Tag der Dachse

«Tag der Dachse» wurde im Mai 2008 im Theater Winkelwiese in Zürich unter der Regie von Antje Thoms uraufgeführt. Der erste Akt des dreiaktigen Dramas ist im folgenden abgedruckt.

Die Personen

Heinrich der Grosse

Eugen oder Benz

Hänsel und etwas

Pianissimo

Die tote Frau

1. Akt

Eine kleine Anzahl Schränke oder Schächte

Keine Sargformen

Ein Schrank liegt geöffnet auf dem Boden

Heinrich der Grosse steht am offenen Schrank in dem unsichtbar die tote Frau liegt

Heinrich allmählich

Tja Tja nicht wahr

Was man noch

Nein also

Was weiss ich wüsste

Oder hätte können

Alles damals

Was hätte das

Ha ja

Wollte ich doch

Und wie das war

Da wollte ich tatsächlich

Das hätte

Nein

Und bis jetzt ohne

Obwohl gereift

Gereift wie durch Pilz

Und beinahe

Aber wann

Tja ha

Wenn nur einmal bald

Zum etwas

Vielleicht sagen

Ich weiss das nicht auswendig

Nichts kommt mir in den Sinn

Nicht einmal Körperteile

Nicht einmal Zahnfleisch

Vielleicht bin ich eine Zauberlaterne

Vielleicht kann man mich reiben

Vielleicht kommt dann ein Geist aus meinem Mund

Heinrich reibt sich

Aus seinem Mund kommt der Geist und steigt übergross auf

Tatsächlich

Mein Geist ist jetzt herausgekommen

Sprich Geist

Der Geist spricht

Hallo

Jetzt mach’ ich dich fertig

Zu spät

Ende

Totschlag

Haaaah

Strikt jetzt zu Ende Leben

deines und deines und deines

Heinrich ersticht den Geist mit dem Küchenmesser

Das geht so nicht

Das überfordert mich

Wie soll ich hier sein

Und nicht verzweifeln

Kratzgeräusche

Heinrich Endlich

Jemand kommt

Jemand Zusätzliches

Von mir aus können Sie

Stille

Heinrich Ich weiss dass Sie hier sind

Kratzgeräusche

Heinrich Ich habe Sie gehört

Stille

Pianissimo kriecht ein Haarbreit hervor

Heinrich Und gesehen

Pianissimo kriecht ganz hervor

Kommt näher

Heinrich Hallo

Pianissimo gibt Heinrich eine Ohrfeige

Oh

Entschuldigung

Heinrich Ja bitte

Pianissimo Das wollte ich nicht

Ich verwechsle das Hallosagen mit der

Ohrfeige

Heinrich Ja natürlich

Pianissimo Soll ich noch einmal die Begrüssung

Heinrich Nein danke

Mir reicht schon dass Sie endlich hier sind

Pianissimo Ja ausgerechnet

Eben war ich noch

Woanders

Heinrich Woanders

Sie schleichen schon seit Stunden hier herum

Pianissimo Wie

Ach so

Nein das ist Zufall

Ich bin zufällig

Und da dachte ich

Heinrich So so

Pianissimo Ja

Schöner Friedhof

Das heisst

Falls das überhaupt ein Friedhof

Und nicht was anderes

Ein Zuhause

Heinrich Machen Sie das oft

Pianissimo Was

Heinrich Schleichen Sie oft zufällig auf Friedhöfen

stundenlang um eine Stelle

Pianissimo Ich

Nein

Nie

Das heisst

Doch

Schon

Wenn auch nicht ständig

So doch öfters

Aber auch was man öfters tut

Muss man irgendwann beginnen

Insofern könnte es das erste Mal

Nein so mein’ ich’s auch nicht

Eigentlich weiss ich gar nicht

Heinrich Man kann hier auch schweigen

Pianissimo Was

Heinrich Psst

Pianissimo Aber sagen Sie

Wenn ich noch etwas

Nur ganz kurz

Heinrich Ja reden Sie

Es ist besser

Stille

Pianissimo Wo war ich

Ah ja

Fragen dürfte

Heinrich Nein

Pianissimo Entschuldigung

Heinrich Die Antwort auf ihre Frage

Ist Nein

Pianissimo Wie

Wie wollen Sie wissen

Heinrich Sie wollen wissen ob ich weiss wer hier

gestorben ist

Pianissimo Ja das stimmt

Das stimmt bis auf den Wortlaut

Aber

Heinrich Man sieht es ihnen an

Pianissimo Aha

Und die Antwort ist Nein

Heinrich Ja

Pianissimo Und

Die Feier

Ist die

Ich meine war die schon

Heinrich Nein

Hier war keine Feier

Nicht bis jetzt

Aber bestimmt kommen bald die wie

sagt man

Pianissimo Die Angehörigen

Heinrich Ja die

So stell ich mir vor

Und dann

Pianissimo Wird wohl auch die Feier

Heinrich Genau

Früher oder später kommen immer die

Angehörigen

Wenn es welche hat

Pianissimo Ganz meine Meinung

Warten wir einfach

Heinrich Ja warten wir

Sie warten

Heinrich Ich weiss es ist eine Frau

Pianissimo Das weiss ich auch

Das wusste ich gleich als ich hinzutrat

Heinrich Ich wusste es auch kaum…

«Ein Sprudelbad fürs Hirn!»
Monique Bär, Philanthropin und Gründerin der Arcas Foundation,
 über den «Schweizer Monat»