Tempo, Tempo, Tempo

Der CEO der Kantonalbank in Schwyz ist ein geradliniger Mensch. Bei einem Treffen beweist er dies und redet nicht um die Herausforderungen des Kantons herum: Eine Sanierung der Finanzen, bessere Infrastrukturen, aber auch rasche Entscheidungen fordert er ein.

Schweizer Monat: Lassen Sie uns mit einer Behauptung einsteigen: Als CEO der Kantonalbank müssen Sie die Finanzen des Kantons von Berufes wegen brennend interessieren. Noch spannender aber finden Sie die Steuerentwicklung als Privatperson, die im Kanton lebt. Richtig?

Peter Hilfiker: Falsch. Natürlich bin ich Steuerzahler in Brunnen und von daher persönlich interessiert. Wer bezahlt schon gerne Steuern? Der Steuerfuss ist in dieser Gemeinde nicht der tiefste im Kanton. Aber das macht mir wenig Sorge, vielmehr kümmert mich die Finanzlage des Kantons Schwyz als Ganzes, zunächst wegen der Schwyzer Kantonalbank.

Wie schätzen Sie sie ein?

Die Finanzlage des Kantons hat direkte Auswirkungen auf unsere Bank. Unser Rating hängt davon ab. Für den Kanton Schwyz gilt heute noch die Bewertung AAA, jedoch mit einem negativen Ausblick. Dieser rührt aus der momentanen finanziellen Situation. Vor einem Jahr besass unsere Bank ein AAA, musste danach aber eine Abwertung um eine Einheit in Kauf nehmen, weil die Ratingagentur Standard & Poor’s aufgrund der in den letzten Jahren gestiegenen Immobilienpreise die wirtschaftlichen Risiken der Schweizer Banken leicht höher einschätzt. Als Kantonalbank weisen wir heute ein AA+ aus, dies als eine der wenigen im Land. Wenn der negative Ausblick für den Kanton nun zu einer Abwertung führen würde, so würden wir als Kantonalbank auf AA fallen. Das wiederum hätte direkte Konsequenzen für unsere Refinanzierungskosten, die steigen würden.

Wie viel teurer würde die Refinanzierung für Ihre Bank?

Die Refinanzierung würde uns pro Jahr je nach Marktsituation Mehrkosten im Millionenbereich verursachen. Das wäre sub-stantiell.

Wie viel Prozent teurer wären die Refinanzierungskosten?

Je nach Refinanzierungsinstrument und Laufzeit aktuell 10 bis 15 Prozent. Sie sehen, weshalb mir der Kanton Schwyz als Finanzvehikel Sorgen bereitet. Wenn wir nicht in ein anderes Fahrwasser finden und sich die Spirale der Erträge des Kantons weiter nach unten dreht, dann hat dies auch Auswirkungen auf die Schwyzer Kantonalbank.

Bitte beschreiben Sie uns Ihre Sicht auf die Finanzen im Kanton Schwyz.

Ich mache zwei Phänomene aus: Wenn wir nur das Bruttoinlandsprodukt betrachten, dann sehen wir, dass Schwyz inzwischen der viertschlechtest positionierte Kanton ist. Tendenz negativ. Nun soll man sich davon aber nicht verrückt machen lassen, denn das Bruttoinlandsprodukt bildet die Stärke nicht korrekt ab. Sehr viele Menschen leben zwar in diesem Kanton, arbeiten aber ausserhalb. Sie exportieren das Bruttosozialprodukt. Betrachten wir das Sozialprodukt, so sehen wir den Kanton viel besser dastehen.

Warum machen Sie sich also Sorgen? Ist doch alles im Lot.

Nein, ist es nicht. Der zentrale Mangel des Kantons ist, dass wir hier selber viel zu wenige Arbeitsplätze verzeichnen. Wir zählen zwar enorm viele qualifizierte Leute, aber zahlreiche arbeiten ausserhalb des Kantons.

Wie lautet das zweite Phänomen?

Der Kanton hat ein hohes Ressourcenpotential mit vielen Arbeitskräften und sehr vielen vermögenden Leuten. Dieses Ungleichgewicht macht nachdenklich. Man muss überdies festhalten, dass der Kanton Schwyz heute noch immer finanzstark ist – wir hätten sonst eine andere Belastung durch den Nationalen Finanzausgleich, NFA. Die Steigerung des NFA ist das Resultat der allozierten Vermögen und der Einkommen.

Das heisst, wir haben es mit einem wahrlichen Krankheitsbild zu tun, einer sogenannten «Schwyz Disease».

(lacht) Die da wäre?

Hohe Vermögen treffen auf eine Niedrigsteuerpolitik und gleichzeitig auf viel zu tiefe Wertschöpfung innerhalb des eigenen Kantons.

Das ist absolut korrekt zusammengefasst.

Die Folgen werden vielfältig sein. Unter anderem muss der Kanton viel zu viel Pendlerinfrastruktur bereitstellen, als eigentlich sinnvoll ist.

Der Denkansatz stimmt. Die Frage ist, wie viel Infrastruktur im Bereich Verkehr nötig und richtig ist. Abgesehen davon muss man festhalten, dass sich der Kanton mit dem Bereitstellen jeglicher Infrastruktur schwer tut. Bis man eine Erschliessung vornehmen kann, bis in Ausserschwyz die Verkehrsproblematik gelöst ist, vergeht eine Ewigkeit. Es ist…