Venice Worst 5

Ja, Venedig bietet in diesem Jahr eine Kunstausstellung der Superlative. Zur Orientierung tragen aber hier nicht nur «Must-See»-Bestenlisten bei, sondern auch Listen famoser Flops. Hier sind sie:   Viel Wind um Nichts: Angola Der historische Palazzo Cini mit seiner italienischen Altmeistersammlung bietet jeder Art von Kunst eine grossartige Kulisse, da kann man kaum noch scheitern. Edson Chagas […]

Ja, Venedig bietet in diesem Jahr eine Kunstausstellung der Superlative. Zur Orientierung tragen aber hier nicht nur «Must-See»-Bestenlisten bei, sondern auch Listen famoser Flops. Hier sind sie:  

Viel Wind um Nichts: Angola

Der historische Palazzo Cini mit seiner italienischen Altmeistersammlung bietet jeder Art von Kunst eine grossartige Kulisse, da kann man kaum noch scheitern. Edson Chagas setzte mit seinen Photographien von Alltagsgegenständen in Luanda das Leitmotiv der Biennale «Der enzyklopädische Palast» ebenso streberhaft wie eindimensional um. Im Obergeschoss dann noch eine Kollektion angolanischer Gegenwartskunst, die wie ein gymnasialer Kunstleistungskurs daherkommt: klassische Moderne, gemixt mit Ethnoelementen. 

Deutschland schafft sich selbst ab

Das Prinzip einer «Weltmeisterschaft der Kunst», bei der Nationen gegeneinander antreten, bildet den Ursprung und Kern der Biennale von Venedig – ein Prinzip, das regelmässig für überholt erklärt wird, eine erwartbare intellektuelle Pflichtübung.  Deutschland spielt oberstreberhaft antinationale Avantgarde und schafft sich selbst ab, indem es sich u.a. von dem unvermeidlichen Ai Weiwei, einem Südafrikaner und einer Inderin vertreten lässt. 

Frankreichs verbaute Bude

Ratlose Besucher hinterlässt auch der französische Pavillon. Hier musste der gesamte, hohe Raum zu einem Tonstudio verbaut werden, nur um ein Klavierspielervideo zeigen zu können, dessen Feinheiten und konzeptuelle Hintergründe so gar nicht zum äusserlichen Monumentalismus passen. 

Angeberkunst aus der Volksrepublik 

Bombastische Videoinstallationen, Leuchtkästen und allerlei technische Verblüffungseffekte im chinesischen Pavillon, dazu umfangreiche Satellitenausstellungen. Offenbar ist Peking bewusst geworden, wie günstig sich Kunst als Imagepflegemittel machen kann  – wenn man es nur geschickter angehen würde!  

Der heilige Ai

Ebenso peinlich, wie der Westen den Künstlerdissidenten Ai Weiwei zum Märtyrer aufbaut: in der Chiesa di S. Antonin kann man in sarkophagähnlichen Guckkästen Szenen aus Ais Gefängnisalltag betrachten – hier Politkitsch par excellence. 

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