glücksgeschichten liebender Menschen nachspürt und unweigerlich an schicksalhafte Grenzen der Realität stösst – in der Erkenntnis einer Unhaltbarkeit des Glücks. Mit Nik Schaller hat Mathys einen alltäglichen, tief empfindsamen Menschen gezeichnet, der in der Liebe und Ehe, in der Familie eine sinnvolle Existenz und ein «einfaches» Glück sucht und dabei verlustreich, «unfroh» scheitert. Als sie ein junges Liebespaar waren, hatte Nik Sandra von der Idee zu einem Roman erzählt, in dem es um «den Versuch» gehe, «herauszufinden, wer wir sind. Um das bisschen Glück, das dabei herausschaut. Und das Unglück, das gratis mitgeliefert wird.» Metafiktional hat Mathys hier seinen eigenen Roman pointiert. An dessen Ende bleibt dem Lebens- und Liebessuchenden eine ­offene Zukunft, in der alles möglich ist.


Stephan Mathys: Unfroh. Zürich: Edition 8, 2020.

«Ein Sprudelbad fürs Hirn!»
Monique Bär, Philanthropin und Gründerin der Arcas Foundation,
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