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Antoinette Wenk, zvg.

Sport treiben, Beziehungen pflegen und auf das Positive fokussieren: Mit diesen Routinen werden Sie resilienter

Unserem Wohlstand zum Trotz steigt die mentale Belastung. Dauerstress, Konflikte am Arbeitsplatz und ständige Erreichbarkeit wirken sich negativ aus. Doch es gibt Möglichkeiten, sich dagegen zu wappnen.

Wir leben in einer Epoche des Überflusses: Ob Komfort, Technik oder Wohlstand – noch nie hatten wir so viele Möglichkeiten zur Wahl. Zugleich ist unser Alltag dicht gedrängt, Reize und Anforderungen prasseln ununterbrochen auf uns ein – treffend beschrieben durch den Begriff Mental Load. Stress, einst ein überlebenswichtiges Alarmsignal für akute Gefahren, entsteht heute durch ständige Erreichbarkeit, Konflikte und Unsicherheiten. Der Körper schaltet in den Fluchtmodus; entwickelt sich das zum Dauerzustand, kann das langfristig ernsthafte körperliche und psychische Folgen haben.

Zahlen belegen die Dringlichkeit: Über 30Prozent der Erwerbstätigen fühlen sich laut Job-Stress-Index 2022 emotional erschöpft, ein Rekordwert. 23Prozent berichten von Stress am Arbeitsplatz, fünf Prozentpunkte mehr als vor zehn Jahren. Psychische Erkrankungen als Krankschreibungsgrund nehmen zu, meist ausgelöst durch Konflikte am Arbeitsplatz. Stress betrifft nicht mehr nur den Einzelnen, sondern auch Organisationen und die Gesellschaft fühlt sich gestresst.

Innere Stärke in stürmischen Zeiten

Vor diesem Hintergrund gewinnt Widerstandsfähigkeit an Bedeutung. Resilienz ist die Fähigkeit, Krisen nicht nur zu überstehen, sondern auch aus ihnen gestärkt hervorzugehen. Dabei geht es nicht nur darum, sich abzuhärten oder Herausforderungen durchzustehen. Resilienz bedeutet, Hindernisse im Weg zu überwinden oder zu umgehen, ohne Herausforderungen auszuweichen, und dabei die eigenen physischen und psychischen Grenzen zu respektieren und zu bewahren.

Resilienz entsteht nicht von selbst, sie muss wie ein Muskel bewusst trainiert, aktiviert und gepflegt werden, individuell, in Gruppen oder in Organisationen. Acht Faktoren sind entscheidend: Optimismus, Kreativität, Akzeptanz, Selbstverantwortung, Zukunftsorientierung, Achtsamkeit, Lösungsorientierung und Netzwerkorientierung. Wer diese gezielt stärkt, verbessert die Fähigkeit, Herausforderungen zu meistern – und fördert langfristig Gesundheit und Wohlbefinden.

Sich in Akzeptanz statt Resignation üben: Ein erster Schritt zu mehr Resilienz ist die bewusste Akzeptanz der eigenen Situation. Gemeint ist nicht ein passives Hinnehmen, sondern eine aktive Auseinandersetzung. Stephen Covey beschreibt dies mit dem Prinzip des «Wirkungskreises», in dem zwischen beeinflussbaren und unveränderlichen Faktoren unterschieden wird. Diese Klarheit hilft, Energie auf das zu lenken, was wir gestalten können, und stärkt die Selbstwirksamkeit.

Raus aus dem Kopf – rein in den Körper: Viele Menschen leben mehrheitlich in Gedanken; sie planen, analysieren und kontrollieren – oft auf Kosten der Körperwahrnehmung. Warnsignale wie Erschöpfung oder Anspannung werden übergangen, bis der Körper die Notbremse zieht. Dabei liegt gerade im körperlichen Ausdruck ein grosser Schlüssel zur Heilung. Bewegung oder Sport – am besten draussen, spielerisch, ohne Leistungsdruck – hilft, das innere Gleichgewicht wiederherzustellen. Wirkung zeigen Yoga, Pilates oder Tai Chi. Oder kurze, gezielte Impulse wie die Body2Brain-Techniken von Claudia Croos-Müller: einbeiniges Stehen, bewusstes Dehnen oder der «Schulterwurf» – kleine Übungen mit grossem Effekt.

Den Geist pflegen: In einer Welt permanenter Reizüberflutung ist mentale Erholung unverzichtbar. Achtsamkeit ist kein Luxus, sondern Notwendigkeit. Schon kurze Routinen helfen: etwa die «One-Minute-Meditation» von Martin Boroson oder die «3×3»-Übung, bei der drei bewusste Sinneseindrücke wahrgenommen werden. Solche Techniken beruhigen den Geist und fördern kreative Lösungen. Wer mentale Stressverstärker erkennt, kann resilientere Denkgewohnheiten entwickeln.

Fokus aufs Positive: Resilienz heisst auch, den Blick bewusst auf das Gute zu richten. Dankbarkeitsübungen oder «Take in the good»-Routinen nach Rick Hanson stärken das seelische Immunsystem. Dabei geht es nicht um eine aufgesetzte Positivität, sondern um den bewussten Aufbau innerer Ressourcen, um die Herausforderungen besser zu meistern.

Rituale am Morgen und am Abend: Ein «Check-in» am Morgen und ein «Check-out» am Abend helfen, den Tag bewusst zu starten und zu reflektieren.

Beziehungen pflegen: Resilienz wächst in der Verbindung. Zeit mit Menschen, die guttun, schenkt Halt und neue Perspektiven – etwa bei einem gemeinsamen Spaziergang oder einem Kaffee.

Spielen und Kreativität leben: Ein spielerischer Geist bringt Leichtigkeit und eröffnet neue Lösungen. Kreative Tätigkeiten wie etwa Malen, Musizieren oder Spielen mit Kindern fördern Flexibilität und Lebensfreude.

Kleine Impulse mit grosser Wirkung: Schon Minipausen, bewusstes Atmen, Spaziergänge in der Natur oder kurze spielerische Herausforderungen stärken die Resilienz und geben dem Geist Raum, sich zu regenerieren.

Gesundheitsförderung im Arbeitsalltag

Das Thema Resilienz gehört zu jeder ganzheitlichen Gesundheitsförderung. Arbeitswelten müssen also so gestaltet werden, dass sie Menschen stärken – im Alltag ebenso wie in Umbruchphasen und Krisenzeiten. Dazu braucht es eine Führung, die achtsam handelt und Orientierung gibt, eine Unternehmenskultur, die Vertrauen und Offenheit fördert, sowie Programme, die Resilienz gezielt auf individueller wie auch auf Teamebene aufbauen. Das Ziel sollten Arbeitsumfelder sein, in denen Menschen gesund bleiben, Veränderungen aktiv mitgestalten und langfristig ihr Potenzial entfalten können. Gerade in Zeiten wachsender Komplexität und Unsicherheit ist das wichtiger denn je.

«In einer Welt permanenter Reizüberflutung ist mentale Erholung unverzichtbar. Achtsamkeit ist kein Luxus, sondern Notwendigkeit.»

Resilienz prägt unseren Lebensstil und kann den Blick für die eigenen Ressourcen und die Umwelt schärfen. Gerade in Zeiten von Überfluss und permanentem Konsum wirft sie die Frage auf, wie wir mit Wohlstand umgehen. Wer bewusst mit den eigenen Kräften umgeht, entdeckt vielleicht auch Wege zu einem überlegteren, nachhaltigeren Lebensstil. Resilienz kann so nicht nur ein Schutzschild gegen Stress sein, sondern zugleich den Impuls geben, Ressourcen achtsam zu nutzen. Innere Stärke und ein verantwortungsvoller Umgang mit der Umwelt könnten so Hand in Hand gehen.

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