Unabhängig, selbständig, freiwillig – zu welchem Preis?

Der Kanton Schwyz hat sich eine «Success Story» gebaut. Nun spürt er die negativen Konsequenzen dieses Erfolges. Wer könnte die Historie besser erklären und die neuen Strategien stringenter -beschreiben als ein Regierungsrat mit 19 Jahren Amtserfahrung?

Schweizer Monat: Sie sind seit 19 Jahren Regierungsrat, seit neun Jahren Vorsteher des Volkswirtschaftsdepartements. Ist der Kanton einer der attraktivsten Wohnorte und Wirtschaftsstandorte in der Schweiz?

Kurt Zibung: Der Kanton Schwyz hat sich im Laufe der letzten Jahrzehnte von einem Landwirtschaftskanton zu einem äusserst attraktiven Wirtschafts- und Wohnstandort entwickelt. Mein Departement heisst heute Volkswirtschaftsdepartement. 1992 hiess es noch Landwirtschaftsdepartement, allein das spricht Bände über die Entwicklung des Kantons.

Welches sind Ihre Highlights?

Sicherlich stehen der grosse Aufschwung des Kantons mit einer breiteren Abstützung des Wohlstands im Vordergrund, den ich in meiner Amtszeit begleiten durfte, sowie die stets tiefe Arbeitslosigkeit. Historisch gesehen kannte der Kanton bis auf ein paar wenige Ausnahmen keine grossen Firmen. Schwyz war immer kleingliedrig. 94 Prozent der Firmen im Kanton haben eine Mitarbeiterzahl, die zwischen eins und zehn liegt. Entsprechend flexibel können diese Firmen auf ein sich veränderndes Umfeld reagieren. Dies ist mit ein Grund für die tiefe Arbeitslosigkeit im Kanton Schwyz. Doch immer besass der Kanton ein paar Perlen, die international ausstrahlten: Victorinox zum Beispiel, Kühne & Nagel, Estée Lauder, Schuler Weine, Kakaoveredler Felchlin, die Garaventa oder OC Oerlikon. Ein weiterer Punkt ist sicher speziell: Der Kanton nahm grosse Steuererträge stets von Personen ein, die ausserhalb seiner Grenzen arbeiteten.

Woher rührt das?

Seit jeher kennen wir Pendler, die in anderen Kantonen arbeiten und meist höhere Einkommen generieren als Einheimische. Heute verzeichnen wir ungefähr 30 000 bis 35 000 Pendler, die zur Arbeit wegpendeln. Ein Phänomen fällt da besonders auf: Wenn immer sich in Zürich Weltkonzerne ansiedeln, ist die Wahrscheinlichkeit gross, dass es Teile der neuen Direktionsetage in unseren Kanton zieht.

Sie sprechen hier im Besonderen die Region Höfe und March an?

Ja. Aber inzwischen sind auch weitere Regionen des Kantons Anziehungspunkte. Küssnacht am Rigi oder Einsiedeln zum Beispiel.

Gemäss Statistiken besitzt Schwyz wenig exportorientierte Unternehmungen. Sehen Sie darin eine Gefahr?

Wer sich auf einen derartig kleinen Binnenmarkt verlässt, ist sehr begrenzt in seinen Wachstumschancen. Wir haben tatsächlich wenige Unternehmen, welche direkt und in hohem Mass exportabhängig sind. Hinzu kommen einige Headquarters von internationalen Firmen. Aufgrund einer breiten gewerblichen Struktur agieren unsere KMU primär im Schweizer Binnenmarkt. Mittelständige Unternehmen in unserem Kanton sind aber oftmals Zulieferer für exportorientierte grössere Unternehmen. Das ist der Grund, weshalb wir im Kanton die Schwankungen des Frankens ebenfalls spüren. Wenn er zulegt, kriegen unsere Zulieferfirmen ebenfalls Probleme.

Wer die letzten zwanzig Jahre der Schweizer Wirtschaft anschaut, dem fällt auf, dass schnelles Firmenwachstum vor allem dort zustande kam, wo internationaler Export stattfand. Helfen Sie als kantonale Verwaltung den Schwyzer Firmen, internationale Schritte zu wagen?

Ich stelle fest, dass Schwyzer Firmen in den letzten Jahren oftmals eine Grösse erreicht haben, die ihnen den Schritt ins Ausland erlauben würde. KMU benötigen aber Support, damit sie diesen Schritt vollziehen können. Wir versuchen zu helfen, indem wir die Verbindungen zu Know-how-Trägern schaffen, zu unseren Fachhochschulen und zur ETH in Zürich, zu den Handelskammern sowie zur Schweizer Exportförderagentur Switzerland Global Enterprise. Dieses Netzwerk pflegen wir intensiv. Immer mehr Firmen nehmen diesen Support in Anspruch. Zusätzlich versuchen wir mit einer gezielten Ansiedlungspolitik, interessante Firmen nach Schwyz zu bringen. Sie müssen allerdings in unsere Strukturen passen, diese möglichst ergänzen und weiterbringen. Das wäre die Ideallösung.

Können Sie das an einem Beispiel veranschaulichen?

Nehmen Sie unseren Health-Tech-Cluster, den wir ins Leben gerufen haben. Wir wollten unsere Firmen durch Vernetzung im nationalen und internationalen Umfeld stärken und Innovation durch Austausch fördern. Nun stellen wir fest, dass dieses Netzwerk zu spielen beginnt und bereits mehr als 110 Firmen dem Cluster angehören. Auch der Finanzcluster im äusseren Kantonsteil wäre hier als Beispiel aufzuzählen, sitzen doch mehrere interessante Finanzinstitute mit internationaler Ausstrahlung am oberen Zürichsee.

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