Technologieverbote retten das Klima nicht

Um die Erderwärmung einzudämmen, müssen CO2-Emissionen endlich ein Preisschild bekommen. Staatliche Vorgaben, welche Energieversorgung «richtig» und welche «falsch» ist, verhindern die Lösung des Problems.

 

Es herrscht Ruhe um das Klima. Sie ist trügerisch. Sie wird zu Ende gehen, sobald sich die Aufregung um das Coronavirus gelegt haben wird. Dann wird es wieder Demonstrationen geben und Schulstreiks. Die EU wird ihren «Green Deal» wieder propagieren und die Grünen und Roten den Umbau der Gesellschaft verlangen.

Was ist eigentlich dran an der Bedrohung durch das Klima? Müssen wir wirklich in Panik verfallen? Oder ist es am Ende doch nur ein Trick linker Etatisten, mit dem sie den Kapitalismus «überwinden» wollen? Letztere Meinung ist gerade in liberalen Kreisen weit verbreitet. Das ist verständlich, denn letzten Endes ist das Klimaproblem ein Marktversagen, und das ist schwer zu akzeptieren. Es ist ein Marktversagen, weil die Kosten weit in der Zukunft liegen und unter anderem deshalb im Preis nicht abgebildet sind. Dazu kommt, dass gerade die Anhänger der Marktwirtschaft sich besonders bewusst sind, was wir den fossilen Brennstoffen Kohle, Öl und Gas zu verdanken haben, nämlich so ziemlich alles, was wir heute haben, das unsere Vorfahren vor 250 Jahren nicht hatten: Wohlstand, Gesundheit, langes Leben und jeden erdenklichen Luxus. Und jetzt sollen wir möglichst bald ohne diese Energiequelle auskommen? Ja, es ist schwer, sich mit dieser Tatsache abzufinden.

Der menschengemachte Klimawandel ist seit über hundert Jahren vorausgesagt worden. Wer jemals in einer Wüste übernachtet hat, kennt das: Weil die Luft dort sehr trocken ist, wird es in der Nacht empfindlich kalt. Die Wärme wird weitgehend ungehindert in den Weltraum abgestrahlt. Tropennächte sind warm, weil die Luft feucht ist. Der Wasserdampf in der Luft behindert die Abstrahlung, deshalb ist es wärmer. Genau so wirkt CO2. Folgende drei Fakten sind unbestritten:

  1. Der CO2-Gehalt der Atmosphäre nimmt zu.
  2. Das zusätzliche CO2 (bis heute 32 Prozent Zunahme seit dem ­Beginn der Industrialisierung!) stammt vorwiegend aus der Verbrennung von fossilen Brennstoffen.
  3. Mehr CO2 führt zu einer Erwärmung.

Hier beginnen die Kontroversen. Wie viel wärmer wird es und wie schnell? Was würde zum Beispiel eine Verdoppelung des CO2-Gehalts der Atmosphäre bewirken? Weil wir keine zweite Erde haben, mit der wir vergleichen könnten, sind wir auf Modellrechnungen angewiesen, und Modelle sind immer unvollkommen. Die Resultate von Dutzenden von Berechnungen streuen zwischen 1,5 und 4,5 Grad, allerdings mit einer deutlichen Häufung bei 3 Grad.

Aber ist denn eine Verdoppelung überhaupt möglich? Ja, sie ist nicht nur möglich, sie ist wohl unabwendbar. Vor dem Industriezeitalter enthielt die Luft 280 Millionstel CO2. Der heutige Wert beträgt 415 Millionstel. Jedes Jahr kommen 2,5 bis 3 Millionstel dazu. Von einer Verdoppelung auf 560 Millionstel sind wir also höchstens ein paar Jahrzehnte weg. Aber man hat sich ja an der Klimakonferenz in Paris 2015 versprochen, unter 2 Grad Erwärmung zu bleiben. Es eilt also.

Rückkehr in die Vormoderne?

Allerdings hat niemand gesagt, was denn genau zu tun sei. Das Problem hat prinzipiell zwei mögliche Lösungen: Entweder verzichten wir auf die Nutzung fossiler Brennstoffe und versuchen, ohne diese Energie auszukommen, oder wir ersetzen sie durch eine andere Energiequelle.

Wenn man Klimaaktivisten zuhört, könnte man meinen, die erste Lösung biete überhaupt keine Probleme. Man muss ja nicht fliegen, Fleisch ist ohnehin ungesund und Radfahren produziert kein CO2. Sie haben die Grösse, das beängstigende Ausmass des Problems nicht verstanden. So verursachte der gesamte Luftverkehr vor Corona gerade mal 2,8 Prozent der weltweiten CO2-Emissionen. Ein Verzicht auf fossile Brennstoffe heisst nichts anderes als Rückkehr in die Vormoderne. Bloss dass wir mit den Methoden der Vormoderne nicht knapp eine Milliarde Menschen zu ernähren hätten, sondern bald deren acht.

Es ist schon erstaunlich, wie leichthin gestandene Politiker und (besonders) Politikerinnen mit solchen apokalyptischen Gedanken spielen. Man könnte meinen, die Industrie, die Gewerbler und Dienstleister würden Öl…

«Der Entkalker fürs Hirn:
Nicht links, nicht rechts –
einfach intelligent!»
Dominik Imseng,
Managing Partner bei smartcut consulting,
über den «Schweizer Monat»