Vermessene Gesellschaft

Wir befinden uns in einer vermessenen Welt, in der Ranglisten den Ton angeben.

Heute wird beinahe alles quantifiziert. Wir befinden uns in einer vermessenen Welt, in der Ranglisten den Ton angeben. So wird etwa Einstein immer wieder als der bedeutendste Wissenschafter aller Zeiten bezeichnet. Was ist aber mit Darwin oder Röntgen? Die Leistungen dieser Wissenschafter sind schlicht nicht vergleichbar. Noch unmöglicher, beinahe lächerlich wird eine Rangliste der grössten Philosophen: Aristoteles, Nietzsche oder Kant?

Gemessen werden auch die «Leistungen» von ganzen Ländern, etwa wenn die Schweiz als «innovativstes Land» bezeichnet wird. Auch die Bedeutung der Kultur wird gemessen: Etwa tausend Orte werden von der UNO als «Weltkulturstätten» ausgezeichnet. Und was ist mit den unendlich vielen anderen kulturellen Gütern? Zählen sie weniger, weil sie nicht in der UNO-Liste auftauchen? Wissenschafter werden nach ihrem Rang gemäss der Anzahl ihrer Veröffentlichungen in akademischen Organen bewertet. Welche Erkenntnisse dadurch für die Gesellschaft erreicht wurden, wird hingegen wenig oder gar nicht beachtet.

«Die allermeisten Sachverhalte dieser Welt

lassen sich eben nicht auf eine einzige (Rang-)Zahl reduzieren.»

Die vielen Ranglisten sind Ausdruck einer sich immer weiter ausbreitenden Vermessung der Welt. Man könnte sich damit trösten, dass diese Ranglisten von selbst an Bedeutung verlieren, weil es immer mehr davon gibt. Doch leider hält diese oberflächliche Vermessung oft davon ab, bewusst nach «echten» Inhalten zu suchen. Die allermeisten Sachverhalte dieser Welt lassen sich eben nicht auf eine einzige (Rang-)Zahl reduzieren – wenn Sie das nächste Mal auf ein Ranking treffen, versuchen Sie doch mal, herauszufinden, nach welchen Kriterien verfahren wurde und welche man stattdessen auch hätte heranziehen können. Und fragen sich dann: Haben die Bestplatzierten tatsächlich einen so substanziellen Beitrag geleistet oder sieht es nur so aus?

Klar: Der Ranglistenexzess kann als irrelevante Spielerei der Medien abgetan werden. Ranglisten haben den Vorteil, etwas Kompliziertes zu vereinfachen, fassbar zu machen. Allerdings sollte nicht übersehen werden, dass dadurch gerade die Vielfalt unterdrückt wird – und Vielfalt ist für eine lebendige und dynamische Gesellschaft lebenswichtig

 

«Der Entkalker fürs Hirn:
Nicht links, nicht rechts –
einfach intelligent!»
Dominik Imseng,
Managing Partner bei smartcut consulting,
über den «Schweizer Monat»