Strategierat 21: Vorschläge und Vorgehen

Die Idee eines zivilen Strategierats für die Schweiz ist in Jobst Wagner lange gereift. Seine Vorschläge hat der Berner Unternehmer in der letzten Ausgabe dieses Magazins präsentiert. Letztlich geht es um die Beantwortung zweier simpler Fragen: Was ist die Schweiz heute? Und was will und könnte sie morgen sein? Wagner hat an die Akteure der […]

Die Idee eines zivilen Strategierats für die Schweiz ist in Jobst Wagner lange gereift. Seine Vorschläge hat der Berner Unternehmer in der letzten Ausgabe dieses Magazins präsentiert. Letztlich geht es um die Beantwortung zweier simpler Fragen:

Was ist die Schweiz heute?

Und was will und könnte sie morgen sein?

Wagner hat an die Akteure der helvetischen Zivilgesellschaft appelliert, sich mit der Zukunft des Landes zu befassen, nicht nach dem Prinzip Chaos, sondern im geordneten Rahmen von Arbeitsgruppen mit den Schwerpunkten Institutionen, Bildung, Energie, Finanzplatz, Handel, Demographie, Sicherheit.

Die zahlreichen Rückmeldungen von Lesern und Bürgern zeigen, dass die zunehmende Diskrepanz zwischen erreichten Erfolgspositionen und künftigen Herausforderungen offensichtlich Anlass zu breiter Sorge ist. Unter den Absendern befinden sich bekannte und unbekannte engagierte Bürger, unter anderen Ständeratspräsident Hans Altherr, NZZ-Chefredaktor Markus Spillmann («Hier werden bei mir offene Türen eingerannt»), die Ökonomen Reiner Eichenberger («Bin mit einigem einverstanden, mit anderem gar nicht») und Gerhard Schwarz, foraus-Präsident Nicola Forster («Zweifellos ein guter Ansatz, das ewige Sich-im-Kreise-Drehen der etablierten Player zu durchbrechen!»), der frühere Armeekommandant Ulrich Zwygart («Ihre Initiative ist nötig, der Strategierat 21 eine ausgezeichnete Idee»), Unternehmer, Berater und selbständig Erwerbende.

Die Verfasser sind sich in der Analyse weitgehend einig: Die Schweiz steht zwar im europäischen Vergleich in puncto Staatsverschuldung, Arbeitsmarkt, Wohlstand und sozialer Kohäsion noch relativ gut da; immer klarer zeichnet sich jedoch ab, dass der hiesige Wohlstand vielerorts und zunehmend als gegeben verstanden wird, gerade so, als sei die Schweiz auf lange Sicht eine sichere Insel der Seligen. Dies ist indes, auch das bestätigen die Zuschriften, keineswegs der Fall. Die Taktik der reinen Reaktivität stösst langsam, aber sicher an ihre Grenzen. Dies lässt sich, wie ich finde, an der Evolution des Finanzplatzes Schweiz beispielhaft studieren. Wurde das Bankgeheimnis nicht nur von freisinnigen Bundesräten noch vor ein paar Jahren mit Klauen und Zähnen verbal verteidigt, wurde es de facto längst still begraben, bald übrigens auch für Schweizer Bürger; Kunden von Schweizer Banken wurden rückwirkend kriminalisiert; der Bundesrat hat ohne Not Notrecht angewandt; einzelne Banken liefern ihre Mitarbeiter ans Messer ausländischer Strafbehörden, um ihre Haut zu retten; eine grosse Entlassungswelle im Finanzsektor rollt auf uns zu; der Bund schaut dem Treiben interessiert zu; die Medien wettern derweil gegen die bösen Abzocker, und die ausländischen Steuer- und Strafbehörden lachen sich ins Fäustchen.

Wer so handelt, bewegt sich trotz rauher werdendem Gegenwind weiterhin in der Komfortzone. Wer die Entwicklungen der europäischen Umwelt aufmerksam verfolgt, weiss ausserdem, dass Reformen auch zu spät kommen können. Was bleibt, ist Komfort in Kombination mit einer realistischen Optik auf die Welt da draussen – dies ermöglicht die notwendige mentale Offenheit der Bürger für neue Ideen und Reformen. Der Strategierat müsste sich dieses Zeitfenster zunutze machen, wenn er Aussicht auf Erfolg haben will.

Dabei ist klar: ein solcher ziviler Strategierat darf weder zu einer abgehobenen Veranstaltung werden noch darf er sich in seinem Ziel beirren lassen, umsetzbare Lösungen für künftige Probleme zu erarbeiten. Der Strategierat bedarf deshalb einer breiten zivilgesellschaftlichen Verankerung und muss sich zu einer transparenten Informationspolitik verpflichten. Es wird zwar im stillen gearbeitet, aber offen kommuniziert.

Viele herausragende Persönlichkeiten haben sich bereits gemeldet und bereit erklärt, Zeit, Energie und Ideen in den Strategierat 21 zu investieren. Jobst Wagner und wir suchen nun das Gespräch mit ihnen und halten Sie, liebe Leser und Bürger, in den kommenden Ausgaben auf dem laufenden. Wir möchten Sie hiermit ermuntern, sofern Sie es nicht schon getan haben: Melden Sie sich, arbeiten Sie ebenfalls mit! Denn eines ist sicher: Fortsetzung folgt.

www.schweizermonat.ch/artikel/strategierat-21

strategierat21@schweizermonat.ch

«Ein Sprudelbad fürs Hirn!»
Monique Bär, Philanthropin und Gründerin der Arcas Foundation,
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