Unbehagen Schweiz. Fünf Autoren halten dem Land den Spiegel vor.

Die zeitweise fast panische Verwirrung um die «europäische Integration» hat ein helvetisches Missbehagen am eigenen Sonderschicksal an den Tag gebracht, das stark einer Angst vor der Zukunft glich. Die Zeit liegt nicht allzuweit zurück, in der die Schweizer es liebten, der Welt ihre Einrichtungen und Traditionen mit jenem Brustton der Überzeugung zu erklären, als müssten […]

Unbehagen Schweiz. Fünf Autoren halten dem Land den Spiegel vor.
(c) Fotolia.

Die zeitweise fast panische Verwirrung um die «europäische Integration» hat ein helvetisches Missbehagen am eigenen Sonderschicksal an den Tag gebracht, das stark einer Angst vor der Zukunft glich. Die Zeit liegt nicht allzuweit zurück, in der die Schweizer es liebten, der Welt ihre Einrichtungen und Traditionen mit jenem Brustton der Überzeugung zu erklären, als müssten wir den anderen die rechte Lebensart beibringen: wenn sie nur auf uns hören würden, es stünde besser um die Welt! … Seit […] Jahrzehnten war daraus ein bald demütiges, bald querulantenhaftes Bedürfnis geworden, uns der Welt nicht etwa als Vorbild, sondern als «Sonderfall» zu erklären, als hätten wir für unser Festhalten an unserer Lebensweise, die nichts weiter als die unsere ist, um Verständnis zu bitten. Denn wir sahen sehr wohl die Notwendigkeit der grossen Wirtschaftsräume und Zusammenschlüsse und die wachsende Abhängigkeit der Völker, in der die überlieferte nationale Souveränität zur Absurdität wird; doch was, fragten wir, würde in dieser werdenden Welt die Zukunft des kleinen Staates mit seinen eigentümlichen Formen der Freiheit und Gemeindeautonomie sein, an denen wir hängen? Würde uns weiter die Gnade des «Sonderschicksals» beschert sein, und würden wir sie ertragen – oder verfluchen? Müssten wir, um dieses Erbe zu erhalten, weiterhin gegen den Strom der geschichtlichen Entwicklung schwimmen?

Der zitierte Abschnitt aus Herbert Lüthys vielbeachtetem Essay «Die Schweiz als Antithese», 1961 in den «Monatsheften» publiziert, mag illustrieren: Kaum ein Wort motivierte die breite Debatte um den Zustand der Alpenrepublik seit jeher besser als das des «Miss-» oder «Unbehagens». Das Wort hat sich festgesetzt im integralen Schweiz-Diskurs, es hat Streit in Politik, Wirtschaft und Kultur provoziert, immer wieder zum Überdenken des Status quo und auch der Zukunftsoptionen der Schweiz angeregt. Und obschon es in Karl Schmids bekanntestem Werk «Unbehagen im Kleinstaat» von 1963 wohl seinen medial prominentesten Auftritt genoss: das «Unbehagen» selbst ist älter – doch so viel ist klar: im Jahre 2013 ist es so aktuell wie kaum je zuvor. Der Verein Zivilgesellschaft lanciert im Herbst eine Tagung zum Thema. Wir haben bereits vorab fünf Autoren darum gebeten, der Schweiz den Spiegel vorzuhalten – und Auswege aus dem Malaise aufzuzeigen.

Die Redaktion

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Die zeitweise fast panische Verwirrung um die «europäische Integration» hat ein helvetisches Missbehagen am eigenen Sonderschicksal an den Tag gebracht, das stark einer Angst vor der Zukunft glich. Die Zeit liegt nicht allzuweit zurück, in der die Schweizer es liebten, der Welt ihre Einrichtungen und Traditionen mit jenem Brustton der Überzeugung zu erklären, als müssten […]

Das Abc des helvetischen Global Hubs
Klaus J. Stöhlker, photographiert von Lukas Mäder.
Das Abc des helvetischen Global Hubs

Es gibt die moderne A-Schweiz und die gute alte B-Schweiz. Die globalen Konzerne und die heimischen Steuerzahler. Den Freihandel und die nationale Politik. Angelsächsische Umgangsformen und helvetischen Frohsinn. Der City State Switzerland ist längst Tatsache. Nur haben es noch nicht alle gemerkt.

«Ein Sprudelbad fürs Hirn!»
Monique Bär, Philanthropin und Gründerin der Arcas Foundation,
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