Untergangsexperten

Es gibt keine Branche, die ihren eigenen Untergang so laut, häufig und lustvoll zelebriert wie jene der gedruckten Medien. Da auch in diesem Fall die berühmteste aller journalistischen Regeln gilt, nämlich die, nach der nur eine schlechte Nachricht eine gute Nachricht ist, werden wir seit nunmehr mindestens zwei Jahrzehnten von Katastrophenmeldungen über den Untergang der […]

Untergangsexperten

Es gibt keine Branche, die ihren eigenen Untergang so laut, häufig und lustvoll zelebriert wie jene der gedruckten Medien. Da auch in diesem Fall die berühmteste aller journalistischen Regeln gilt, nämlich die, nach der nur eine schlechte Nachricht eine gute Nachricht ist, werden wir seit nunmehr mindestens zwei Jahrzehnten von Katastrophenmeldungen über den Untergang der Zeitungen überschwemmt. Gemäss den steileren dieser Endzeitprognosen existierten heute bereits keine gedruckten Zeitungen mehr.

Aber: diese Prognosen sind nicht einfach dem Narzissmus der Journalisten oder ihrer Angst zuzuschreiben, demnächst abgewickelt zu werden. Die Quelle liegt ein paar Etagen höher: auf Ebene der CEO und ihrer stets wachsenden Beraterstäbe. Noch nie tummelten sich in den grossen Medienhäusern der Schweiz so viele Angehörige der Rollkoffertruppe wie heute. Von dem, was Journalisten tun, haben sie zwar wenig Ahnung. Das unterscheidet sie aber nicht unbedingt von den Chefs, die sie holten: Da soll es ja inzwischen Verlage geben, in denen der CEO die Medien nur von aussen kennt – und der branchenfremde VR-Präsident erst noch aus einer anderen Sprachregion stammt. So diskutiert sich’s doch gleich viel unbeschwerter! Über die papierlose Zukunft, zum Beispiel. Denn so viel ist allen klar: Mit Investitionen in die Vergangenheit ist kein Innovationsblumentopf zu gewinnen.

Und wer bezahlt die Investitionen und Beraterhonorare? Die Printmedien. Doch die werden leichten Herzens totgespart, weil sie ja eh keine Zukunft haben, obschon das Durchschnittsalter des Schweizer Zeitungslesers zurzeit 46 Jahre beträgt und der einmal gewonnene Abonnent seiner Zeitung in der Regel bis an sein Lebensende treu bleibt, was statistisch gesehen erst in 35 bis 40 Jahren eintritt. Das interessiert den zukunftsfrohen Medienmanager nicht. Er hat sich längst von seinen Lesern verabschiedet.

«Sympathisch elitär, aber nie hochnäsig!
Die Kollegen beim MONAT wissen,
dass der liberalen Haltung ein Schuss Ironie gut bekommt.»
Rainer Hank, «FAZ»-Kolumnist,
über den «Schweizer Monat»