The End of…  Velostadt
Thomas Sevcik, zvg.

The End of…
Velostadt

Das Velo wird sich in den Städten nicht durchsetzen. Zumindest nicht, wenn man sie so nimmt, wie sie gewachsen sind – meist über ihre eigentlichen Gemeindegrenzen hinaus. Die von Stadt­bewohnern wahrgenommene Realität ist inzwischen eine ganz andere als das, was von den historisch entstandenen Verwaltungseinheiten definiert wird.

Velofahren ist gesund, umweltfreundlich und platzsparend. Das Velo ­ersetzt kurze Autofahrten, aber auch kurze Fahrten mit dem Bus oder Tram. In Kombination mit funktionierenden öffentlichen Verkehrsbetrieben hilft es, das Auto aus der Innenstadt hinauszudrängen, was nüchtern betrachtet sinnvoll ist: Das Privatauto braucht zu viel Platz und ist nicht gemacht für europäische Innenstädte – wir alle wissen es.

Dennoch wird Velofahren ein Verkehrsmittel der Kernstadt bleiben. In Zürich beispielsweise haben diejenigen Stadtkreise, die schnell mit dem Velo erreichbar sind, zusammen rund 250 000 Einwohner. Das zusammenhängende Stadtgebiet der eigentlichen «Stadt» Zürich, der Hauptkern der Agglomeration, hat aber deren 760 000. In der Agglomeration, also der ­Stadtlandschaft namens Zürich, leben sogar 1,3 Millionen Einwohner. Durch den Bau von Veloautobahnen kann die Erreichbarkeit in der Velowelt Zürich sicherlich noch verbessert werden – aber eben nicht so, dass die Mehrheit der Stadtbewohner im Velo eine wirkliche Mobilitätsalternative sieht. Das ist auch am immer wieder genannten Vorbild Kopenhagen ­abzulesen: Zwar ist die Autodichte in der Kopenhagener Kernstadt auch wegen des Velos sehr tief. Doch im kompletten Stadtraum erreicht ­Kopenhagen eine klassisch hohe Autodichte; sie ist sogar die höchste in ganz Dänemark.

Das Velo wird also ein klientelpolitisch gefördertes Verkehrsmittel für eine überschaubare Zahl von Bewohnern von europäischen Kernstädten bleiben. Das wiederum heisst, dass es als Klimaschutzaktion kaum relevant ist. Was wäre relevanter? Dass zum Beispiel die Zürcher ihren komfortablen Wohnraum von fast 40 Quadratmetern pro Person auf den europäischen Durchschnitt von etwas über 30 Quadratmetern zurückschrauben würden. Doch das wäre natürlich zu viel verlangt und zu unbequem.

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