THE END OF…

LINKS

 

Links stand einmal für die Emanzipation von benachteiligten Gruppen, die generelle Freiheit von Kultur, die Meinungsfreiheit, den modernen Staat und auch für die Offenheit gegenüber neuen Entwicklungen, die sogar Hochtechnologie, Internet oder Genetik umfassten. Heute steht links für das Konservieren von Lebensbio­grafien und Kulturstrukturen, für Neokolonialismus, Identitätspolitik und kalten Machterhalt sowie grösstenteils auch für die Angst vor technischem Fortschritt. Das früher laizistische, aufgeklärte Links hat sogar seine eigene Religion gefunden (Gott ist Klima, Klima ist Gott). Auch andere haben ihre Werte verraten: die Konservativen durch totalen Relativismus und indem sie dem Sublimen ein Ende setzten. Die Liberalen nahmen derweil bequeme Abkürzungen in der Wirtschaft (Monopole, Protektionismus, Kartelle) und in der Gesellschaft (heimliche Status-quo-Bewahrung).

Zum Ende von links führten zwei Grossereignisse. Zum einen hat die Urbanisierung die scheinbare Inkompatibilität von Wettbewerb und Gemeinsinn aufgelöst. In den Städten wollen heute auch die Besten viel öffentliche Güter und soziales Kapital; für viele urban Orientierte sind gleichzeitig protosozialistisches und proto­kapitalistisches Verhalten kein Widerspruch mehr. Zum anderen schwimmen alle in scheinbar endlos vorhandenem, zinslos erhältlichem, stark anwachsendem Notenbankgeld. Es hat statt Investitionen nun nach ­Anlagemöglichkeiten lechzende institutionelle und private Anleger geschaffen und so eine Art Sozialismus mit kapitalistischen Zeichen geschaffen: Firmen können kaum pleitegehen, ein jeder wird zum Opfer mit Anspruch auf Hilfe, für alles ist Geld da.

Beide Grossereignisse führten dazu, dass die Linke nicht mehr angreifen kann, sondern verteidigen muss. Und hier macht sie die gleichen Fehler wie alle anderen vor ihr. Es bleibt die interessante Frage, wer in Zukunft eigentlich revolutionär, kämpferisch, gerecht ist. Die neuen Rechten sind es entgegen ihrer Hoffnung ­sicher nicht. Eher wird es ein lakonischer Kapitalismus sein, der die Ideale der Linken weiterführt: ewige Emanzipation einfach der Wertschöpfung und satter Profite wegen. Und das ist gut so.

«MONAT für MONAT
eine sinnvolle Investition.»
Heinz Zimmermann, Professor für Finanzmarktökonomie,
über den «Schweizer Monat»