Thomas Sevcik, zvg.

THE END OF…

Downtown Switzerland.

 

Wenn sich der «Stadt-Land-Graben» weiter vertieft, wenn Fakten im «postfaktischen Zeitalter» noch stärker entwertet werden und wenn die Staatsquote der Schweiz weiter anwächst, dann wird Zürich keinen Sinn mehr sehen in einer Mitgliedschaft innerhalb einer stagnierenden Eidgenossenschaft, einer Schweiz voller staatsnaher Betriebe, Wissenschaftsskeptikern und Wenigverdienern. Der Kanton, der bereits heute ein Bruttosozialprodukt hat wie Ungarn beziehungsweise doppelt so viel wie Luxemburg und damit alleine ein Fünftel der Schweiz erwirtschaftet, könnte sich dann aus der Eidgenossenschaft verabschieden.

Denn ärmere, national-konservative Landesteile werden dann bald – ähnlich wie bereits in den USA von Vordenkern vorgeschlagen – eine Art Servicegebühr für ihre patriotische, werteverteidigende Stagnation im Sinne des Zusammenhalts des Nationalstaates verlangen. Da die Schweiz eine Willensnation ehemaliger Stadtstaaten ist, kann dieser Wille im Falle Zürichs auch in die andere Richtung gehen. Als Stadtstaat wäre Zürich aber Teil eines globalen Trends: Künftig werden weltweit immer mehr Stadtstaaten entstehen – de facto oder auch de jure. Das wirtschaftlich-kulturell-mediale Powerplay der Metropolen ist zu stark, als dass sie die Gravitation der Nationalstaaten noch halten könnte.

Eine solche Loslösung könnte nach dem Prinzip der «harmonischen Scheidung» von Tschechischer Repu­blik und Slowakei von 1992 funktionieren. Mit einer grünen Grenze für Pendler gleichen technischen Standards und mit vielen kulturellen Brücken. Zürich bezahlt keinen Finanzausgleich und keine direkte Bundessteuer mehr, redimensioniert den Flughafen und andere Infrastrukturen vornehmlich auf eigene Bedürfnisse und finanziert auch die «ausländische» SRG nicht mehr. Der Stadtstaatmarkt Zürich ist interessant genug für private Medien.

Das linke Zürichseeufer ab Höhe Bleicherweg («Parkside») wird zum Niedrigsteuergebiet und übernimmt so die besten Steuerzahler und die lukrativsten Hauptsitze aus dem Kanton Zug. Schöner Nebeneffekt des «Zurexits»: Da der Kanton tendenziell liberaler als die Stadt ist, könnte so elegant die Übermacht von Rot-Grün und mit ihr die vielen Fantasieprojekte in der Stadt Zürich gestoppt werden: Geld für solche Dinge ist in einem Stadtstaat Zürich dann einfach nicht mehr da. Mit dem «Zurexit» wird der Kanton Zürich noch fitter für die Globalisierung – und der Rest der Schweiz kann sich voll auf den Alpweidentourismus und die Kuhglockenidentität konzentrieren.

«Unverzichtbare Lektüre:
eine intellektuelle Zündkerze, die das
Weiterdenken in Gang bringt.»
Wolf Lotter, Autor und Mitgründer von «brand eins»,
über den «Schweizer Monat»