Thomas Sevcik, zvg.

The End of…
Landwirtschaft

Was früher die Zigarettenwerbung war, ist heute die Werbung für nationale landwirtschaftliche Produkte wie Fleisch, Milch oder Gemüse: Ein Nichtprodukt mit Nichtaussage muss werbewirksam umgesetzt werden. Die Zigarettenmarken versuchten dies mittels künstlicher Welten (die lustige Camel-Welt, das sehnsüchtige Marlboro Country, das trendy Pari­sienne-Leben). Die nationalen Landwirtschaftskampagnen setzen auf hübsche Boys, Girls und Cows. Wieso Schweizer Fleisch oder deutsche Butter aber besser und teurer ist, kann irgendwie nicht erklärt werden.

Dies ist nur ein sichtbarer Teil des Problems der Landwirtschaft. Andere sind gravierender: Die Landwirtschaft ist grösstenteils für den enormen weltweiten Wasserverbrauch verantwortlich. Sie hat gleichzeitig einen riesigen Flächenbedarf, der in vielen Klimazonen mehrere Monate im Jahr unproduktiv ist. Die kommerzielle Struktur ist vorwiegend kleinteilig. Diese Kleinteiligkeit ist in Hightech oder Kreativindustrie durchaus von Vorteil, da sie Agilität und Innovationskraft begünstigt. In der Landwirtschaft aber bringt dies, ausser in Spezialbereichen, ein riesiges Effizienzproblem.

Und nun kommt der Ruf nach Autarkie, nach Resilienz und einem hohen Selbstversorgungsgrad bei der Ernährung. Erste Stimmen fordern eine Anbauschlacht. Eine Anbauschlacht wäre jederzeit möglich, nur anders, als die Bauern es meinen. Der «Tesla»-Moment der Landwirtschaft heisst nun Vertical Farming (hocheffiziente Hightech-Produktion von Gemüse oder Beeren in Industriehallen oder in leeren Bürogebäuden), Aquaponics (Fischzuchtkreislauf in Hallen oder in ehemaligen Parkhäusern), Seafood-Farmen in stillgelegten Brachen oder in Alpentälern.

Wenn der Fleischkonsum sowieso zurückgefahren wird und Milch auch vegan hergestellt werden kann, wird auch die klassische Tier- und Milchlandwirtschaft unter Druck kommen. Denn dieses viele Land kann intelligenter genutzt werden: Eine Aufforstung würde CO2 absorbieren, eine Urbanisierung neues Bevölkerungs- und Wirtschaftswachstum ermöglichen, eine Verparkisierung neue Erholungs- und Schutzzonen schaffen für immer grösser werdende Metropolregionen. Und die vielen, teilweise völlig irrationalen Subventionen wären endlich allesamt Vergangenheit.

«Kurvt unentwegt jenseits
der Staatsgläubigkeit.»
Beat Kappeler, Ökonom und Publizist,
über den «Schweizer Monat»