Verkappte Verkehrspolitik

Das Morgental bildet mit seinen vielen Läden das Herz des öffentlichen Lebens von Zürich-Wollishofen. Der Stadtrat kam vor über zehn Jahren mit einem Plan, wie das Morgental «attraktiver» zu gestalten sei. «Attraktiver» bedeutet im links-grünen Zürich: eingeschränkter Individualverkehr. So auch hier: Die bisherige Tramhaltestelle sollte in beide Richtungen durch Kapphaltestellen (Streckenführung so, dass die Autos […]

Verkappte Verkehrspolitik

Das Morgental bildet mit seinen vielen Läden das Herz des öffentlichen Lebens von Zürich-Wollishofen. Der Stadtrat kam vor über zehn Jahren mit einem Plan, wie das Morgental «attraktiver» zu gestalten sei. «Attraktiver» bedeutet im links-grünen Zürich: eingeschränkter Individualverkehr. So auch hier: Die bisherige Tramhaltestelle sollte in beide Richtungen durch Kapphaltestellen (Streckenführung so, dass die Autos dem Tram folgen und wie dieses halten) ersetzt, die Fussgängerbereiche erweitert und die Zufahrten zu gewerblichen Grundstücken behindert werden.

Doch die Stadt machte den Plan ohne den Kanton. Dieser kappte kurzerhand die Kapphaltestelle, verweigerte also die Bewilligung. Wie viele Linien des öffentlichen Verkehrs sich dereinst durch das Morgental bewegen, ist also ungeklärt. Klar dagegen ist, dass bei einer übermässigen Behinderung des Individualverkehrs die Autofahrer auf Schleichwege im Quartier ausweichen.

Der lokale Gewerbeverband sowie die «bürgerlichen» Parteien haben eine Stellungnahme zum Plan abgegeben. Ziel der Einwendungen ist es, mit der Stadt in einen transparenten Dialog zu treten, genauer: einen angepassten Plan zu erstellen, der auch Anlieferungsmöglichkeiten für das Gewerbe und den Erhalt oberirdischer Parkplätze berücksichtigt. Nun ist der neue Verkehrsminister Filippo Leutenegger gefordert, genauer: sein «pragmatisches» Geschick, das er bei seinem Antritt so gern ins Feld führte. Seine konkrete Aufgabe besteht in der Berücksichtigung sämtlicher Interessen – ohne Voreingenommenheit gegenüber dem Gewerbe und dem Autoverkehr.

Sollte ihm dies nicht gelingen, ist eine juristische Auseinandersetzung vorprogrammiert. Zum Ergreifen von Rechtsmitteln gegen den Plan legitimiert sind nämlich alle direkt Betroffenen. Sollten die Zufahrts- und Parkmöglichkeiten des ansässigen Gewerbes gekappt werden, ist es ihr gutes Recht, dagegen bis vor Bundesgericht zu prozessieren. Das würde fürs Morgental bedeuten: Letzter Halt, Lausanne. Bitte alle aussteigen.

«Sympathisch elitär, aber nie hochnäsig!
Die Kollegen beim MONAT wissen,
dass der liberalen Haltung ein Schuss Ironie gut bekommt.»
Rainer Hank, «FAZ»-Kolumnist,
über den «Schweizer Monat»