Staatsgeld als Geschäftsmodell

Knapp 100 Millionen Franken sprach das Parlament in der Sondersession, um die Kosten für die familienergänzende Kinderbetreuung zu senken. Das klingt leider nur im ersten Moment gut. Tatsächlich führen solche «befristeten» Subventionen nicht nur zu Fehlanreizen, sondern sie lassen sich auch, einmal eingeführt, kaum mehr aufheben. Das zeigte schon die Anstossfinanzierung für Krippen, die 2003 bewilligt und seither mehrmals verlängert wurde. Sie kostete mehrere hundert Millionen Franken. Zwar wurden laut Angaben des Bundes dank ihr rund 54 000 Krippenplätze geschaffen. Doch wie steht es um deren Qualität und Kosten?

Der mit der Staatsförderung entstandene grosse Personalbedarf wird in vielen Krippen mit Praktikanten gedeckt. In Hochglanzprospekten und an Infoveranstaltungen werden berufstätige Eltern von der pädagogischen Brillanz und den flexiblen Öffnungszeiten überzeugt. Doch es sind in vielen Krippen ungelernte Arbeitskräfte, die täglich von früh bis spät präsent sind – sie putzen, kochen und betreuen die Kleinkinder, oft für weniger als Tausend Franken pro Monat und ohne Aussicht auf eine Lehrstelle. Gerade grosse Krippenunternehmen sind oft personell chronisch unterbesetzt, die Fluktuation beim oft sehr jungen Personal ist beträchtlich.

Trotz dieser Situation sind Krippenplätze für viele mittelständische Eltern unerschwinglich.

Zurück deshalb zu den neuen Subventionen: Ganz zu schweigen davon, dass damit in die Kompetenzen der Kantone eingegriffen wird, ist es einmal mehr das falsche Mittel für ein richtiges Ziel. Es gibt bessere Wege, um die Belastung der Eltern zu senken: Steuerabzüge für die effektiven Betreuungskosten sowie so angepasste Tarifstrukturen, dass mehr Eltern vergünstigte Tarife erhalten. Gerade die Eltern des Mittelstands werden abgestraft, da sie sowohl die Vollkosten tragen als auch hohe Steuern bezahlen. Kein Wunder, boomt die Nannybranche. Wer öffentliche Gelder empfängt, sollte diese ihrem gemeinnützigen Zweck widmen – und nicht das eigene Geschäftsmodell damit finanzieren.

«Die Zeitschrift für unabhängige
und selbstverantwortliche Individuen!»
Werner Kieser, Unternehmer,
über den «Schweizer Monat»