Stimmen zur Schuldenkrise

Exklusiv online: die Eskalationsspirale im Spiegel des «Schweizer Monats»

«Die Staatsschulden haben eine Höhe, die Defizite eine Kadenz, die Zinsen ein Mass erreicht, was durch kein Wachstum der Volkswirtschaften mehr eingeholt, finanziert oder gar abbezahlt werden könnte. Die Zinseszinsreihen von Wachstum und Verschuldung laufen in mathematischer Stringenz auseinander, die Schulden schneller, die Volkswirtschaften langsamer. Rechnet man auch die riesigen Fälligkeiten aus den Rentensystemen zugunsten der Baby-Boomer-Jahrgänge ein, dann sind praktisch alle westlichen Staaten bankrott.»

 

«Politiker haben sich seit Beginn der Währungsunion über die ökonomische Wirklichkeit hinweggesetzt. Das währungspolitische Desaster wäre uns erspart geblieben, wenn die Mitgliedstaaten ihre nationalen Währungen behalten hätten und das Wechselkursventil unterschiedliche nationale Politiken ausbalanciert hätte oder wenn die Währungsunion mit Ländern begonnen hätte, die tatsächlich und nachprüfbar dafür qualifiziert waren. Jetzt verwandelt sich eine als Stabilitätsgemeinschaft ausgelobte und angepriesene Währungsunion in eine Haftungs- und Schuldengemeinschaft mit all den damit verbundenen inflatorischen Gefahren. Das ist die ökonomische und soziale Konsequenz des Primats der Politik.»

 

«Es bleibt spannend zu beobachten, wer in der Europäischen Union und in den Vereinigten Staaten die Kosten der Verschuldung tragen wird – die Steuerzahler durch eine Beschneidung ihres verfügbaren Einkommens, die kommenden Generationen im Falle einer revolvierenden Schuld, die Gläubiger im Falle eines ordentlichen Staatsbankrotts oder die Geldeinkommenssparer allgemein im Falle einer Inflation. Nur eines scheint unwahrscheinlich: dass wir auf mysteriöse Weise mit einem blauen Auge davonkommen werden.»

 

«Die Flutung der Wirtschaft mit Geld ist eines der grössten Probleme unserer Zeit. Warum sind Märkte eine gute Institution? Weil in ihnen der Preismechanismus spielt. Preise von Gütern enthalten Informationen über deren gegenwärtige oder künftige Knappheit. Wenn Sie nun nicht genau wissen, wie viel Geld eigentlich im Umlauf ist, sind die Preise der Assets verzerrt. Sie können Information von Desinformation nicht mehr unterscheiden. Es bilden sich also Blasen, weil die vorhandene Liquidität irgendwohin fliessen muss. Die Wirtschaft wird volatil. Die Bust- und Boomphasen werden immer krasser.»

 

«Die Ursache der beklagten ‹internationalen Kreditkrise› liegt nicht im Kapitalismus, sondern im staatlichen Kredit- und Geldsystem. Mit einer chronischen Niedrigzinspolitik haben die staatlichen Zentralbanken, von der Politik animiert, über die letzten Jahrzehnte für ein gewaltiges Auftürmen von Kredit- und Geldmengen gesorgt. Schon vage Anzeichen einer nahenden ‹Bereinigungsrezession› haben sie mit noch mehr Kredit und Geld und noch niedrigeren Zinsen ‹bekämpft›. Im Zeitablauf wurde die sich so entwickelnde immense Verschuldungspyramide mittlerweile zur weltweiten Massenüberschuldung.»

 

«Die Ausweitung der ungedeckten Geldmenge ist entgegen dem ökonomischen Mainstream nicht imstande, den materiellen Wohlstand nachhaltig zu mehren. Die Inflationierung erhöht bloss das allgemeine Preisniveau, belässt die Grösse des zu verteilenden Kuchens jedoch unverändert. Da die neu geschöpfte Geldmenge nicht gleichmässig und anteilig an alle Geldbesitzer verteilt wird, hat die inflationäre Bereitstellung zusätzlicher Geld- und Kredittitel die Umverteilung des bestehenden Kuchens zur Folge. Je weiter vorne in der Geldzuteilungskette sich eine Person befindet, desto grösser ist ihr Einkommen, das sie vergleichsweise risikolos erhält.»

 

«Worin sind die Ursachen dieser Schuldenorgie zu suchen? Die Verschuldung ist eine relativ unkomplizierte Methode der Politik, um an mehr Geld heranzukommen und somit die laufenden Ausgaben zu erhöhen – was sich wiederum in Stimmen bei der nächsten Wahl niederschlagen könnte. Der Wunsch, immer mehr Geld auszugeben, ist bei Regierungen recht stark verankert, da sie nicht selber die notwendigen Mittel aufbringen müssen. (…) Der Reiz der Verschuldung tritt vor allem dann zutage, wenn wir sie mit ihrer natürlichen Alternative vergleichen – der Besteuerung. Mit einer Erhöhung der Steuern und Abgaben verbinden sich bekanntermassen keine sehr guten Aussichten, sich beim Wahlvolk beliebt zu machen. Denn dabei wird deutlich, dass die staatlichen Ausgaben nicht nur Gewinner schaffen, sondern auch Verlierer. Den einen wird das Geld aus der Tasche gepresst, die anderen füllen sich den Beutel.»

«Ein Sprudelbad fürs Hirn!»
Monique Bär, Philanthropin und Gründerin der Arcas Foundation,
 über den «Schweizer Monat»