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Unternehmer sind Helden – doch die Gesellschaft behandelt sie wie Verbrecher
Olivier Kessler, zvg.

Unternehmer sind Helden – doch die Gesellschaft behandelt sie wie Verbrecher

In der öffentlichen Wahrnehmung gelten Unternehmer als gierige Ausbeuter, die für alle Übel der Welt verantwortlich sind. Dabei sind sie Staatsangestellten moralisch überlegen.

In seinem Roman «1984» beschreibt George Orwell verschiedene Methoden der Machtausübung. Eine ist die Verwendung von Euphemismen (Beschönigungen) und Umdeutungen: Die Haft- und Folterlager des Systems werden «Lustlager» genannt, das Ministerium, das dahintersteht, heisst «Ministerium für Liebe». In Parteiparolen wie «Krieg ist Frieden», «Freiheit ist Sklaverei» und «Unwissenheit ist Stärke» werden die Wörter kurzerhand umgedeutet.

«1984» wird zumeist als potentielle Dystopie der Zukunft gehandelt, doch viele Elemente sind bereits heute Realität. Gerade die mit sprachlicher Manipulation verbundenen Aspekte sind allgegenwärtig. Man findet sie in den Verlautbarungen von politischen Parteien, der Berichterstattung in den Massenmedien und auch im Abstimmungsbüchlein.

Der Staat als Held

Auf der einen Seite wird der Staat wie eine Gottheit verherrlicht, wird als «Freund und Helfer» geframt. Jede Kritik an ihm ist Ketzerei: In Deutschland etwa wird sogenannte «Staatsdelegitimierung» neu als Verbrechen geahndet. Jeder, der es wagt, die Androhung und Anwendung von Gewalt – die Vorgehensweise eines jeden Staats – zu hinterfragen, steht damit bereits mit einem Fuss im Gefängnis. Wagt es eine Partei wie die AfD, vom aufoktroyierten «Konsens» abzuweichen, droht ihr ein Verbot. Diese Unterdrückung der ideellen Vielfalt und der Meinungsäusserungsfreiheit ist angeblich nötig zum «Schutze der Demokratie». Orwell hätte die Ironie nicht besser auf den Punkt bringen können.

Der aufgeblähte Staat als Verursacher und Ermöglicher des meisten Unrechts von heute wird moralisch auf einen erhabenen Thron gestellt. Kein Wort darüber, dass all die Bürokraten, Politiker, staatlichen Funktionäre und jene, die sich grosszügig am Subventionstopf bedienen, nichts Messbares zum gesellschaftlichen Gedeihen beitragen. Sie bedienen sich parasitär an den Früchten der Arbeit jener, die mit ihrem Fleiss, ihren Talenten und ihrer Weitsicht den Wohlstand überhaupt erst geschaffen haben.

Um begriffliche Klarheit zu schaffen, handelt es sich bei jener Gruppe, die Gewalt androht und anwendet, um anderen ihr Eigentum abzunehmen, um eine skrupellose Räuberbande, die ihre Verbrechen mit blumigen Worten zu tarnen versucht: Ihre Zwangsumverteilung (inklusive grosszügigen Abzweigens für sich selbst) diene doch nur dem «Allgemeinwohl» und sei «sozial gerecht» – als würde «Solidarität» nicht aus zwischenmenschlicher Barmherzigkeit, sondern nur mit einer Waffe an der Brust gelebt. Orwell würde sich vor lauter Euphemismen im Grab umdrehen, zumal er seinen Roman vermutlich nicht als Prophezeiung, sondern als Warnung verstanden haben wollte.

Willkommene Sündenböcke

Ironischerweise haben es jene «Intellektuellen», die in Wahrheit so etwas wie geistige Prostituierte der Machthaber sind, hingekriegt, ausgerechnet jene Gruppe im öffentlichen Diskurs als das absolut Böse hinzustellen, auf deren Kosten sie tagtäglich leben und mit deren Geld sie öffentlichkeitswirksam zur Festigung ihrer Position um sich werfen: die Unternehmer.

Das sorgfältig gepflegte Narrativ will uns weismachen, die Unternehmer seien schuld an praktisch allen Problemen der heutigen Zeit. Deren «Egoismus», «Gier» und kaltherziges «Profitstreben» seien Ursache für die «raubtierhafte Ausbeutung» der Arbeitnehmer und des globalen Südens, für wiederkehrende Finanzkrisen, für den Klimawandel und so weiter. Diese Darstellung könnte absurder nicht sein. Doch das Tragische daran ist, dass viele Unternehmer, die ich persönlich getroffen habe, diesen Unsinn verinnerlicht haben und sich schuldig fühlen. Sie fühlen sich deshalb dazu verpflichtet, «der Gesellschaft» in einer Art Ablasshandel «etwas zurückzugeben» ‒ so, als hätten sie ihr zuvor etwas weggenommen.

Doch was überhaupt ist ein Unternehmer? In seinem Buch «Die Bürokratie» schreibt der Ökonom Ludwig von Mises: «Die Qualität des Unternehmers ist nicht in der Persönlichkeit des Unternehmers inhärent; sie liegt in der Position, die er im Rahmen der Marktwirtschaft einnimmt.» In einer liberalen Ordnung dienen «Kapitalisten, Unternehmer […] als Mittel zur Bewältigung wirtschaftlicher Angelegenheiten. Sie sitzen am Ruder und steuern das Schiff. Die Richtung jedoch bestimmen sie nicht. […] sie sind nur die Steuermänner, die den Befehlen des Kapitäns gehorchen müssen. Der Kapitän ist der Verbraucher.» Die Konsumenten entscheiden, «indem sie kaufen oder von einem Kauf absehen – wer das Kapital besitzen und wer die Fabriken leiten soll. Sie legen fest, was und in welcher Menge und Qualität produziert werden soll. Ihre Ansichten bestimmen Gewinn oder Verlust des Unternehmers. Sie machen Arme reich und Reiche arm.»

Wer das Gewinnmotiv zu einem Gegensatz des Menschenwohls erklären will, offenbart damit nur, dass er nichts von wirtschaftlichen Zusammenhängen versteht – und Mises nicht gelesen hat. Dieser schrieb: «Aufgrund des Gewinnmotivs ist der Unternehmer gezwungen, die Verbraucher mit den Gütern zu versorgen, die sie am dringendsten benötigen. […] Das Gewinnmotiv ist gerade der Faktor, der den Geschäftsmann zur bestmöglichen Herstellung derjenigen Waren zwingt, die die Verbraucher gebrauchen wollen.»

Mit anderen Worten dient der Unternehmer dem Allgemeinwohl dann am besten, wenn er sich auf die Gewinnmaximierung konzentriert. Dies schliesst natürlich eine gute Behandlung der Mitarbeiter, Kunden und Lieferanten mit ein, weil diese sonst zur Konkurrenz wechseln würden, wo sie bessere Konditionen geboten bekämen. Je mehr Gewinn ein Unternehmer macht, desto grösser ist sein Beitrag zum Allgemeinwohl. Denn die Marktwirtschaft ist kein Nullsummenspiel, wo jemand nur auf Kosten eines anderen gewinnen kann, sondern ein Win-win-System, in dem sich alle Beteiligten durch das freiwillige Abschliessen von Verträgen besserstellen können. Sonst würden sie ja keine Verträge abschliessen.

Werte schaffen statt vernichten

Natürlich gibt es auch zwiespältige Unternehmerpersönlichkeiten, die sich mit unlauteren Methoden bereichern. Doch diese Eigenschaften sind individuell und dem Unternehmer nicht inhärent, während dies bei Akteuren des Staates, die sich mit Zwang und Gewalt auf Kosten anderer bereichern, so nicht behauptet werden kann. Unter Staatsangestellten mag es zwar auch «nette» Menschen geben, doch moralisch gesehen sind sie dem erfolgreichen Unternehmer zweifelsohne unterlegen, weil sie keine Werte schaffen, sondern vernichten. Der Staat kann nur ausgeben, was er produktiv tätigen Menschen zuvor weggenommen hat.

Werden freiwillige Verträge zwischen Arbeitgebern und Arbeitnehmern abgeschlossen, kann auch mitnichten von einer «Ausbeutung der Arbeitnehmer» gesprochen werden. Denn der Arbeitnehmer ist frei, den Vertrag bei Unzufriedenheit wieder aufzulösen und sich eine bessere Stelle zu suchen. Wahre «Ausbeutung» findet vielmehr bei der Auspressung der Nettosteuerzahler statt, weil diesen keine Wahl gelassen wird, ob sie die grotesken Auswüchse des Staates finanzieren wollen oder nicht. Vielmehr werden sie dazu genötigt: ein krimineller Akt, wenn man so will.

Orwells Warnungen sind leider verpufft. Höchste Zeit, die Dinge zurechtzurücken und wieder beim Namen zu nennen. Es ist ein ethisches Gebot der Stunde, die Wahrheit auszusprechen und ganzen Generationen von Indoktrinierten und Verwirrten klarzumachen: Ohne Unternehmer geht gar nichts. Ohne sie würde der Lebensstandard der meisten Menschen ins Bodenlose sinken. Unternehmer sind Helden und tragen die gesamte Gesellschaft auf ihren Schultern, treiben den Fortschritt voran und dienen dadurch Mensch und Umwelt gleichermassen.

«Ohne Unternehmer geht gar nichts. Ohne sie würde der Lebensstandard der meisten Menschen ins Bodenlose sinken.»

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