Stichprobenauswahl

Wie soll man eine Menge von Menschen für ein Experiment in Gruppen aufteilen?

 

Wenn man eine Stichprobe auswählt, ist es ­zentral, dass es keine versteckten Verzerrungen («Bias») gibt. Wie soll man beispielsweise in einer Vorlesung die als homogene, also als a priori ununterscheidbare Menge betrachteten Studenten für ein Experiment in zwei Gruppen einteilen? Die erste Idee: die vorderen Reihen in der einen Gruppe und die hinteren in der anderen. Das hat aber den Effekt, dass in der hinteren die Zeitungsleser massiv übervertreten sind. Die zweite Idee: jene am Rand versus jene im Innern ­der langen Bänke. Das kennt man aber von Kino, Oper und ­Theater und läuft in der Psychopathologie unter «Fluchtweg offen»-Syndrom. Es ist begleitet von teils längeren «Geh du ­zuerst rein – nein, du zuerst». Dritte Idee: auf 2 durchnummerieren: 1, 2, 1, 2, 1, 2, und dann sollen alle 1er in die eine ­Gruppe und die 2er in die andere. Da kann es aber sein, dass unbewusst abwechselnd immer zwei verträgliche Charaktere nebeneinandersitzen.

Im Militär hat man das Problem gut gelöst: Weil in einem Zug von 30 Soldaten bei der Befehlsausgabe die Männer der Grösse nach aufgereiht sind, eignet sich das Durchnummerieren auf 2 hier bestens: In beiden Gruppen hat es fast proportional ­korrekt die richtigen Anteile an Grossen und Kleinen, mit allen versteckten psychologischen Begleiterscheinungen. Bleiben wir beim Militär: Eine Anekdote – mit ungeprüftem Wahrheitsgehalt – über die Bomber der Royal Air Force im Zweiten Weltkrieg zeigt ein suboptimales Vorgehen: Dort soll man anhand der von Feindflügen über Deutschland zurückgekehrten Bomber untersucht haben, wo die Einschüsse des Gegners lagen, um gezielt die Panzerung zu verstärken. Klar: Etwas anderes blieb einem nicht übrig. Ebenso klar: Viel wichtiger wäre die Erkenntnis über die Einschussmuster jener Bomber, die nicht zurückgekehrt sind. Nicht suboptimal, sondern komplett sinnlos ist dagegen die Telefonumfrage: «Haben Sie ein Telefon?»

Die Forschung hat bei dieser auch im Alltag auftretenden ­Frage der Stichprobenwahl bzw. Gruppeneinteilung nie ein besseres Resultat hervorgebracht als das folgende: Die beste Methode, um unbekannte Verzerrungen zu vermeiden, ist die vollständig zufällige Zuteilung der Mitglieder auf die Gruppen – beispielsweise durch Ziehen einer Nummer aus einer Urne.

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Heinz Zimmermann, Professor für Finanzmarktökonomie,
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